Bas zu Reform: "Wollen das bis 2027 auf den Weg bringen"

Interview

Arbeitsministerin:Bas: Sozialstaatsreform "bis 2027 auf den Weg bringen"

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Der Auftrag: Schutzniveau bewahren, modernisieren, digitalisieren und vereinfachen. Das sagt Arbeitsministerin Bas (SPD) über die Reformvorschläge der Sozialstaatskommission.

Christian Sievers und Bärbel Bas

Sehen Sie hier das Interview mit Bärbel Bas in voller Länge.

27.01.2026 | 7:23 min

Schluss mit unnötiger Bürokratie im Land, so zumindest die Idee der Arbeitsministerin. Der deutsche Sozialstaat soll "einfacher, gerechter und digitaler" werden. So kündigte es Bärbel Bas (SPD) an, als sie am Dienstag die Vorschläge der Sozialstaatskommission entgegennahm. Die Kommission war vergangenes Jahr eingesetzt worden, um Reformen des Sozialstaats zu erarbeiten.

Anders als etwa die Rentenkommission ist die Kommission zur Sozialstaatsreform nicht mehrheitlich mit Wissenschaftlern besetzt. Die Vorschläge wurden vielmehr von den staatlichen Akteuren aus Bund, Ländern und Kommunen selbst erarbeitet. Beteiligt sind acht Bundesministerien, unter anderem die Länder Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hamburg sowie kommunale Spitzenverbände wie der Städtetag.

Quelle: KNA


Und diese Reformen seien auch dringend nötig, betont Bas im ZDF heute journal. Der Sozialstaat sei derzeit zu kompliziert organisiert. Es gebe sowohl Bürgerinnen und Bürger, die Leistungen nicht erhielten, als auch Verwaltungen, die ineffizient arbeiteten.

Viele Bürgerinnen und Bürger bekommen ihre Leistung nicht, weil sie sich durch einen Dschungel arbeiten müssen.

Bärbel Bas, Arbeitsministerin

Auch die Behörden selbst litten unter "vielen Schnittstellenproblemen", wodurch die Arbeit nicht effektiv sei. Nach Ansicht der Ministerin führe diese Komplexität dazu, dass Ansprüche bestehen, aber nicht realisiert werden.

Bas: Sozialrecht soll vereinfacht werden

Das Problem sei nicht neu, bisher habe aber der Mut gefehlt, eine so große Sozialstaatsreform in Angriff zu nehmen. So sollen etwa das Sozialrecht vereinfacht und Nachweispflichten entbürokratisiert werden.

"Die Besonderheit ist, dass tatsächlich jetzt Kommunen, Länder und der Bund einvernehmlich sagen [...]: 'Wir wollen das Thema jetzt endlich angehen'."

Bas zum Bericht der Sozialstaatskommission

Arbeitsministerin Bas drängt auf zügige Umsetzung der grundlegenden Sozialstaatreform, während in Berlin diskutiert wird, ob die Pläne tatsächlich der richtige Kurs für den Sozialstaat sind.

27.01.2026 | 1:40 min

Worum es inhaltlich geht

Inhaltlich gehe es nicht um Leistungskürzungen, stellt die Ministerin klar. Der Auftrag der Kommission sei eindeutig gewesen: "Es ging darum, die steuerfinanzierten Leistungen, also den Kinderzuschlag und das Wohngeld, zusammenzulegen."

Zugleich solle das "Schutzniveau bewahrt" werden. Kritik, es handele sich nur um organisatorische "Schönheitsreparaturen", weist Bas zurück. Die Reform solle Vertrauen in den Sozialstaat zurückbringen, indem Leistungen schneller, einfacher und digital beantragt werden könnten.

Diana Zimmermann im Schaltgespräch mit der heute

Der deutsche Sozialstaat soll grundsätzlich reformiert werden – die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus. Einschätzungen von Diana Zimmermann.

27.01.2026 | 1:30 min

Vereinfachung könnte höhere Kosten verursachen

Dass eine vereinfachte Beantragung zunächst höhere Kosten verursachen könnte, bestreitet Bas nicht. Entscheidend sei jedoch, dass Menschen mit Anspruch endlich Unterstützung erhielten.

Erstmal ist es ja wichtig, dass die Menschen - die heute schon einen Anspruch haben, ihn aber nicht in Anspruch nehmen können - dass wir diesen Menschen helfen.

Bärbel Bas, Arbeitsministerin

Gleichzeitig setze die Kommission darauf, Erwerbstätigkeit zu stärken. Dadurch könnten langfristig Einsparungen entstehen, ebenso durch geringeren Verwaltungsaufwand. Experten rechneten hier mit "bis zu 60 oder 80 Prozent" weniger Aufwand.

Arbeitsministerin: Zeitplan ambitioniert

Beim Thema Digitalisierung zeigt sich Bas zuversichtlich, trotz früherer Verzögerungen bei der Verwaltungsmodernisierung. Anders als zuvor hätten sich nun alle Ebenen auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt.

Der Zeitplan sei ambitioniert: Bis Ende 2027 sollen gesetzliche Grundlagen und erste Maßnahmen umgesetzt werden. Es sei, räumt Bas ein, "eine Operation am offenen Herzen", doch der politische Wille sei vorhanden, die Reform nun durchzuziehen. "Wir wollen das jetzt bis 2027 auf den Weg bringen."

Das Interview führte Christian Sievers, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.

Über dieses Thema berichtete das heute journal am 27.01.2026 ab 21:45 Uhr.

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