Ökonomin zu steigenden Ölpreisen: Für Tankrabatt noch zu früh

Interview

Samina Sultan:Ökonomin: Für Tankrabatt ist es noch zu früh

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Die Öl- und Gaspreise steigen. Die Bundesregierung sollte jedoch nur Mittel ergreifen, die einen nachhaltigen Effekt auf den Preis hätten, analysiert Ökonomin Samina Sultan.

Ökonomin Samina Sultan

Sehen Sie hier das Interview mit Samina Sultan.

09.03.2026 | 11:04 min

Der Krieg gegen Iran treibt die Öl- und Gaspreise nach oben. Erstmals seit Jahren ist der Ölpreis in der Nacht zu Montag wieder über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Welche Auswirkungen die steigenden Preise für die Wirtschaft und die Verbraucher haben und ob ein Preisdeckel helfen würde, darauf hat die Ökonomin Samina Sultan Antworten.

Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge oder lesen Sie es unten in Auszügen.

Im Gespräch mit ZDFheute live betont Sultan, dass ...

... 20 Prozent des Öls durch die Straße von Hormus laufen.

Der Ölpreis bilde sich grundsätzlich aus Angebot und Nachfrage. Vor dem Iran-Krieg habe es auf den Weltmärkten ein Überangebot gegeben, auch weil die Weltwirtschaft "nicht so rund läuft".

Die Karte zeigt die Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen Oman, den VAE und Iran. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und verflüssigten Gases (LNG) muss durch die Straße von Hormus.

Seit Beginn des Konflikts stehe jedoch ein wichtiger Transportweg infrage:

Bis zu 20 Prozent des Öls laufen durch die Straße von Hormus.

Samina Sultan, Ökonomin

Sollte diese Route ausfallen, könne es zu einer realen Verknappung des Angebots kommen. Entscheidend sei nun, wie lange die Meerenge faktisch gesperrt bleibe und ob weitere Förderanlagen oder Pipelines angegriffen würden, wodurch das Angebot weiter sinken könnte.

In diesem Zusammenhang sei es "ein wichtiges Signal", dass die G7-Staaten ihre Reserven auf den Weltmarkt bringen könnten.

Über das Wochenende stieg der Ölpreis um knapp 30 Prozent auf bis zu 120 US-Dollar.

Wegen des Iran-Kriegs steigt der Ölpreis über das Wochenende um knapp 30 Prozent. Die G7-Staaten erwägen Gegenmaßnahmen, um den Preis zu senken.

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... auch Deutschland die Preissteigerung zu spüren bekomme.

Auch wenn Deutschland nur einen kleinen Teil seines Rohöls direkt aus der Golfregion beziehe, bekomme das Land die Preissteigerungen deutlich zu spüren, weil Öl ein global gehandeltes Gut sei und sich der Preis am Weltmarkt bilde. Daher treffe ein höherer Weltmarktpreis auch Deutschland.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche habe bereits angekündigt, prüfen zu lassen, ob sogenannte Mitnahmeeffekte vorlägen. Man müsse diese Untersuchung zunächst abwarten, um empirisch belegen zu können, ob Unternehmen die geopolitische Lage tatsächlich ausnutzten. Sollte sich das bestätigen, sei es richtig, dagegen vorzugehen.

Grundsätzlich gebe es auch Möglichkeiten für Regulierung:

[In Israel ist es zum Beispiel so], dass die Preise an den Tankstellen nur einmal im Monat angepasst werden können. Hier in Deutschland ist es aber so, dass das mehrmals am Tag passieren kann.

Samina Sultan, Ökonomin

Auch mehr Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher könne dazu beitragen, dass Preise weniger stark steigen.

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... ein Tankrabatt weniger sinnvoll sei.

Einen Tankrabatt bewertet die Ökonomin hingegen zurückhaltend. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine habe es ein solches Instrument bereits gegeben, als große Unsicherheit über russische Öllieferungen bestanden habe. Der Rabatt sei jedoch teuer gewesen und habe nur begrenzte Preiseffekte gezeigt.

Angesichts knapper Haushaltsmittel, etwa wegen höherer Verteidigungs- und Infrastruktur-Ausgaben, sollte der Staat aus ihrer Sicht nur Maßnahmen ergreifen, die nachweislich nachhaltig wirkten. Daher sei es derzeit "noch nicht angebracht", über einen Preisdeckel nachzudenken; zunächst sollten andere Optionen geprüft werden.

ZDF-Korrespondent Torge Bode aus Tel Aviv und ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen aus Washington.

Während in Israel von steigenden Ölpreisen noch nichts zu spüren ist, sind die Ölpreise in den USA bereits gestiegen, berichten ZDF-Korrespondenten aus Tel Aviv und Washington.

09.03.2026 | 14:09 min

... ihr Team verschiedene Szenarien berechnet hat.

Die Ökonomin sagt, ihr Team habe verschiedene Szenarien berechnet, um die möglichen Kosten steigender Ölpreise abzuschätzen. Wenn der Preis für ein Barrel Öl zwei Jahre lang bei 100 US‑Dollar liege, würde das die deutsche Wirtschaft in diesem Zeitraum kumuliert rund 40 Milliarden Euro kosten.

Steige der Preis dagegen auf 150 US‑Dollar je Barrel und bleibe ebenfalls zwei Jahre auf diesem Niveau, entstünden Kosten von etwa 80 Milliarden Euro. Das sei beträchtlich, betont sie, zumal die deutsche Wirtschaft ohnehin stark belastet sei und sich derzeit erst langsam erhole.

... die Wirtschaft heute nicht mehr so abhängig vom Öl ist.

Eine Senkung der Spritsteuern wäre grundsätzlich ein möglicher Hebel, allerdings sei das "teilweise europarechtlich reguliert", erklärt Sultan. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine habe die Bundesregierung die Steuern bereits "auf das europäische Minimum" gesenkt.

Aus ihrer Sicht sei diese Maßnahme jedoch "relativ teuer" gewesen und habe "nicht so viel gebracht", weshalb sie "wahrscheinlich nicht der richtige Hebel" sei. Wie schnell sich die Wirtschaft erhole, hänge vor allem davon ab, "wie lange dieser Krieg anhält", so Sultan.

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Anders als bei den Ölkrisen der 1970er- und 1980er-Jahre sei die Wirtschaft heute "nicht mehr so abhängig vom Öl", unter anderem wegen eines größeren Dienstleistungssektors und effizienterer Transporte.

Europa und Nordamerika seien daher weniger abhängig von Öl aus der Golfregion. In Asien hingegen seien Länder wie China, Indien oder Japan "sehr abhängig von dem Öl aus der Golfregion", weshalb die Krise "insbesondere den asiatischen Raum" treffen dürfte.

Das Interview führte Sara Bildau, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.

Über das Thema berichtete ZDFheute live in dem Beitrag "Ölpreis: Droht eine neue Energiekrise?" am 09.03.2026 ab 19:30 Uhr.

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