Atomkraft in Deutschland: Was für und gegen eine Rückkehr spricht

WISO - Wirtschaft erklärt:Atomkraft: Was für und gegen eine Rückkehr spricht

von Mischa Ehrhardt und Florian Neuhann

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Die Preise für Energie explodieren. Und Deutschland verzichtet auf Atomenergie. Andere Länder agieren anders. Was spricht für und gegen Atomkraft?

Auf einer Tonne ist das Atomkraft-Logo zu sehen

Lohnt sich ein Atomkraft-Comeback für Deutschland wirtschaftlich? Das fragt "WISO - Wirtschaft erklärt" mit Florian Neuhann.

24.04.2026 | 10:47 min

Das Hin und Her fand ein Ende, dann gingen die Lichter aus: Am 15. April 2023, kurz vor Mitternacht, in Neckarwestheim 2. Es war das letzte der verbliebenen drei Atomkraftwerke, das vom Netz ging. In der halben Stunde zuvor fuhren Emsland und Isar 2 herunter. Der Atomausstieg in Deutschland war vollzogen.

Drei Jahre danach ist eine knappe Mehrheit der Deutschen skeptisch: Ist der Ausstieg aus der atomaren Stromerzeugung richtig? Nein, sagen 53 Prozent in einer aktuellen Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut YouGov. Ist Atomkraft die Lösung, ein Mittel gegen künftige Energiekrisen?

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Strombedarf in Deutschland steigt

In den letzten Monaten ihrer Laufzeit lieferten die Atomkraftwerke nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes rund sechs Prozent des Strombedarfs. Nach dem Ausstieg konnten das regenerative Energien ausgleichen.

Doch der Strombedarf steigt. So prognostiziert die Unternehmensberatung McKinsey, dass in Deutschland in den kommenden zehn Jahren je nach Entwicklung zwischen 35 und 70 Prozent mehr Strom gebraucht wird.

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16.04.2026 | 0:23 min

Welche Vorteile Atomkraft bietet

Schaut man sich um, geht Deutschland mit seinem Ausstieg einen Sonderweg: Länder wie Frankreich oder China setzen auf Kernenergie und planen neue Reaktoren. Italien will 40 Jahre nach dem eigenen Atomausstieg unter der Regierung Meloni wieder in die Nutzung einsteigen. Und selbst in Japan werden Atomkraftwerke nach der Katastrophe von Fukushima wieder ans Netz genommen.

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Die Vorteile liegen auf der Hand: AKWs produzieren Strom fast CO2-neutral - zumindest im laufenden Betrieb. Und sie liefern rund um die Uhr, dadurch fallen Schwankungen im Netz klein aus. So scheint Atomkraft auf den ersten Blick die Lösung zu sein.

Denn im Tagesverlauf schwankt die Stromerzeugung bei erneuerbaren Energien. So genannte Dunkelflauten sind ein Problem, wenn weder die Sonne scheint noch Wind weht. Bereits heute importiert Deutschland deshalb vor allem in den Morgenstunden Strom, wenn der Verbrauch hoch ist.

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Die Weltlage ist unsicherer geworden, doch Deutschland lagert weiterhin Castorbehälter mit hoch radioaktiven Brennstäben oberirdisch in Zwischenlagern. Ein sicheres Endlager ist nicht in Sicht.

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Deutschland importiert Strom, wenn er billig ist

Allerdings analysieren das Öko-Institut oder Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme: Batteriespeicher oder Reservekraftwerke könnten es ihrer Ansicht nach schaffen, die Schwankungen zu kompensieren. Und der Import sei kein Zeichen von Mangel, sondern nur eine Frage des Preises am europäischen Strommarkt.

Kurzum: Man nutze billige Energie, wo sie zu haben ist, doch bräuchte sie nicht unbedingt. "Strom wird in aller Regel dann importiert, wenn die inländische Produktion teurer wäre", schreibt auch die Bundesnetzagentur in ihren Daten zum Strommarkt 2025.

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Atomkraftwerke bergen gesellschaftliche Risiken

Hinzu kommt: Die alten Atomkraftwerke lassen sich zumindest nach Angaben der Betreiber nicht mehr reaktivieren. Neue zu bauen - das zeigen die Erfahrungen aus dem europäischen Ausland - dauert Jahre oder Jahrzehnte und kostet etliche Milliarden.

So viel Geld, dass die private Energieindustrie zurückschreckt: Konzerne wie EnBW, selbst früher Betreiber von Atomkraftwerken, betonen, dass Atomkraft wirtschaftlich nicht zu machen sei. Hohe Baukosten, Versicherungsfragen und die ungelöste Endlagerung schrecken Investoren ab.

Eine Rückkehr zur Atomkraft wäre also eine gesellschaftliche und politische Entscheidung. Miteinbezogen werden müsste die Frage nach dem Problem des Atommülls: Die hochradioaktiven Abfälle müssen über Jahrtausende sicher gelagert werden. Weltweit gibt es noch keine endgültige Lösung dafür. Die Kosten für Lagerung, Überwachung und mögliche Risiken sind kaum abschätzbar. Sie landen beim Staat und damit beim Steuerzahler.

Ein Strahlungssymbol in der verlassenen Stadt Pripyat in der Sperrzone von Tschernobyl.

Vor 40 Jahren kam es zur Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Ein Rettungssanitäter erzählt, wie das damals war. Heute ist das stillgelegte Kraftwerk immer wieder Ziel von russischen Angriffen.

22.04.2026 | 6:37 min

Der GAU und das Hin und Her

Und dann gibt es noch das Risiko von Unfällen 1986, vor fast exakt 40 Jahren, explodierte der Kernreaktor in Tschernobyl. Im März vor 15 Jahren kam es zum nächsten größten anzunehmenden Unfall (GAU) im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Japan. Beides hatte Folgen für die Bundespolitik.

Der Atomausstieg begann 2002 in der Regierungszeit von Rot-Grün. Hauptgrund für diese Entscheidung waren die Sicherheitsrisiken, die mit der Kernkraft einher gehen. Und die ungelöste Endlagerfrage. Rund 20 Jahre später sollten alle Atommeiler abgeschaltet sein.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel setzte eine Laufzeitverlängerung durch - bis mindestens 2036. Wenige Monate später kam es dann zum GAU in Fukushima. Die schwarz-gelbe Regierung kassierte die Laufzeitverlängerung wieder ein.


Das Hin und Her in Deutschland endete im April 2023, als die Lichter des letzten AKWs in Deutschland ausgingen. Wer neue bauen will, braucht politischen Mut, Ausdauer und viel Steuergeld. Die Privatwirtschaft fällt aus. Sie ist nicht bereit, ihr Geld in Atomenergie zu investieren.

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Über dieses Thema berichtete WISO in dem Beitrag "Atom-Comeback? Lohnt sich das - wirtschaftlich?" am 24.04.2026 um 11:30 Uhr.

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