Australien gewährt iranischen Fußballerinnen Asyl

Sie sangen die iranische Hymne nicht:Australien gewährt iranischen Fußballerinnen Asyl

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Fünf Spielerinnen aus Iran sangen bei einem Spiel in Australien die Nationalhymne nicht. Aus Angst vor Repressalien und nach internationalem Druck dürfen sie nun im Land bleiben.

Team Iran hört sich die Nationalhymnen vor dem AFC Women’s Asian Cup Australia 2026-Fußballspiel zwischen Südkorea und Iran am 2. März 2026 an der Gold Coast an.

Fußballfans waren in Sorge, dass das iranische Regime Rache an der Frauen-Fußballnationalmannschaft nehmen könnte.

09.03.2026 | 1:38 min

Australien gewährt den fünf iranischen Fußballspielerinnen Asyl, die vor einem Spiel in dem Land nicht die iranische Nationalhymne gesungen hatten. "Ich habe ihre humanitären Visa gestern Abend genehmigt", sagte Australiens Innenminister Tony Burke vor Journalisten.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump die australische Regierung öffentlich dazu aufgefordert, den Spielerinnen Asyl zu gewähren. Den Frauen könnten bei einer Rückkehr nach Iran Repressalien drohen.

Iranische Fußballerinnen feiern Asyl

Nach der Zusage seien die Fußballerinnen in Jubel ausgebrochen, berichtete Innenminister Burke. In den frühen Morgenstunden hätten sie an einem geheim gehaltenen Ort in Brisbane mit dem beliebten australischen Schlachtruf "Aussie, Aussie, Aussie" gefeiert. Auf einem symbolträchtigen Foto waren die Frauen ohne Kopftuch an Burkes Seite zu sehen.

Australischer Innenministers Tony Burke posiert am 10.03.2026 mit fünf iranischen Fußballspielerinnen, denen in Australien Asyl gewährt wurde

Die iranischen Fußballerinnen erfuhren die guten Nachrichten von Innenminister Tony Burke.

Quelle: AP

Die Athletinnen hatten während des Asien Cups an der Gold Coast Schutz gesucht und unter Polizeischutz das Teamhotel verlassen, nachdem sie in Iran wegen ihres stillen Protests in die Kritik geraten waren. Beim ersten Gruppenspiel des Turniers hatten die Spielerinnen beim Abspielen ihrer Nationalhymne geschwiegen.

Dies wurde in ihrer Heimat als Zeichen gegen die iranischen Machthaber gewertet - befürchtet wurde, dass ihnen nach der Rückkehr schlimme Konsequenzen drohen könnten.

Menschen versammeln sich bei einer Kundgebung zur Unterstützung von Modschtaba Chamenei, dem offiziellen Nachfolger seines getöteten Vaters Ali Chamenei.

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09.03.2026 | 1:40 min

Viel Zuspruch für iranische Fußballerinnen in Australien

Burke sagte, die Regierung habe zunächst bewusst nicht öffentlich über ihre Hilfsbemühungen gesprochen, um die Sicherheit der Spielerinnen nicht zu gefährden. "Diese Frauen sind großartige Sportlerinnen und großartige Menschen - sie werden sich in Australien sehr zu Hause fühlen", sagte er.

Australien hat die iranische Frauenfußballmannschaft in seine Herzen geschlossen.

Tony Burke, Australiens Innenminister

Ministerpräsident Anthony Albanese erklärte, viele Australier seien vom Schicksal der Spielerinnen bewegt.

Sie sind hier sicher und sollen sich willkommen fühlen.

Anthony Albanese, Ministerpräsident Australiens

Auch weitere Teammitglieder ermutigte er, Asyl zu beantragen, falls sie das wollten - "wohl wissend, dass es sich um eine sehr heikle Situation handelt und die Entscheidung bei ihnen liegt." Die Hilfe seiner Regierung stehe aber bereit.

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09.03.2026 | 2:25 min

Sorge vor Repressalien in Iran

Der Rest des Teams verließ am Nachmittag (Ortszeit) aber das Hotel in Richtung Flughafen. Beobachter sprachen von "emotionalen Szenen". In einem von Medien veröffentlichten Video war zu sehen, wie eine Spielerin von einer Teamkollegin offenbar in den Bus gezerrt wurde. Am Airport der Stadt Gold Coast hätten dann Demonstranten versucht, den Bus aus Sorge um die Frauen zu blockieren, berichtete die Nachrichtenagentur AAP.

Das Schweigen der Spielerinnen während der Nationalhymne im ersten Gruppenspiel hatten konservative Kommentatoren in Iran als Verrat an der iranischen Regierung bezeichnet. Das Team sang daraufhin in seinen letzten beiden Spielen die Nationalhymne und salutierte dazu. Der Sohn des früheren iranischen Schahs, Reza Pahlavi, warnte am Montag, die Weigerung, die Hymne zu singen, könne "schreckliche Konsequenzen" haben. Er drängte Australien, den Fußballerinnen Schutz zu bieten.

Auch andere Politiker, Menschenrechtsaktivisten und auch die "Harry-Potter"-Autorin J.K. Rowling forderten offizielle Schutzmaßnahmen für die Frauenmannschaft. "Bitte schützt diese jungen Frauen", erklärte Rowling in Online-Netzwerken.

Quelle: AFP, dpa
Über dieses Thema berichteten die ZDF heute-Nachrichten am 09.03.2026 ab 17:00 Uhr.

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