Mögliche Folgen des Iran-Kriegs:Experte zu Terrorgefahr: "Wir müssen damit rechnen"
Könnte der Iran-Krieg die Anschlagsgefahr in Europa erhöhen? Vieles hänge von der Stabilität des Regimes in Teheran ab, sagt Terrorismus-Experte Schindler bei ZDFheute live.
Auch in Deutschland seien iranische Spionagenetzwerke in der Lage, Anschläge vorzubereiten, erklärt Terrorexperte Schindler. Im Visier seien besonders israelische, jüdische und US-Einrichtungen.
10.03.2026 | 12:17 minNeuer Krieg, neue Terrorismus-Gefahren? Welche Bedrohungen gehen von Iran außerhalb des Nahen Ostens aus? Steigt die Gefahr von Anschlägen in Deutschland und Europa - und sind die Behörden vorbereitet?
Iran verfolge eine "hybride Abwehrstrategie", die "möglicherweise auch Terrorangriffe außerhalb der Region" einschließe, sagt Nahost- und Terrorismus-Experte Hans-Jakob Schindler bei ZDFheute live.
Sehen Sie das ganze Interview oben im Video oder lesen Sie hier Auszüge:
Wie ist die aktuelle Bedrohungslage?
Auch Deutschland sei für mögliche iranische Anschläge ein "potenzielles Zielspektrum", sagt Schindler. Allerdings gebe es aktuell keine konkrete Bedrohungslage, es gebe "keine konkreten Hinweise", aber:
Wir müssen damit rechnen.
Hans-Jakob Schindler
Nach Einschätzung des Experten hängt alles vom Zustand des Regimes in Teheran ab. Zurzeit sei es zwar militärisch massiv unter Druck, aber "es funktioniert noch halbwegs".
Das Regime ist noch nicht in einer ultra-desperaten Situation.
Hans-Jakob Schindler
Sollte es bei einem länger andauernden Krieg zu Zerrüttungen innerhalb des Systems kommen, werde die Gefahr jedoch "enorm" steigen.
Hat Iran Netzwerke in Europa für mögliche Anschläge?
Iran könne bei möglichen Aktionen auf bestehende Netzwerke in Europa zurückgreifen, sagt Schindler. Hisbollah-Netzwerke und die organisierte Kriminalität kämen dafür in Frage. Iran habe "definitiv die Kapazitäten", hier Anschläge zu verüben. Ein bereits bestehendes Spionagenetzwerk Irans könne ebenfalls genutzt werden.
"Die klassischen großen Terroranschläge des Iran im Ausland in den letzten Dekaden waren immer eine sogenannte Koproduktion zwischen Planern und Logistik der iranischen Geheimdienste und operativer Durchführung durch Hisbollah-Operateure", sagt Schindler. Dabei gehe es um klassische Spionagenetzwerke, die aufgestellt worden seien, um Oppositionelle zu beobachten, um Deutschland auszuspionieren.
Auch Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums, warnt bei ZDFheute live vor möglichem iranischen Terror in Europa:
Die Nachrichten aus Teheran sollten ernst genommen werden, sagt CDU-Politiker Marc Henrichmann. Je brisanter der Existenzkampf in Iran sei, desto höher sei die Gefahr von Schläferzellen.
10.03.2026 | 7:25 min
Sind die deutschen Behörden ausreichend gerüstet?
Besonders im Fokus der Iraner könnten israelische, US-amerikanische oder jüdische Einrichtungen hierzulande stehen. "Leider ist das islamische Regime im Iran so antisemitisch, dass es nicht unterscheidet zwischen jüdischen und israelischen Einrichtungen", betont Schindler.
Neben den genannten Netzwerken sieht Schindler eine mögliche Gefahr in der politischen Solidarisierung von eigentlich unbeteiligten Gruppen oder Personen. Er spricht von "Personen, die eigentlich nichts mit dem Iran zu tun haben, die eigentlich nicht eingebunden sind in diese Spionage oder operativen Netzwerke des Iran oder der Hisbollah, möglicherweise sich so radikalisieren, dass sie hier einen Anschlag verüben wollen".
Schindler fordert grundsätzlich mehr Befugnisse der Sicherheitsbehörden bei der Kommunikation in Sozialen Medien und Messenger-Diensten. Er sieht die Notwendigkeit, dass die deutschen Behörden "sehr wachsam" seien und dass der internationale Austausch verstärkt werde.
Das Interview führte Alica Jung.
Die ganze Sendung zum Thema sehen Sie hier:
Iranische Terroraktionen in Deutschland? Experten gehen von einer erhöhten Gefahr aus. Welche Netzwerke hat das Regime hierzulande? ZDFheute live analysiert.
10.03.2026 | 25:59 min