Uran ist begehrt: Welche Länder von Atomkraft profitieren

Renaissance der Kernenergie:Das Milliardengeschäft mit Uran - und wer profitiert

von Frank Bethmann

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Die Atomkraft erlebt global eine unerwartete Wiedergeburt. Vielen Ländern geht es um Energiesicherheit. Damit ist auch Uran stärker gefragt. Wie Russland da im Geschäft ist.

Frank Bethmann spricht aus der Börse in Frankfurt

Kernkraftwerke erleben weltweit eine Wiedergeburt und mit ihr auch der Abbau von Uran. Das radioaktive Element ist unerlässlich für die Kernenergieerzeugung, berichtet Frank Bethmann.

01.03.2026 | 1:42 min

Während in Deutschland der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossene Sache ist, sieht das weltweit betrachtet ganz anders aus. Aktuell befinden sich rund um den Globus über 60 neue Reaktoren im Bau, weitere 100 sind in konkreter Planung.

"Die Stromerzeugung aus Kernenergie (2024: 2.768 Terrawattstunden) wird sich voraussichtlich bis 2050 (4.460 Terrawattstunden) im Vergleich zu heute nahezu verdoppeln, insofern alle Projekte umgesetzt werden", schreibt dazu die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) auf Anfrage von ZDFheute. Diese Renaissance der Nuklearenergie, getrieben vom Streben nach Energiesicherheit, lässt die Nachfrage nach Uran in bisher ungekannte Höhen steigen.

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Prognose: 90.000 Tonnen Uran an jährlichem Verbrauch

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Der weltweite Uran-Verbrauch liegt derzeit, je nach Quellenangabe, zwischen 70.000 und 80.000 Tonnen jährlich. Doch Experten prognostizieren einen Anstieg auf 90.000 Tonnen bis 2030.

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Besonders in Asien ist der Hunger nach Kernenergie enorm - allen voran in China. Indien und mehrere arabische Staaten ziehen nach. Selbst in Europa überdenken Länder wie Polen, Tschechien und die Niederlande ihre Atompolitik und setzen auf neue Meiler.

Der Grund für diesen Sinneswandel: Kernkraft produziert konstant verfügbaren Strom ohne CO2-Emissionen und macht Länder unabhängiger von fossilen Energieimporten. In Zeiten geopolitischer Spannungen ein entscheidender Vorteil. Hinzu kommt die Entwicklung von Small Modular Reactors (SMR), kompakten Reaktoren der neuen Generation, die das Atomgeschäft revolutionieren könnten.

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Kasachstan dominiert den Markt für Uran

Die globale Uran-Förderung konzentriert sich auf wenige Schlüsselregionen. Kasachstan ist unangefochtener Spitzenreiter mit einem Marktanteil von knapp 40 Prozent. Das zentralasiatische Land förderte 2025 fast 26.000 Tonnen Uran und baut seine Kapazitäten kontinuierlich aus. Kanada belegt mit etwa 23 Prozent Marktanteil den zweiten Platz.

Australien hingegen verfügt über die weltweit größten Uran-Reserven. Allerdings hinkt die Förderung dem Potential hinterher. Politische Restriktionen und Umweltauflagen bremsen die Produktion.

  • Kasachstan: Die Lagerstätten in der Region Syrdarya und im Gebiet um Schymkent gehören zu den ergiebigsten weltweit.
  • Kanada: Die Athabasca-Region in Saskatchewan beherbergt einige der hochgradigsten Uran-Vorkommen überhaupt mit Konzentrationen von bis zu 20 Prozent - ein Vielfaches des weltweiten Durchschnitts.
  • Weitere nennenswerte Produzenten sind Namibia, Australien, Niger, Russland und Usbekistan.


Versorgungslücke mit Uran am Horizont

Australiens Probleme sind aber nicht ursächlich dafür, dass die Uran-Produktion mit der steigenden Nachfrage nicht Schritt halten kann. Das Problem steckt tiefer. Weltweit. Jahrelang haben niedrige Uran-Preise Investitionen in neue Minen unattraktiv gemacht. Viele Projekte wurden deshalb auf Eis gelegt oder ganz aufgegeben. Die Folge ist eine strukturelle Unterversorgung.

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Das BGR weist zwar darauf hin, dass es international grundsätzlich möglich ist, "eine Versorgung von Kernkraftwerken aus Vorräten im eigenen Land über einen längeren Zeitraum - ohne Uran-Importe - sicherzustellen."

Das ändere aber nichts daran, dass die Verbräuche weltweit deutlich steigen und die Vorräte auf Dauer nicht reichen werden, bestätigt die Bundesanstalt. Kurzum: Für Kraftwerksbetreiber eine Herausforderung, für die Betreiber von Uran-Minen ein Segen.

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Russland dominiert Anreicherung von Uran

Nicht zu unterschätzen ist die Position von Russland. Das Land verfügt nicht nur über bedeutende Uran-Vorkommen, sondern dominiert auch die Anreicherung von Uran, einen entscheidenden Schritt in der Brennstoffkette.

"Die Russische Föderation ist ein wichtiger globaler Lieferant von Kernenergietechnologie, -dienstleistungen und insbesondere Kernbrennstoffen. Sie ist der weltweit größte Anbieter von Urananreicherungsdienstleistungen (43 Prozent Weltanteil) und beliefert weltweit rund 73 Reaktoren mit Kernbrennstoffen", bestätigt das BGR. Geopolitische Spannungen machen diese Abhängigkeit zunehmend problematisch, was westliche Länder zum Aufbau eigener Kapazitäten drängt.

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Uran-Branche ist sehr politisch

Das Uran-Geschäft birgt also auch erhebliche Risiken. Die Branche ist hochgradig politisch: Regierungswechsel, Exportbeschränkungen oder neue Umweltauflagen können Projekte über Nacht unrentabel machen. Der Betrieb von Uran-Minen ist zudem kapitalintensiv und langwierig. Von der Entdeckung einer Lagerstätte bis zur Produktion vergehen oft zehn bis 15 Jahre.

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Hinzu kommt die öffentliche Wahrnehmung. Unfälle wie Fukushima haben das Vertrauen in die Atomkraft nachhaltig beschädigt. Jeder Zwischenfall kann politische Stimmungen kippen und ganze Programme zum Erliegen bringen. Außerdem bleibt die wichtige Endlagerungsfrage weiterhin ungelöst und sorgt für anhaltende gesellschaftliche Konflikte.

Frank Bethmann ist Redakteur im Team Wirtschaft und Finanzen.

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Faktencheck
Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Uran-Abbau gewinnt an Bedeutung" am 01.03.2026 um 05:47 Uhr.

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