Rente mit 70: Wie realisitsch ist der Vorschlag?

Debatte um Rente:Arbeiten bis 70? Diese Vorschläge liegen auf dem Tisch

Johannes Lieber

von Johannes Lieber

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Werden wir bald länger arbeiten? Über diese Frage wird demnächst wohl in der Rentenkommission diskutiert. Bis die Rente mit 70 greifen würde, könnten aber Jahrzehnte vergehen.

Ines Schwerdtner, Bundesvorsitzende Die Linke, spricht bei der Sitzung des Bundestags zum Auftakt der Haushaltswoche.

Die Linke hat einen neuen Vorschlag zur Renten-Reform eingebracht: Die Arbeitgeber sollten mehr einzahlen als ihre Beschäftigten. Das sagte Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner dem ZDF.

16.02.2026 | 1:50 min

Eigentlich sollten die Gespräche der Rentenkommission mehr oder weniger unbeachtet laufen. Ganz ohne Kameras und Pressekonferenzen soll hier über die Zukunft der Rente beraten werden.

Acht Wissenschaftler, drei Politiker, zwei Vorsitzende. Das scheint aber nicht ganz zu funktionieren. Die "Bild" will aus Kommissionskreisen schon das Thema für das nächste Treffen erfahren haben: die Rente mit 70. Dabei soll es auch um Anreize für ein längeres Arbeiten gehen.

Dass sich die Kommission damit befassen wird, ist allerdings wenig überraschend. Nicht nur Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU), sondern auch einige Mitglieder der Kommission selbst haben sich in letzter Zeit für eine Erhöhung des Renteneintrittsalters ausgesprochen.

Schaltgespräch Mainitz

In keinem anderen EU-Land ist die erwerbstätige Bevölkerung so alt wie hierzulande – inzwischen ist jeder vierte Beschäftigte zwischen 55 und 64 Jahre alt. Sina Mainitz berichtet von der Börse.

03.02.2026 | 1:06 min

Rente mit 70 erst 2091?

Ein Vertreter des Vorschlags ist Martin Werding, Mitglied der Wirtschaftsweisen und auch in der Rentenkommission vertreten. Sein Vorschlag: Das Renteneintrittsalter sollte an die Lebenserwartung gekoppelt werden und so schrittweise steigen. Ab 2031 solle es alle zehn Jahre um ein halbes Jahr erhöht werden.

Nach den Berechnungen von Werding, die auch von den anderen Wirtschaftsweisen geteilt werden, würde die Rente mit 70 erst im Jahr 2091 notwendig werden. Doch schon kurz- und mittelfristig würden erste "günstige Effekte" sichtbar. Heißt: Ein höheres Rentenniveau und niedrigere Beitragssätze.

Junge-Union-Chef Johannes Winkel

Der Chef der Jungen Union, Winkel, kritisiert die SPD-Vorschläge zu Rentenniveau und Gesundheitsabgabe im ZDFheute-Interview. Aber kann er seine Ideen auch in der CDU durchsetzen?

09.02.2026 | 8:34 min

SPD hadert mit Erhöhung

Ob sich die Rentenkommission auf diesen Vorschlag einigen wird, ist nicht abzusehen. Da auch Parteivertreter im Gremium vertreten sind, dürften die Diskussionen nicht einfach werden.

Mit Annika Klose sitzt etwa auch die sozialpolitische Sprecherin der SPD mit am Tisch. Sie hatte eine Erhöhung des Renteneintrittsalters zuletzt als "rote Linie" bezeichnet.

Einen weiteren Vorschlag brachte der Ökonom Jens Südekum, ebenfalls SPD-Mitglied, Ende vergangenen Jahres in die Debatte ein. Menschen, die erst später in den Beruf einsteigen, sollten seiner Idee nach auch länger arbeiten müssen. Treffen würde das besonders Arbeitnehmer, die vor ihrem Job studiert haben. SPD-Chefin Bärbel Bas zeigte sich offen für den Vorschlag.

Ines Schwerdtner  Die Linke | Parteivorsitzende

Reformvorschlag jagt Reformvorschlag in der Sozialpolitik – jetzt will die Opposition mitmischen. “Es gibt ein Verteilungsproblem“, erklärt die Co-Vorsitzende der Linkspartei, Ines Schwerdtner.

16.02.2026 | 5:38 min

Kritik von Grünen und Linken

Kritik an dem Vorschlag, künftig bis 70 arbeiten zu müssen, kommt aus der Opposition. Es sei nicht der richtige Weg, so der grüne Sozialpolitiker Armin Grau. Scharf auch das Urteil von Linken-Politikerin Sarah Vollath:

Es ist keine Überraschung, dass ein Gremium aus Professor:innen und Politiker:innen auf die Idee kommt, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre zu erhöhen.

Sarah Vollath, rentenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke

Der Vorschlag gehe "völlig an der Lebensrealität vorbei", da schon heute viele Menschen früher in Rente gingen, "weil es körperlich oder mental nicht mehr geht".

Die Linken plädieren dagegen dafür, die Beitragszahler zu entlasten, indem die Unternehmen einen höheren Anteil in die Rentenkasse einzahlen. Bisher wird der Rentenbeitrag je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt. Die Linken schlagen vor, den Beitrag der Arbeitgeber auf 60 Prozent zu erhöhen.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 16.02.2026 ab 15:00 Uhr.

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