CDU-Wirtschaftsrat fordert Einschnitte im Sozialstaat - Kritik

Streit um Sozialreformen:Rente, Zähne, Steuern: Das fordert der CDU-Wirtschaftsrat

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Reformen für Rente, Gesundheit und Steuern: Mit Kürzungen beim Sozialstaat will der CDU‑nahe Wirtschaftsrat die Wirtschaft ankurbeln. Die Vorschläge sorgen für heftige Kritik.

 Ein Logo der CDU steht vor einem Fenster auf dem Landesparteitag der CDU Niedersachsen.

Der Wirtschaftsrat der CDU fordert eine zukünftige Steuersenkung, um den Anstieg der Sozialabgaben zu verhindern. Gespart werden soll anderswo: Und zwar bei Zahnbehandlungen und Rentenformen.

01.02.2026 | 0:22 min

Zahnarztbesuche werden nicht mehr von der Versicherung bezahlt, Arbeitslosengeld gibt es grundsätzlich nur noch ein Jahr lang, Mütterrente und Rente mit 63 werden gestrichen: Mit solchen Vorschlägen will der CDU-Wirtschaftsrat den Anstieg der Sozialabgaben verhindern und die Wirtschaft in Deutschland ankurbeln.

Der Unternehmensverband veröffentlichte seine "Agenda für Arbeitnehmer", die auf der Gegenseite auch Steuersenkungen für Beschäftigte vorsieht. Unter dem Strich würden Arbeitnehmer "deutlich entlastet", betonte der Verband. "Ein besonderes, deutsches Problem sind die explodierenden Sozialabgaben", begründet der Wirtschaftsrat seine Forderungen.

Der CDU-Wirtschaftsrat gehört nicht zur CDU, sondern ist eine CDU‑nahe Lobbyorganisation von Unternehmen. Er ist rechtlich selbstständig, darf aber mit Zustimmung der Partei den Namen CDU tragen. Der Wirtschaftsrat versteht sich als Interessenvertretung der Sozialen Marktwirtschaft. Gegründet wurde er 1963 auf Anregung von Ludwig Erhard und vertritt nach eigenen Angaben rund 13.000 Unternehmen.


Quelle: AFP


Reformen bei Rente, Gesundheit und Steuern geplant

Zu den Vorschlägen gehört, das Eintrittsalter in die Rente "mittelfristig" an die Lebenserwartung zu koppeln und so über das Alter von 67 Jahren hinaus zu erhöhen. In der Pflegeversicherung müssten private Zusatzversicherungen "künftig eine größere Rolle spielen".

Ein Sozialversicherungsausweis und Arbeitsvertrag

Der Sozialstaat hat breite Unterstützung, doch viele halten die Kosten für zu hoch. Besonders Menschen mit geringem Einkommen kritisieren fehlende Leistungsanreize.

23.10.2025 | 1:28 min

In der gesetzlichen Krankenversicherung solle der Leistungskatalog überprüft werden - "verschiedene Leistungen, etwa Zahnarztbehandlungen, lassen sich generell gut privat absichern und sollten nicht länger im Umlageverfahren den Beitragszahlern zur Last fallen". In der Unfallversicherung sollen demnach nicht länger Unfälle auf Arbeitswegen abgesichert sein.

Die Steuerlast für Arbeitnehmer will der Unternehmensverband auf der anderen Seite deutlich senken. Dafür solle der Grundfreibetrag spürbar steigen, "inflationsbereinigt verharrt dieser seit 25 Jahren auf der Stelle".

Die Einkommensschwelle für den Spitzensteuersatz müsse erhöht werden - die Schwelle von aktuell knapp 70.000 Euro sei "ein schlechter Witz". Bei der Einkommensteuer solle es einen automatischen Inflationsausgleich geben. Auch Gutverdiener sollen keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen.

v.l.: Hildegard Müller, Lars Klingbeil, Shakuntala Banerjee, Eva Quadbeck, Gabriel Felbermayr

"maybrit illner" mit dem Thema "Deutschland ohne Wachstum - Opfer bringen für den Neustart?" vom 29. Januar 2026, um 22:15 Uhr im ZDF.

