Reformdebatte bei "illner": Wie kann Koalition vorwärtskommen?

Reformdebatte bei "illner":Wie kann die Koalition jetzt vorwärtskommen?

von Torben Schröder

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Ran an die Inhalte soll es für Schwarz und Rot gehen. CDU-Generalsekretär Linnemann will vorab keine Vorschläge ausschließen - und kann sich über einen unverhofften Wähler freuen.

v.l.: Boris Palmer, Anke Rehlinger, Maybrit Illner, Carsten Linnemann, Kristina Dunz, Gabriel Felbermayr

Sehen Sie hier die Sendung "maybrit illner" vom 26. März 2026 in voller Länge.

26.03.2026 | 62:18 min

Was wird, nach zwei Schlappen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, aus der SPD? Und was wird aus den ursprünglich für den Herbst 2025 angekündigten Reformen, die jetzt kommen sollen? Reichen der politische Wille und die Kraft der schwarz-roten Koalition dafür aus?

Die Journalistin Kristina Dunz, stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros des "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND), schlägt in der ZDF-Sendung "maybrit illner" einen Wechsel der SPD-Vorsitzenden vor. "Diese Doppelbelastung für beide ist nach meiner Beobachtung zu viel", blickt Dunz auf Finanzminister Lars Klingbeil und Arbeitsministerin Bärbel Bas.

Baerbel Bas, Co-Bundesvorsitzende der SPD, Bundesministerin fuer Arbeit und Soziales, Lars Klingbeil, Co-Bundesvorsitzender der SPD, und Bundesminister der Finanzen, Statements vor der Sitzung des SPD-Praesidiums, DEU, Berlin

Nach der Wahl ist vor der Regierungsarbeit: In Berlin schütteln die Ergebnisse aus Rheinland-Pfalz die Bundesregierung durch. Der Plan der SPD: Durchhalten.

23.03.2026 | 3:04 min

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann will zur Doppelspitzen-Diskussion nichts sagen - und tut das dann doch:

Es steht mir nicht zu, mich bei der SPD einzumischen, aber grundsätzlich halte ich gar nichts davon, das zu trennen.

Carsten Linnemann, CDU-Generalsekretär

Man brauche im Kabinett an entscheidenden Stellen politisches Gewicht - etwa, wie bei CDU-Chef Friedrich Merz, als Kanzler und Parteivorsitzender zugleich.

Carsten Linnemann bei Maybrit Illner

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann bewertet bei Maybrit Illner den Reformvorstoß von SPD-Chef Lars Klingbeil vorsichtig positiv.

26.03.2026 | 0:27 min

Rehlinger: Wirtschaftspolitik der SPD benötigt mehr Biss

"Wir müssen jetzt wirklich ins Handeln kommen und beim Thema Wirtschaft richtig Gas geben - und zwar auch als SPD", sagt die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Die SPD stehe für wirtschaftliche Stärke, soziale Gerechtigkeit und einen "Hoffnungsüberschuss, dass das Morgen besser wird als das Heute".

Bärbel Bas, SPD-Parteivorsitzende im Gespräch mit Shakuntala Banerjee

SPD-Bundesvorsitzende Bärbel Bas hält eine Personaldebatte innerhalb der SPD für wenig sinnvoll. Wichtiger sei, dass die Menschen wüssten, wofür die SPD stehe.

23.03.2026 | 4:37 min

Um die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten, brauche es eine funktionierende Wirtschaft. Die Wirtschaftspolitik der SPD benötige mehr Biss, sagt Rehlinger. SPD und Union müssten hier zusammenwirken, zum Wohle beider Seiten - und damit nicht ganz andere politische Kräfte profitierten.

Die SPD habe ihre Wähler so lange beschimpft, bis sie zur AfD gegangen seien, findet Boris Palmer (parteilos), Oberbürgermeister von Tübingen.

Die Arbeiterschaft wollte nicht hören, dass sich ihre Moral dadurch verbessert, dass sie besonders flüchtlingsfreundlich ist.

Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen

Die dänische Sozialdemokratie zeige, dass es anders geht.

SGS Lars Klingbeil

Die SPD werde zu häufig als "die Partei des Status quo wahrgenommen", sagt der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil. "Da will ich raus", so Klingbeil.

25.03.2026 | 7:15 min

Debatte zur Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen

Worum es inhaltlich nun gehen müsse, benennt Linnemann: Sozialversicherungen, Steuersystem und Innovationsfähigkeit. Konsens in der Koalition sei, dass die kleineren und mittleren Einkommen steuerlich entlastet werden müssten.

Das muss gegenfinanziert werden, und darüber reden wir.

Carsten Linnemann, CDU-Generalsekretär

Im Vorfeld dieser Diskussionen sollten keine Vorschläge ausgeschlossen werden. Eine Mehrwertsteuererhöhung, um eine sinkende Einkommensteuer zu finanzieren, nennt Linnemann indes ökonomisch nicht richtig. Da solle eher bei den Arbeitskosten angesetzt werden.

Thorsten Frei (CDU), Kanzleramtsminister bei einer Sitzung des Bundeskabinetts am 18.3.2026 im Bundeskanzleramt Berlin.

Kanzleramtschef Frei hat die Reformvorschläge von Finanzminister Klingbeil gelobt: Unter anderem soll das Ehegatten-Splitting abgeschafft und bei der Einkommensteuer entlastet werden.

26.03.2026 | 0:22 min

Die Gegenfinanzierung könne, sagt der "Wirtschaftsweise" Gabriel Felbermayr, im Einkommensteuersystem erfolgen - oder auf anderen Wegen. Dass etwas an der Mehrwertsteuer gedreht wird, solle man nicht pauschal ausschließen.

Man kann eine Steuerreform in den Dienst der Wettbewerbsfähigkeit stellen.

Gabriel Felbermayr, Wirtschaftsweiser

Etwa, indem Arbeit günstiger gemacht werde.

Palmer: "Entscheidend ist, was wirkt"

Rehlinger ruft neben der Einkommens- auch die Erbschafts- und Schenkungssteuer in Erinnerung. Die starken Schultern müssten mehr tragen als die schwachen, ohne dass die Wirtschaft darunter leide. "Entscheidend ist, was wirkt", ist Palmers Credo. Es brauche additive Kompromisse, statt dass die Koalitionspartner einander torpedieren, wie es die Ampel praktiziert habe.

Kabinettssitzung in Berlin

Vizekanzler Klingbeil will eine Steuerreform vorlegen. 95 Prozent der Beschäftigten sollen entlastet werden. Für Kanzler Merz gilt: Man schließe nichts aus, um ans Ziel zu kommen.

26.03.2026 | 2:22 min

Verblüffung bei Moderatorin Illner löst Palmer mit dem Bekenntnis aus, er habe bei der Bundestagswahl "Friedrich Merz gewählt": "Ich habe seinen Versprechungen geglaubt." Bei der Entscheidung habe auch das Loch im Haushalt eine Rolle gespielt, sagte der Tübinger Oberbürgermeister.

Bislang fehle es jedoch an der Umsetzung des Versprochenen. Nun habe Palmer zum ersten Mal bei der schwarz-roten Koalition den Eindruck, dass es vorangehen könnte.

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