Rente mit 70: Worum drehen sich die Spekulationen? Ein Überblick

FAQ

Renteneintrittsalter und Rentenniveau:Wirbel um Rente mit 70: Was steckt hinter den Spekulationen?

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Die Rentenkommission will laut einem Medienbericht eine Erhöhung des Rentenalters auf 70 empfehlen. Kommissionsmitglieder dementieren umgehend. Aber worum geht es eigentlich?

Ältere Menschen sitzen in einem Kurpark, am 15.07.2025 in Bad Kreuznach, in einer Reihe.

Berichte über ein Rentenalter von 70 haben heftige Diskussionen ausgelöst. Die Rentenkommission dementiert. Hauptstadtkorrespondentin Andrea Maurer verfolgt die Debatte in Berlin.

21.05.2026 | 1:13 min

Geht es in der Politik um die gesetzliche Rente, wird die Debatte schnell zum Aufreger-Thema. Aktuell löst ein "Bild"-Bericht Diskussionen im politischen Berlin aus. Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission, die bis Ende Juni Vorschläge für umfassende Reformen der Alterssicherung machen soll, wolle eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre und eine langfristige Absenkung des Rentenniveaus empfehlen, heißt es darin.

Mitglieder des Gremiums wiesen zwar umgehend zurück, dass schon Empfehlungen feststehen, aber die Diskussion ist ein Vorgeschmack auf das, was demnächst kommt.

Rentenreform: Was ist das für eine Kommission?

Die Bundesregierung hatte sie im Winter eingesetzt, um Vorschläge für die langfristige Finanzierung der Rente zu erarbeiten. An ihnen will sich die Politik bei späteren Reformen orientieren. Die Kommission arbeitet nach Regierungsangaben unabhängig und "frei von Weisungen".

Aber das Gremium tagt nicht im luftleeren Raum. Es sitzen darin neben Wissenschaftlern auch Vertreter der drei Regierungsparteien CDU, CSU und SPD.

Yve Fehring und Nicole Diekmann bei Schaltgespräch

Was plant die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission? Was ist dran an einer Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre oder der möglichen Absenkung des Rentenniveaus?

21.05.2026 | 1:03 min

Was hat "Bild" nun berichtet?

Dem Bericht zufolge wollen die Experten empfehlen, das Renteneintrittsalter schrittweise von 67 auf 70 Jahre anzuheben. Wer ab den 2060er Jahren in Rente geht, für den würden die 70 gelten, betroffen wären damit die ab 1990 Geborenen - die heutigen Mittdreißiger und jüngere Menschen.

Außerdem solle das Rentenniveau nach 2031 von 48 Prozent schrittweise auf 46 Prozent sinken. Das beschreibt vereinfacht das Verhältnis einer Standardrente zum Durchschnittslohn. Diskutiert werde zudem, ob langjährig Versicherte weiterhin schon zwei Jahre früher ohne Abzüge in Rente gehen können sollen (die frühere "Rente mit 63").

Rentenbezugsdauer wird immer länger

ZDFheute Infografik

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Was ist dran an der Rente ab 70?

Es gab schnellen Widerspruch aus der Bundesregierung und von Mitgliedern der vertraulich tagenden Kommission. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Annika Klose, die dem Gremium angehört, sagte, "dass Vieles noch nicht entschieden ist und wir noch vier bis fünf Wochen brauchen". Von daher könne sie sagen, "dass der 'Bild'-Bericht nicht stimmt". Kommissionsmitglied Pascal Reddig (CDU) sagte, der Bericht treffe "schon deshalb nicht zu, weil bislang über die beschriebenen Punkte noch keine Beschlüsse getroffen wurden".

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08.05.2026 | 0:17 min

Das Bundessozialministerium lehnte es ab, "vermeintliche Zwischenstände aus der Rentenkommission" zu kommentieren, wie ein Sprecher erklärte. "Die Bundesregierung vertraut auf die hohe Kompetenz und Expertise der Kommissionsvorsitzenden, einvernehmliche Empfehlungen der gesamten Kommission zu erreichen."

Warum kommen dann jetzt diese Zahlen?

Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. In der Politik werden Informationen aus internen Runden immer wieder nach außen gegeben, um Reaktionen zu testen oder die Öffentlichkeit stückchenweise darauf vorzubereiten, was kommen könnte.

Es passiert auch, dass interne Dinge weitergegeben werden, um die Akteure, die darüber beraten, unter Druck zu setzen und eine Debatte in eine bestimmte Richtung zu lenken. Aus der Linken kam die Kritik, das hier sei "die Wunschliste der Union".

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22.04.2026 | 6:12 min

Also ist beim Thema Rente mit 70 nichts beschlossen?

Genau. Das Thema könnte auch zur nächsten Belastungsprobe für die schwarz-rote Koalition werden. SPD, Gewerkschaften, Sozialverbände sind gegen eine generelle Anhebung der Altersgrenze. Im Koalitionsvertrag mit der Union steht auch - SPD-Handschrift - "statt einer weiteren Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters wollen wir mehr Flexibilität beim Übergang vom Beruf in die Rente".

Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) nannte es im TV-Sender Welt "sehr vernünftig", dass es sich auf die Lebensarbeitszeit auswirken müsse, wenn die Lebenserwartung steige. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte in der Vergangenheit schon die Rente mit 70 ins Spiel gebracht.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht beim Jahresempfang 75 Jahre Bundesverband deutscher Banken e.V.

Mit seiner Aussage, die gesetzliche Rente werde nur noch eine "Basisabsicherung" im Alter sein, sorgte der Kanzler für Diskussionen. Nicht zuletzt innerhalb der eigenen Koalition.

21.04.2026 | 2:53 min

Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer forderte eine Lösung, die sich "an der tatsächlichen Lebensarbeitszeit und der körperlichen Belastung" orientiert, wie er den Funke-Zeitungen sagte. So könnten Akademiker, die später starteten, demnach länger arbeiten. Wer bereits mit 18 oder Anfang 20 auf dem Bau oder in der Pflege sei, halte nicht bis 70 durch.

Und was ist mit dem Rentenniveau?

Hier gilt bis 2031 die sogenannte gesetzliche Haltelinie, bis dahin darf es nicht unter 48 Prozent sinken. Danach dürfte es nach unten gehen, wenn die Politik keine Gegenmaßnahmen beschließt. "Ab dem Jahr 2032 sinkt es dauerhaft unter 48 Prozent", hatte der Vorsitzende des Bundesvorstands der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel, im Herbst unter Verweis auf Vorausberechnungen gesagt und ein Niveau von 46,3 Prozent genannt.

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Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichteten am 21.05.2026 mehrere Sendungen, unter anderem heute - in Deutschland ab 14:00 Uhr und das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF ab 12:00 Uhr.

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