Auf einer Wahlkampfveranstaltung:Merz: Rente stärker an Lebensarbeitszeit koppeln
Kanzler Merz will die Rentenhöhe künftig stärker an der Zahl der gearbeiteten Jahre orientieren statt an einem festen Renteneintrittsalter - und drängt auf weitere Reformen.
Friedrich Merz plädiert dafür, die Rentenhöhe nicht mehr an ein festes Renteneintrittsalter zu koppeln. Stattdessen soll sie sich an der Zahl der gearbeiteten Jahre orientieren.
07.03.2026 | 1:12 minBundeskanzler Friedrich Merz will die Berechnung der Rentenhöhe neu ausrichten: Künftig soll stärker zählen, wie lange jemand gearbeitet hat - nicht in erster Linie, in welchem Alter er in den Ruhestand geht. Das sagte der CDU-Vorsitzende am Freitagabend auf einer Wahlveranstaltung der CDU Baden-Württemberg in Ravensburg.
Dieses Ziel verfolge nicht nur die CDU, sondern auch der Koalitionspartner SPD, betonte Merz. Die Sozialdemokraten hätten signalisiert: "Ja, wir könnten uns vorstellen, dass wir das nicht mehr nach einem abstrakten Renteneintrittsalter bemessen, sondern nach der Lebensarbeitszeit", sagte Merz. "Damit ist die Botschaft klar."
Kanzler für mehr private Altersvorsorge
Die Bundesregierung habe bereits mit der sogenannten Aktivrente begonnen, die starre Altersgrenze beim Renteneintritt aufzuweichen. Sie ermöglicht es, nach Erreichen des Renteneintrittsalters bis zu 2.000 Euro steuerfrei zu verdienen, wenn man freiwillig weiterarbeitet.
Zum 1. Juli 2026 steigt die Rente in Deutschland um 4,24 Prozent. Als Grund nennt Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) die positive Lohnentwicklung.
05.03.2026 | 0:15 minAuch die Debatte über eine Rentenhaltelinie von 48 Prozent sei aus seiner Sicht nicht zentral. Wichtiger sei, dass Menschen frühzeitig mit privater Altersvorsorge beginnen.
Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen früh genug anfangen, für ihr Alter zu sparen.
Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU)
Darauf habe man sich mit dem Koalitionspartner SPD verständigt. Wer früh mit kleinen Beträgen beginne und regelmäßig spare, könne eine solide Altersvorsorge aufbauen. "Wenn Sie mit 50 Euro im Monat anfangen und das konsequent durchhalten, haben Sie eine sechsstellige Altersversorgung, wenn Sie mit 65 oder 68 in den Ruhestand gehen."
... ergibt sich aus dem Lebenslauf eines Jeden. Bestimmte Lebensabschnitte (Teilzeitphasen, Elternzeit und ähnlich) beeinflussen die spätere Höhe der Altersvorsorge unterschiedlich stark.
... für die monatliche Rentenhöhe setzt sich zusammen aus:
- den im Verlauf eines Jahres erworbenen Entgeltpunkten, deren Höhe bzw. Anzahl sich nach dem individuellen Jahreseinkommen richtet
- multipliziert mit dem Zugangsfaktor; dieser liegt bei 1,0, wenn man bis zur Regelaltersgrenze arbeitet, er sinkt mit jedem Monat, den man früher in Rente geht, und steigt mit jedem Monat, den man über die Regelaltersgrenze von derzeit 67 Jahren hinaus arbeitet
- mulitpliziert mit dem aktuellen Rentenwert, also dem Wert, der einem Entgeltpunkt entspricht; dieser Wert wird regelmäßig angepasst; derzeit ist ein Entgeltpunkt 40,79 Euro wert
- multipliziert mit dem Rentenartfaktor; dieser liegt bei der normalen Altersrente und vollen Erwerbsminderungsrenten bei 1,0; bei teilweiser Erwerbsminderung liegt der Wert bei 0,5
Quelle: Deutsche Rentenversicherung
Merz drängt auf weitere Sozialreformen
Zugleich drängte der Kanzler auf umfassende Sozialreformen noch in diesem Jahr. Dann sei die Hälfte der Legislaturperiode erreicht - und erfahrungsgemäß würden Reformen in der zweiten Hälfte einer Wahlperiode deutlich unwahrscheinlicher, sagte Merz.
Die demographische Entwicklung stellt das Rentensystem vor immer größere Probleme: waren es 2020 noch 16,7 Millionen Verrentete ab 67 Jahren, sollen es 2040 knapp 21 Millionen sein.
16.02.2026 | 1:47 min
Zudem erneuerte er seine Forderung, in Deutschland müsse insgesamt mehr gearbeitet werden. Er meine damit nicht die Millionen Menschen, die bereits sehr viel leisteten, betonte der CDU-Vorsitzende. "Mit Work-Life-Balance und einer Vier-Tage-Woche werden wir unseren Wohlstand nicht erhalten."
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