Merz: Rente nur noch als Basisabsicherung - SPD widerspricht

Uneinigkeit bei geplanter Rentenreform:Merz: Rente nur noch als Basisabsicherung - SPD widerspricht

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Die gesetzliche Rentenversicherung werde "allenfalls noch die Basisabsicherung für das Alter sein", sagt Bundeskanzler Merz - und erntet dafür Kritik vom Koalitionspartner SPD.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) gibt zu Beginn der Sitzung des Bundestags ein Pressestatement zur privaten Altersvorsorge.

Die schwarz-rote Koalition will die private Altersvorsorge stärken. Doch es gibt noch offene Fragen.

27.03.2026 | 1:28 min

Forderungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach drastischen Einschnitten bei der gesetzlichen Rente stoßen beim Koalitionspartner SPD auf Widerstand. SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese sagte in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv:

Auf die gesetzliche Rente muss man sich verlassen können.

Dirk Wiese, Parlamentarischer Geschäftsführer SPD-Fraktion

Merz: Rente künftig nur noch "Basisabsicherung"

Zuvor hatte der Kanzler die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland auf grundlegende Veränderungen bei der Rente eingestimmt. Der CDU-Vorsitzende sagte beim Jahresempfang des Bundesverbands deutscher Banken in Berlin:

Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter. Sie wird nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern.

Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU)

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27.03.2026 | 1:21 min

Laut Merz müssten kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung hinzutreten. "Und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben."

Kanzler übt Kritik am Koalitionspartner SPD

Die Bundesregierung setze "alles daran, die strukturellen Verwerfungen, die strukturellen Defizite unseres Landes zu beheben", sagte Merz mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit, die Senkung der Energiekosten sowie weitere angestrebte Reformen etwa im Bereich der Einkommensteuer und der Krankenversicherung. Die schwarz-rote Koalition habe in knapp einem Jahr "einiges erreicht, aber wir sind weit davon entfernt, dass es genug ist".

v.l.: Boris Palmer, Anke Rehlinger, Maybrit Illner, Carsten Linnemann, Kristina Dunz, Gabriel Felbermayr

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"Ich erwarte von den Sozialdemokraten, dass sie auch manche Blockade auflösen, die wir in den letzten Wochen und Monaten leider immer wieder gehabt haben", betonte der Kanzler.

Wiese: Einzahlung in gesetzliche Rente muss sich lohnen

Die gesetzliche Rentenversicherung sei die Absicherung von vielen Menschen im Land, betonte hingegen Wiese. Viele hätten in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, "was sie mit ihrer eigenen Hände Arbeit erwirtschaftet haben", stellte der SPD-Politiker klar.

Das kann nicht nur eine Basisabsicherung sein, sondern auf die gesetzliche Rentenversicherung muss man sich verlassen.

Dirk Wiese, Parlamentarischer Geschäftsführer SPD-Fraktion

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Für Reformen zeigte Wiese sich aber offen. So habe die Koalition bereits ein Nachfolgemodell für die bisherige Riesterrente auf den Weg gebracht: "Eine neue private, kapitalgedeckte Altersversicherung, was ein richtiges und wichtiges Modell ist."

SPD fordert Einzahlungen auch von Abgeordneten

Darüber hinaus könne er sich auch sehr gut vorstellen, die Betriebsrenten noch weiter zu stärken und auszubauen. Der SPD-Politiker forderte aber auch, die Basis derer, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, zu verbreitern. So sei er "sehr dafür, dass Bundestagsabgeordnete einzahlen".

Mit Blick auf die weiteren Beratungen verwies Wiese auf die eingesetzte Rentenkommission der Koalition. Diese werde am 30. Juni ihre Ergebnisse präsentieren. Es sei "gut, diese Kommission jetzt die Arbeit machen zu lassen und sich dann über die Ergebnisse zu beugen", sagte er den Sendern.

Quelle: AFP, dpa
Über die Diskussion bezüglich gesetzlicher und privater Altersvorsorge berichtete im ZDF die heute-Sendung am 27.03.2026 ab 17:00 Uhr.

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