29.01.2026 | 60:08 min

Wirtschaftsrat sieht Steuersenkungen als Impuls für Wachstum

Die Unternehmenssteuersätze sollten laut dem Wirtschaftsrat auf "ein international wettbewerbsfähiges Niveau" von maximal 25 Prozent für Kapitalgesellschaften abgesenkt werden. Bei der Erbschaftsteuer müsse es weiterhin honoriert werden, wenn vererbte Unternehmen Arbeitsplätze erhalten würden.

Der Generalsekretär des Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, sagte der "Bild am Sonntag":

Mehr als drei Millionen Arbeitslose sind ein unmissverständliches Signal, dass die Politik jetzt endlich alles tun muss, um das Aufstiegsversprechen zu erneuern und Wachstumskräfte zu entfesseln.

Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrats

Die Regierung soll nach dem Willen des Verbands auch die Energiekosten für alle senken und den Kauf von Wohnungen erleichtern. Auf den erstmaligen Erwerb der eigenen, selbstgenutzten Immobilie solle deshalb die Grunderwerbsteuer ersatzlos gestrichen werden.

Logo der CDU

Der CDU-Wirtschaftsflügel will den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abschaffen – wegen des Fachkräftemangels. Der Vorstoß stößt auf heftige Kritik, auch in den eigenen Reihen.

25.01.2026 | 1:38 min

Steiger kritisiert Sozialkurs der SPD

Generalsekretär Steiger kritisierte, dass die SPD zu einer "Partei für die Belange der Transferempfänger mutiert" sei und "in erschreckendem Maße die Unterstützung der Arbeiter und Angestellten verloren" habe. Das drohe auch der CDU, "wenn sie weiterhin in so starkem Maße wie bislang die Vorstellungen der SPD mitträgt".

Breite Kritik an Reformvorschlägen

Der SPD-Politiker Bernd Rützel, Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Bundestag, nannte die Vorschläge des Wirtschaftsrats einen

Schlag ins Gesicht von 90 Prozent der Deutschen.

Bernd Rützel, SPD

Er rate der CDU dazu, "solche Vorschläge schnell wieder zu vergessen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen".

„Stolz auf den Sozialstaat“

"Sozialpolitik ersetzt keine Wirtschaftspolitik", sagt die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Yasmin Fahimi.

07.01.2026 | 7:16 min

Der BSW-Politiker Fabio De Masi erklärte:

Wer den Zahnarztbesuch nicht mehr erstattet, wird nur mehr Folgekosten verursachen und die private Kaufkraft weiter schwächen.

Fabio De Masi, BSW

Eine Regierung, "die die Wirtschaft ins Koma versetzt und nicht einmal die Absenkung der Stromsteuer oder mehr Investitionen in die Infrastruktur auf die Reihe bekommt, sollte zum Zahnarzt schweigen", riet er.

Sozialverband Deutschland: Vorschläge "befeuern Zwei-Klassen-Medizin"

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) nannte das Papier "unsozial" und "verstörend". Ein Ausschluss der Zahnversorgung aus der Krankenversicherung etwa würde die bereits bestehende Zwei-Klassen-Medizin noch befeuern, sagte Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Funke Mediengruppe:

Vermögende hätten schöne Zähne, Bedürftige noch mehr Lücken.

Michaela Engelmeier, SoVD

Sie forderte nachhaltige Reformen, die gerecht finanziert würden - "etwa durch die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, eine Reform der Erbschaftssteuer, gerechte Besteuerung von Dividenden, die angemessene Besteuerung großer Konzerne und die Anhebung der Spitzensteuersätze für Reiche und Superreiche."

Quelle: AFP, dpa, KNA
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 01.02.2026 um 16:50 Uhr in dem Beitrag "Streichung von Sozialleistungen gefordert".

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