Atommüll-Transport spaltet NRW: Streit über Castor-Zwischenlager

Streit über Atommüll-Lagerung:Comeback der Atomkraft? Was ein neuer Castortransport zeigt

von Martin Schiffler

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Im Zwischenlager Jülich dürfte eigentlich kein Atommüll mehr lagern - daher stehen nun neue Castortransporte in NRW an. Die Debatte darüber verdeutlicht das Atommüllproblem.

Atommüllbehälter stehen im Forschungszentrum (FZ) Jülich in einer Lagerhalle.

Der erste Castortransport des Jahres steht an.

24.03.2026 | 0:50 min

Den ersten Castortransport wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in dieser Woche geben - vermutlich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Den sicherheitsrelevanten und daher eigentlich geheimen Streckenverlauf hat das Bundesverkehrsministerium veröffentlicht. Nicht direkt, aber indirekt mit der Nennung der Flugverbotszonen für diese Woche.

Kritik an geplanten Transporten

Das könnte spürbare Folgen haben und aufgrund angekündigter Demonstrationen die Arbeit der Polizei erschweren, die ohnehin mit Grauen auf ihre bevorstehenden Großeinsätze blickt. Oder sogar das Engagement von Saboteuren erleichtern.

Imsel Bakir von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW sagt dazu:"Dieser Transport ist politisch nicht notwendig. Es gibt keinen zwingenden Grund, die Castoren zum jetzigen Zeitpunkt von Jülich nach Ahaus zu verbringen, quasi von einem Zwischenlager in das nächste." Und weiter:

Diese Entscheidung müssen sich die politisch Verantwortlichen kritisch vorhalten lassen.

Imsel Bakir, Gewerkschaft der Polizei Nordrhein-Westfalen

Container und Fässer für die Zwischwenlagerung von Atommüll

Noch immer ist unklar, wo in Deutschland der hochradioaktive Atommüll für die nächsten Jahrtausende gelagert werden soll. Bisher gibt es nur Zwischenlager, aber kein Endlager.

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Doch da die Sicherheitsstandards in Jülich längst unterschritten werden und das Lager seit dem Jahr 2013 de facto geschlossen werden müsste, müssen nun die 152 dort lagernden Behälter nach Ahaus transportiert werden. Das dortige Zwischenlager darf sie bis 2036 aufbewahren. Und dann?

Atommüll: Das ungelöste Problem mit der Endlagerung

Vor fast drei Jahren wurde das letzte Atomkraftwerk in Deutschland abgeschaltet. Doch ein Endlager für den radioaktiven Atommüll ist weit und breit nicht in Sicht.

Wissenschaft und Politik einerseits, Länder und der Bund andererseits schieben sich gegenseitig die Verantwortung und die Kosten zu. Fest steht: Die schwarz-grüne Landesregierung in NRW hatte sich im Koalitionsvertrag im Jahr 2022 auf die "Minimierung von Atomtransporten" verständigt. Daraus wird aber nichts.

Neues Verfahren auf dem Prüfstand
:Studie: Umwandlung von Atommüll möglich

Mit einer sogenannten Transmutationsanlage könnte sich der Umgang mit Atommüll wesentlich ändern. Laut einer Studie könnten so sogar wertvolle Elemente zurückgewonnen werden.
Atommüll im Zwischenlager Ahaus

Moritz Mais, Sprecher des Wirtschaftsministeriums NRW, weist Kritik an der Landesregierung zurück:

Die Landesregierung hätte sich eine andere Entscheidung des Bundes gewünscht und hat dazu in der Vergangenheit alle Handlungsoptionen ausgeschöpft, um unnötige Transporte zu vermeiden. Das Land hat keine Entscheidungsgewalt in dieser Sache.

Moritz Mais, Sprecher NRW-Wirtschaftsministerium

Beobachter gehen davon aus, dass kein Entscheidungsträger, Politiker oder Wirtschaftschef von heute das dringend benötigte Endlager - wo auch immer - eröffnen wird. Der sehr unterschiedliche Wille aller Länderchefs und die langwierige Suche nach einem geeigneten Lagerort, der konsensfähig ist, verhindern das. Fachleute sind sich daher einig: Es wird wohl noch einige Jahrzehnte dauern, bis es soweit ist.

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Reul: Schutz als große Herausforderung

So lange braucht Deutschland noch Zwischenlager für Zwischenlösungen. Castortransporte durch Deutschland werden also wieder für Schlagzeilen sorgen. Auch wenn sie nachts stattfinden werden. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagt:

Wenn es nach mir ginge, könnte ich auf die anstehenden Castortransporte gerne verzichten. Aber die Arbeit der Polizei ist kein Wunschkonzert. Wir können uns die Einsätze nicht aussuchen. Der Schutz von Castortransporten ist eine große Herausforderung.

Herbert Reul (CDU), NRW-Innenminister

Warum der Transport von Castoren so schwierig ist

Dass sie überhaupt stattfinden dürfen, hatte in letzter Instanz das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschieden. Ihr Weg über die Autobahnen in NRW wird kein leichter sein. Aufgrund seines Gewichts passt nur ein Behälter auf einen speziellen, 30 Meter langen und drei Meter breiten Sattelzug. Das Gesamtgewicht dieser Transporteinheit beträgt knapp 130 Tonnen.

Markus Söder

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Und weil es in Jülich nur vier derartige Transporteinheiten gibt, wird es viele derartige Schwer- und Gefahrlasttransporte durch NRW geben. Selbst wenn alle vier Transporteinheiten zusammen - in Kolonne - nach Ahaus fahren, stehen dem Land damit mindestens 38 solcher Nächte bevor.

Der letzte Castortransport von Jülich nach Ahaus muss bis Ende August 2027 vollzogen sein. Das klingt nach einer Menge Zeit. Für die Beteiligten heißt das aber: Selbst wenn pro Transport alle vier Schwerlastzüge unterwegs sein werden, es also "nur" 38 Fahrten beziehungsweise Kolonnen sein werden, hat die Regierung in NRW nur noch 76 Wochen Zeit dafür. Das bedeutet für die Polizei exakt jede zweite Woche eine Kolonne, die sie auf 170 Kilometern nachts beschützen muss.

Castortransporte als unliebsames Wahlkampfthema?

Hartmut Liebermann von der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" sagt zu den geplanten Transporten: "Atommüllverschiebung ist keine Entsorgung. 152 Castor-Transporte sind geplant von Jülich nach Ahaus." Er fasst zusammen:

Ein wahnsinniger Aufwand, verbunden mit einem großen Sicherheitsrisiko, bedenkt man die marode Infrastruktur, also Straßen und Brücken, angesichts von rund 130 Tonnen Transportgewicht.

Hartmut Liebermann, Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus"

Gelbe Tonnen mit dem Zeichen für Radioaktivität.

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Da in NRW im April 2027 ein neuer Landtag gewählt wird, wird die schwarz-grüne Regierung alles daran setzen, deutlich vorher das unliebsame Thema "Castortransporte" zu beenden. Das erhöht den Druck und Stress für alle Beteiligten.

Vor dem Hintergrund dieser Debatte und all der ungelösten Atommüllprobleme in Deutschland wirft die aufkeimende Diskussion über den Bau neuer sogenannter "Mini-Atomkraft-Reaktoren" mehr Fragen als Antworten auf.

Martin Schiffler ist Redakteur im ZDF-Landesstudio NRW.

Über dieses Thema berichtete das ZDF heute journal update am 24.03.2026 ab 00:25 Uhr.

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