WISO - Wirtschaft erklärt:Warum Strom bei uns so teuer ist und wer daran was verdient
von Selma Schmitt und Hanna Zimmermann
Strom ist bei uns in Deutschland so teuer wie in fast keinem anderen EU-Land. Aber warum ist das eigentlich so? Und wer verdient am Ende an unseren hohen Strompreisen?
Der Strompreis in Deutschland ist hoch. Wer wirklich damit Kasse macht und was wir tun können, um endlich günstiger zu werden: WISO - Wirtschaft erklärt mit Hanna Zimmermann.
15.08.2026 | 9:58 minDer Strompreis ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Im zweiten Halbjahr 2025 lag er bei durchschnittlich 39 Cent pro Kilowattstunde. Teurer war er im EU-Vergleich nur in Irland.
Der durchschnittliche Strompreis in den EU-Ländern.
Quelle: Bewegte ZeitenUnd das, obwohl der Anteil erneuerbarer Energien am hiesigen Strommix gewachsen ist - und Wind und Sonne vergleichsweise günstigen Strom produzieren. Die Entstehungskosten für eine Kilowattstunde Strom aus Windenergie an Land betragen bis zu sechsmal weniger als die aus einem neuen Braunkohlekraftwerk, nicht zuletzt, weil hier Ausgaben für CO2-Zertifikate obendrauf kommen.
Windkraft soll das Klima schützen. Während im Münsterland motivierte Bürger eigene Windparks errichten, wehren sich Lüneburger gegen Windräder im Wald. Zwei Perspektiven auf die Energiewende.
12.06.2026 | 9:16 minStrompreis setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen
Das wirft die Frage auf: Wer verdient eigentlich an den hohen Stromkosten? Um das zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf unsere Stromrechnung. Denn der Preis, den wir zahlen, setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen:
- Beschaffung und Vertrieb,
- Netzentgelte sowie Steuern,
- Abgaben und Umlagen.
Der Anteil am Strompreis von Beschaffung und Vertrieb
Das meiste Geld geht an die Erzeuger und Anbieter von Strom, nämlich 16 von den 39 Cent. Was die Erzeuger verdienen, richtet sich dabei nach dem sogenannten Merit-Order-Prinzip an den Strombörsen. Die günstigsten Kraftwerke dürfen ihren Strom zuerst einspeisen, das sind meist Wind- und Solaranlagen. Danach folgen Kohle- und Gaskraftwerke.
Nach dem teuersten Anbieter richtet sich am Ende der Preis - auch wenn der Strom aus Erneuerbaren eigentlich weniger kostet. Anschließend kaufen Stromanbieter den Strom an den Börsen ein und verkaufen ihn weiter. Ihre Margen liegen meist im einstelligen Prozentbereich.
40 Cent pro Kilowattstunde im Schnitt - wir zahlen den höchsten Strompreis in Europa. DEALS zeigt, wer von den 40 Cent profitiert und warum Strom in Deutschland so teuer ist.
22.10.2025 | 21:15 minWelchen Anteil Netzentgelte sowie Steuern haben
Die Netzentgelte machen derzeit etwa ein Viertel des Strompreises aus. Mit diesem Geld werden unter anderem neue Leitungen gebaut, um Windstrom vom Norden in den Süden zu transportieren. Das scheitert derzeit manchmal an Engpässen im Stromnetz, die Windräder im Norden müssen dann runter- und Kraftwerke im Süden hochgefahren werden. Das nennt man Redispatch.
Um das zu vermeiden und immer den günstigsten Strom nutzen zu können, ist es wichtig, die Netze weiter auszubauen. Die geplante EEG-Reform soll nun Anreize schaffen, neue Wind- und Solaranlagen dort zu bauen, wo das Stromnetz bereits ausreichend Kapazität hat.
Quelle: Bundesverband Windenergie
Energie-Experten wie Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin befürchten allerdings, dass die Reform das Ausbautempo von Solar- und Windkraftanlagen reduziert und den Netzausbau verzögert: "Damit wird der Druck von den Netzbetreibern genommen, ihre Stromnetze weiter auszubauen."
Die Netzbetreiber haben in den jeweiligen Regionen ein Monopol. Damit die Preise fair bleiben, regelt die Bundesnetzagentur, wie viel sie über die Netzentgelte einnehmen dürfen. Vorgesehen sind dabei Eigenkapitalrenditen im einstelligen Prozentbereich.
Mit kleinen Anpassungen im Alltag lässt sich überall im Haushalt der Energieverbrauch senken. Sieben einfache Tipps, wie Sie Strom und damit auch Geld sparen können.
07.04.2026 | 4:05 minWie der Staat am Strom mitverdient
Und nicht zuletzt verdient der Staat am Strom mit. Auf jeder Stromrechnung finden sich Steuern, Abgaben und Umlagen, die zum Teil direkt in die Staatskasse fließen - insgesamt knapp ein Drittel von den 39 Cent.
Die Stromsteuer sollte auch in Deutschland sinken, das hatte die Bundesregierung im Koalitionsvertrag beschlossen. Doch dann reichte das Geld nicht, um die Verbraucher zu entlasten. Dass es auch anders geht, zeigt Großbritannien. Das Land hat gerade beschlossen, die Mehrwertsteuer auf Strom komplett zu streichen.
In Sachsen-Anhalt wurde der größte Batteriespeicher Deutschlands eröffnet. Er soll überschüssige Energie von erneuerbaren Energieformen speichern.
13.08.2026 | 1:29 minWelche Ideen den Strompreis senken könnten
Es gibt auch noch viele weitere Ideen, um den Strompreis zu senken. Eine Stellschraube sind die Preismechanismen: Spanien und Portugal haben den Strompreis etwa für eine Weile vom Gaspreis entkoppelt - so sinkt der Börsenstrompreis.
Strom wäre auch billiger, wenn wir mehr von der günstigen Wind- und Solarkraft speichern könnten. Dafür brauchen wir mehr große Batteriespeicher. Ein anderer Vorschlag sind digitale Stromzähler, die Haushalte dazu bringen, den Strom vor allem dann zu nutzen, wenn er gerade günstig produziert wird.
Dynamische Stromtarife sollen den Verbrauch steuern und belohnen, wer Strom zu günstigen Zeiten nutzt. Thomas Zwingmann von der Verbraucherzentrale NRW erklärt, worauf geachtet werden muss.
23.10.2025 | 4:59 minDie Recherche zeigt: Es gibt nicht den einen großen Profiteur am Strommarkt. Der hohe Strompreis entsteht durch ein Zusammenspiel von Kosten für Energieerzeugung und Netzausbau, Marktregeln und staatlichen Abgaben. Gleichzeitig ist klar: Der Ausbau von Netzen und Speichern kostet Geld, zahlt sich aber aus, wenn so weniger teurer Kohle- und Gasstrom nachgefragt werden muss.
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