Steuerfreier Hinzuverdienst zur Rente:Aktivrente: Für wen sie sich lohnt und welche Regeln gelten
von Thilo Hopert
Mit der Aktivrente dürfen Menschen über der Regelaltersgrenze bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen. Für wen lohnt sich das Modell und welche Voraussetzungen gelten?
Die Aktivrente soll den Übergang von der Arbeit in die Rente flexibler gestalten. Wer trotz Rentenanspruch arbeitet, kann Steuervorteile nutzen. Was ist der aktuelle Stand?
13.01.2026 | 2:05 minViele Menschen möchten nach dem Erreichen des Rentenalters weiterarbeiten - etwa um nicht komplett aus dem Berufsleben auszuscheiden oder um die Rente aufzubessern. Die Aktivrente soll genau das leichter und finanziell attraktiver machen.
Wer von der Aktivrente profitieren kann
Die Aktivrente ist an die Regelaltersgrenze für den Renteneintritt gekoppelt. Nutzen kann sie jeder, der diese Grenze überschritten hat. "Ab dem Monat, der auf das Erreichen der Regelaltersgrenze folgt, können Rentner bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen", sagt Steffen Gall von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe. Das sei unabhängig davon, ob bereits Leistungen aus der Altersrente oder aus Versorgungsbezügen bestehen.
Rentendiskussion: Die Schweiz setzt auf ein Drei-Säulen-Modell für die Rente. Was steckt dahinter und könnte es ein Vorbild für Deutschland sein? Ein Blick über die Grenze.
13.01.2026 | 2:07 minAusgenommen von der Aktivrente sind Selbstständige, Gewerbetreibende, Menschen mit Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, mit Minijobs sowie Beamte, die über die Regelaltersgrenze hinaus aktiv tätig sind.
Die Regelaltersgrenze ist das Alter, ab dem Arbeitnehmende ohne Abschläge die volle gesetzliche Rente bekommen. Die Altersgrenze für die Regelaltersrente ohne Abschläge wird bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Die individuelle Regelaltersgrenze lässt sich mit dem Rentenbeginnrechner der Deutschen Rentenversicherung online ermitteln.
Michael Beumer von der Stiftung Warentest erklärt das Konzept der Aktivrente: Für wen gilt sie? Und lohnt sich die Aktivrente überhaupt?
06.01.2026 | 11:02 minAktivrente bleibt ohne Einfluss auf Rentenhöhe und Steuersatz
Die steuerfreien Einnahmen unterliegen nicht dem Progressionsvorbehalt - das heißt, die Einkünfte aus der Aktivrente erhöhen nicht den Steuersatz auf die Rente. Katja Braubach von der Deutschen Rentenversicherung weiß:
Die Aktivrente hat keine Auswirkungen auf die gesetzliche Rente.
Katja Braubach, Deutsche Rentenversicherung
Es handele sich vielmehr um einen Steuerbonus für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, so die Rentenexpertin.
Aktivrente muss nicht beantragt werden
Die Aktivrente ist keine eigene Rentenart, eine offizielle Beantragung ist daher nicht erforderlich. "Die Umsetzung der Aktivrente erfolgt grundsätzlich über den Arbeitgeber im Rahmen des Lohnsteuerabzugs", erklärt Gall. Alternativ könne der Freibetrag auch über die Einkommensteuererklärung korrigiert werden, falls es zu Abweichungen gekommen ist, so der Experte. Etwa dann, wenn der Freibetrag nicht korrekt berücksichtigt und zu viel abgezogen wurde.
Die Aktivrente erlaubt Menschen über der Regelaltersgrenze bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuzuverdienen. Ziel ist es, den Fachkräftemangel zu lindern.
02.01.2026 | 1:36 minNicht genutzter Freibetrag verfällt am Monatsende
Zu beachten ist, dass der steuerfreie Betrag in Höhe von von 2.000 Euro immer nur für einen Monat gilt. "Er kann nicht auf andere Monate übertragen werden, wenn er nicht ausgeschöpft wird", sagt Gall. Der Jahresbetrag in Höhe von 24.000 Euro muss also gleichmäßig auf alle zwölf Monate des Jahres aufgeteilt werden.
Eine Person über der Regelaltersgrenze erhält eine Netto-Rente von 1.500 Euro. Zusätzlich verdient sie mit der Aktivrente 2.000 Euro im Monat dazu. Davon werden Beiträge zur Kranken- (7,3 Prozent) und Pflegeversicherung (1,8 Prozent) abgezogen (insgesamt 182 Euro). Vom Zuverdienst bleiben 1.818 Euro. Diese werden zur Netto-Rente addiert, somit stehen 3318 Euro zur Verfügung.
Gerechnet wurde mit dem allgemeinen Beitragssatz zur Krankenversicherung für Rentner in Höhe von 14,6 Prozent sowie dem Beitragssatz zur Pflegeversicherung für Rentner in Höhe von 3,6 Prozent. Der Arbeitnehmer zahlt jeweils die Hälfte.
Sozialversicherungsbeiträge fallen bei Aktivrente weiter an
Zwar ist die Aktivrente steuerfrei, dennoch gibt es Abgaben. "Die Einnahmen aus der Aktivrente unterliegen weiterhin der Sozialversicherungspflicht", so Gall. Das bedeutet, dass die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung weiterhin abgezogen werden.
"Zusätzlich zum regulären Arbeitslohn geleistete Zahlungen, etwa Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge, fallen ebenfalls nicht unter die Steuerbefreiung", erläutert Gall.
Die Aktivrente gilt seit dem 1. Januar 2026 in Deutschland. Welchen Nutzen hat sie für Betroffene und wie unterstützt sie die Gesellschaft? Rentenexperte Matthias Kowalski klärt wichtige Fragen.
13.01.2026 | 6:27 minFreiwillige Rentenbeiträge trotz Erreichen der Altersgrenze möglich
Gut zu wissen: "Der Arbeitnehmer kann freiwillig weiterhin Rentenversicherungsbeiträge leisten", erklärt Gall. Der Arbeitgeber hingegen sei verpflichtet, Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung abzuführen.
Zahlt der Arbeitnehmer weiterhin freiwillig Beiträge zur Rentenversicherung, wird auch der Arbeitgeberbetrag seinem eigenen Rentenkonto gutgeschrieben. Dafür müssen Arbeitnehmende über der Rentenaltersgrenze auf die sogenannte Versicherungsfreiheit verzichten. Diese tritt in Kraft, wenn das Renteneintrittsalter erreicht ist. Dann müssen Arbeitnehmende keine Beiträge mehr zur Rentenversicherung leisten.
Verzichtet man nicht auf die Versicherungsfreiheit, zahlt man selbst keine Beiträge zur Rentenversicherung, der Arbeitgeberbetrag geht jedoch in die allgemeine Rentenkasse.
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