EU setzt auf Mini-Akw:Von der Leyen: Atomausstieg war ein "strategischer Fehler"
Es gebe eine "Renaissance der Kernenergie", sagt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Europa wolle daran teilhaben. Die EU setzt dabei auf kleinere Reaktoren.
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sieht den Atomkraftausstieg im Hinblick auf die gestiegenen Spritpreise kritisch. Sie kündigte Unterstützung in der Entwicklung von kleineren Reaktoren an.
10.03.2026 | 0:27 minNach Jahren der Skepsis wendet sich die Europäische Union wieder verstärkt der Atomenergie zu. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte die Abkehr von der Atomkraft einen "strategischen Fehler".
Zugleich kündigte sie auf einem Atomenergie-Gipfel in Frankreich neue Finanzhilfen der EU für Atomenergie an. Die EU werde 200 Millionen Euro für Bürgschaften für private Geldgeber zur Verfügung stellen, die in neue Atomtechnologien investieren wollen, sagte von der Leyen.
In den letzten Jahren erleben wir eine weltweite Renaissance der Kernenergie. Und Europa will an dieser Renaissance teilhaben.
Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin
Von der Leyen: Atomenergie zu reduzieren, war ein Fehler
Während 1990 ein Drittel des europäischen Stroms aus Kernenergie stammte, seien es heute nur noch knapp 15 Prozent, sagte von der Leyen. "Diese Verringerung des Anteils der Kernenergie war eine bewusste Entscheidung. Und ich glaube, dass es für Europa ein strategischer Fehler war, einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren."
Sauberer, bezahlbarer Strom sei wichtig für die Lebenshaltungskosten der Bevölkerung und bilde das Fundament für die Industrien der Zukunft wie Robotik und Künstliche Intelligenz, die beide erschwinglichen Strom in Hülle und Fülle benötigten, sagte von der Leyen. Gerade die aktuelle Krise im Nahen Osten zeige, dass es zudem wichtig sei, nicht von Energieimporten abhängig zu sein.
Die EU-Kommission debattiert in Straßburg über ein Energiepaket. Es geht unter anderem um die Entwicklung modularer Reaktoren in Europa und eine Investitionsstrategie für saubere Energie.
10.03.2026 | 3:51 minDie EU setze in erster Linie auf die Entwicklung sogenannter kleiner modularer Reaktoren (SMR - small modular reactors). "Wir wollen, dass diese neue Technologie in Europa bis Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit ist", sagte die Kommissionspräsidentin. Die neuen Reaktoren sollten neben herkömmlichen Atomkraftwerken eine "Schlüsselrolle" spielen.
Damit kam sie den Forderungen des Gastgebers, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, weit entgegen. Dieser hatte den Gipfel einberufen, um den globalen Aufschwung der Atomenergie weiter zu befeuern - und nicht zuletzt die eigene Industrie davon profitieren zu lassen.
Atomkraft: Viele Länder setzen auf Mini-AKWs
SMR-Reaktoren haben eine deutlich geringere Leistung als herkömmliche Anlagen. Diese kleineren, modularen Reaktoren gelten Befürwortern als Alternative zu herkömmlichen großen Atomkraftwerken und versprechen eine flexiblere und möglicherweise sicherere Energieerzeugung.
Kernkraftwerke erleben weltweit eine Wiedergeburt und mit ihr auch der Abbau von Uran. Das radioaktive Element ist unerlässlich für die Kernenergieerzeugung, berichtet Frank Bethmann.
01.03.2026 | 1:42 minDerzeit treiben mehrere Länder wie etwa Großbritannien, Tschechien und Polen die Entwicklung der Mini-Atomreaktoren voran. China und Russland haben erste Anlagen in Betrieb genommen.
Die Nuklearbranche argumentiert, dass SMR einfacher zu bauen und kostengünstiger sowie effizienter sein könnten als traditionelle Großkraftwerke. Atomkraftgegner bezweifeln das und befürchten neue Risiken durch eine Vervielfachung der Anlagenzahl, was Kontrollen erschwere. Befürchtet werden auch neuartige radioaktive Abfälle.
Bundesregierung beim Thema Atomkraft uneins
In der Bundesregierung ist das Thema Atomkraft umstritten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, er persönlich teile die Einschätzung von der Leyens, dass die Abkehr von der Atomkraft ein strategischer Fehler gewesen sei.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) indes kritisierte die EU-Pläne zur Förderung der Atomenergie. "Es spricht Bände, dass der Kern dieser rückwärtsgewandten Strategie aus neuen Subventionen für Atomkraftwerke besteht", sagte der SPD-Politiker in Berlin.
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