WISO - Wirtschaft erklärt:Rente: Warum längeres Arbeiten wahrscheinlich wird
von Mischa Ehrhardt und Florian Neuhann
Die Bevölkerung altert, der demographische Wandel setzt das gesetzliche Rentensystem stark unter Druck. Warum wir wahrscheinlich länger arbeiten müssen.
Unser Rentensystem steckt in einer Zwickmühle. Müssen wir jetzt doch alle bis 70 arbeiten? Das fragt WISO - Wirtschaft erklärt mit Florian Neuhann.
25.05.2026 | 10:15 minDas größte Missverständnis der Rentendebatte? Ist wohl diese eine Zahl, um die die Debatte immer wieder kreist: das Rentenniveau. Es liegt aktuell bei 48 Prozent - und bezeichnet nicht etwa den Wert der individuellen Rente. Sondern lediglich eine statistische Größe: Es ist der Wert für einen Menschen, der exakt 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Und der dabei immer den Durchschnittslohn verdient hat.
Die wenigsten werden diesen Modellwert genau treffen. Wer später ins Berufsleben einsteigt, für die Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen pausiert oder zwischenzeitlich unter dem Durchschnitt verdient, landet darunter. Es droht Altersarmut statt Rentensicherheit.
Einem Bericht nach will die Rentenkommission ein Eintrittsalter von 70 Jahren empfehlen. Das stehe noch nicht fest, so Wulf Schmiese. Aber natürlich werde diese Option diskutiert.
22.05.2026 | 2:53 minGesellschaft in Deutschland wird älter
Bis 2031 ist das Rentenniveau auf 48 Prozent gesetzlich festgeschrieben. In den Jahren danach dürfte es jedoch sinken - Prognosen gehen bis Mitte der 2030er-Jahre von einem Rückgang auf 45 oder gar 40 Prozent aus. Im Klartext: Die Rente steigt nicht mehr so stark. Im Verhältnis zum Durchschnittslohn sinkt sie sogar.
Für das Problem sind zwei Gründe ausschlaggebend: Zum einen die eigentlich gute Nachricht, dass wir immer länger leben und damit länger Rente beziehen. Und zum anderen die Tatsache, dass mehr und mehr Menschen in Rente gehen und zu wenig junge Leute als Beitragszahler nachrücken.
Mit seiner Aussage, die gesetzliche Rente werde nur noch eine "Basisabsicherung" im Alter sein, sorgt der Kanzler für Diskussionen. Nicht zuletzt innerhalb der eigenen Koalition.
21.04.2026 | 2:53 minSo funktioniert das bisherige Umlageverfahren nicht mehr richtig: Dieses besagt, dass die Beitragszahler von heute nicht etwa für ihre eigene Rente vorsorgen, sondern für das Auskommen der jetzigen Rentnerinnen und Rentner sorgen. Das Prinzip lautet also: Die Jungen finanzieren die Alten. Nur dass es nicht mehr ausreichend Junge gibt, um die wachsende Zahl an Renten zu bezahlen.
Höhere Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt
Das Loch im Rentensystems wächst also. Ohne Reformen dürfte einerseits der Rentenbeitragssatz deutlich steigen - und damit den Faktor Arbeit in Deutschland noch stärker belasten.
Steigen dürfte aber auch der notwendige Zuschuss aus dem Bundeshaushalt: Einschließlich umstrittener Zusatzleistungen wie der Mütterrente liegt er schon heute bei über 120 Milliarden Euro. Nach Prognosen des ifo-Instituts dürfte er bis 2050 auf 150 Milliarden Euro steigen.
Immer mehr Menschen erreichen das Rentenalter, doch die Rentenkassen sind stark reformbedürftig. Setzen die Deutschen weiter auf die gesetzliche Rente oder sichern sie sich zusätzlich privat ab?
22.04.2026 | 6:12 minBundesregierung will private Altersvorsorge stärken
Als eine Lösung hat die Bundesregierung sich das Ziel gesetzt, die private Altersvorsorge zu stärken. Die Menschen sollen also stärker eigenverantwortlich am Kapitalmarkt für das Auskommen im Alter sorgen - in Form von Fonds oder Aktien.
Ab 2027 soll es ein "Altersvorsorgedepot" geben. Staatlich gefördert soll dieses Wertpapierdepot in der Ansparphase steuerfrei sein. Allerdings ist Geld am Kapitalmarkt grundsätzlich Risiken ausgesetzt.
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Höheres Renteneintrittsalter wahrscheinlich
Was aber unausweichlich scheint: dass wir länger arbeiten werden müssen. Aktuell gilt: Wer ab dem Jahr 1964 geboren wurde, muss in der Regel bis 67 arbeiten. Im Gespräch ist die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre.
Diskutiert wird aber auch eine Alternative, vorgeschlagen vom Wirtschaftswissenschaftler Jens Südekum, der Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) berät: dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erst nach 45 Beitragsjahren in Rente gehen können. Allerdings gibt es auch an diesem Vorschlag Kritik - beispielsweise weil Frauen, die Care-Arbeit übernehmen und weniger Jahre in die Rentenkasse einzahlen, deutlich seltener die 45 Jahre erreichen und dementsprechend schlechter gestellt würden.
Was kommt auf uns zu? Aktuell berät eine von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission über Reformvorschläge. Klar ist: Unangenehm dürfte es für alle werden.
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