Energiewende "erfordert Flexibilität":Strompreis: Mit Batteriespeichern wieder stabil und günstig?
von Svetlana Ulman
Industrie und Privathaushalte ächzen unter den Strompreisen, obwohl mit den erneuerbaren Energien häufig Überschuss produziert wird. In Merseburg-Beuna werden Lösungen aufgezeigt.
In Sachsen-Anhalt wurde am Donnerstag der größte Batteriespeicher Deutschlands eröffnet. Er soll überschüssige Energie von erneuerbaren Energieformen speichern.
13.08.2026 | 1:29 minDeutschland hat in den letzten Jahren Photovoltaikanlagen für rund 115 Gigawatt Leistung installiert. Gleichzeitig wurde die Off- und Onshore-Windkraft enorm ausgebaut. An sonnen- und windreichen Tagen können teils schon mehr als 80 Prozent des Stroms mit Erneuerbaren Energieträgern produziert werden.
Am 5. August 2026 wurde beispielsweise laut des Thinktanks Agora Energiewende alleine in Deutschland im angegebenen Mittagszeitraum ein Stromüberschuss von 7,17 Gigawattstunden ins Ausland exportiert: Der börsennotierte Strompreis fiel wegen des Überangebots auf -0,04 Euro pro Megawattstunde (MWh) und stieg um 21 Uhr auf 203,74 Euro pro Megawattstunde hoch. Deutschland musste demnach zu diesem hohen Preis 9,36 GWh dazukaufen.
Neuer Batteriegroßspeicher bei Merseburg-Beuna
Diese riesigen Preisschwankungen werden in der Preisspitze immer von wenigen teuren Energieanbietern für alle Verbraucher gesetzt. Es sind häufig Graustrom-Produzenten, die fossile Brennstoffe wie Gas, Kohle und Erdöl nutzen. Diesem Mechanismus könnte ein Ende bereitet werden, wenn Vorhaben wie in Merseburg-Beuna in Sachsen-Anhalt weiter forciert würden.
Batteriespeicher sind für die Energiewende absolut unverzichtbar. Doch wie kann man diese günstig entwickeln?
10.07.2026 | 3:32 minDort wurde ein neuer Batteriegroßspeicher gebaut. Eigentlich ist es ein "Batterieverbund" mit mehreren Batteriecontainern auf einer Fläche so groß wie zwei Fußballfelder. "500 Megawattstunden Stromkapazität mit der 500.000 Menschen eine ganze Nacht mit Strom versorgt werden können", sagt der Privatinvestor und Gründer von Münch Energie, Mario Münch.
Der verbundene Batteriegroßspeicher Merseburg in Sachsen-Anhalt soll dabei helfen, die Energiewende voranzubringen.
Quelle: Münch EnergieEnergiewirt: "Schluss mit Zappelstrom"
Damit sei "Schluss mit Zappelstrom", ergänzt der Grünstromerzeuger und meint damit die extremen Preisschwankungen im Stromsektor. Bis Ende des Jahres will er den Standort auf 800 Megawattstunden ausbauen, das reiche dann für die Stadt Leipzig und noch mehr.
In fast allen Ländern der Welt gilt: Sonne und Wind sind die billigsten Energieerzeuger. Ein neues Gaskraftwerk kostet fast das 20-fache eines Sonnenkraftwerks.
Mario Münch, Gründer Münch Energie
Der Ausbau von Solar- und Windenergie kommt voran, doch das Stromnetz hinkt hinterher. Unternehmen warnen vor neuen Hürden durch geplante Gesetze.
23.06.2026 | 2:45 minDie Dynamik durch die weltweite Elektromobilität habe Batterien sehr günstig gemacht, so dass sie "jetzt nahezu überall Sinn machen", erläutert Münch und ergänzt: "Wir haben Batteriespeicher im ersten Schritt an neuralgische Punkte gesetzt, an denen schon Energieversorger standen." Dort habe die Infrastruktur schon bestanden, etwa gut ausgebaute breite Kabelwege, Umspannanlagen und Strommasten.
Sein Unternehmen begann vor gut 20 Jahren mit der Errichtung von Solaranlagen auf den landwirtschaftlichen Feldern seiner Eltern und ist heute einer der größten Energiespeicherbetreiber Deutschlands.
Schulze: "Immer ist die Frage: 'Kriege ich günstigen Strom?'"
Bei der Einweihung des Großspeichers ist auch Ministerpräsident Sven Schulze anwesend. Er hat das Projekt vor zwei Jahren noch als Wirtschaftsminister begleitet. Die Realisierung ist für ihn ein wichtiges Signal für die Sicherung des Industriestandortes neben dem Chemiepark Leuna.
Schulze erläutert: "Wir haben ganz viele Unternehmen, die hier schon aktiv sind, aber auch viele neue Anfragen. Immer ist die Frage: 'wie siehts mit der Stromversorgung aus?' Kriege ich günstigen Strom, kriege ich den verlässlich?'" Deswegen sei dieser Energiespeicher ein Zukunftsprojekt für Sachsen-Anhalt und für Deutschland, das "wirklich" helfe.
Forscher betonen die Notwendigkeit von neuen Konzepten:
Wir sind bei der Energiewende in einer Phase angelangt, die Flexibilität erfordert, um wachsende Mengen günstigen Wind- und Solarstroms zeitlich besser zu nutzen.
Norman Gerhardt, Fraunhofer Institut IEE
Entlastungen bei den Strompreisen wird es laut Wirtschaftsministerin Reiche erst in den 2030er Jahren geben. Die CDU-Politikerin weist außerdem Kritik an ihren Reformplänen zurück.
05.08.2026 | 0:28 minDas erläutert Gerhardt vom Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE und Leiter einer aktuellen gleichnamigen Studie. Vereinfacht gesagt: Es müsste der günstige Strom zur Mittagszeit gespeichert werden, um ihn nachts, wenn er wieder teuer ist, zu nutzen oder selbst zu verkaufen.
Modellhaft berechnete ein Forscherteam um Gerhardt gemeinsam mit Battery-Charts von der Uni Aachen, dass neben den bereits bestehenden 4 Gigawatt Großspeichern weitere 20 Gigawatt Stromspeicherleistung für vier Stunden lang schon eine deutliche Entlastung im heutigen Energiesektor gebracht hätten.
Einige Unternehmen setzen schon jetzt statt auf fossile auf alternative Energien und sind dadurch von der aktuellen Krise weniger betroffen.
16.04.2026 | 1:41 minWeniger Kosten für Volkswirtschaft
Diese hätten laut den Forschern auch die volkswirtschaftlichen Kosten gesenkt: Alleine in einem Jahr hätte diese Speicherleistung die Stromkosten der Verbraucherinnen und Verbraucher um 1,31 Milliarden Euro gesenkt und damit den Bundeshaushalt um weitere 1,5 Milliarden Euro entlastet, rechnen die Wissenschaftler vor.
Norman Gerhardt führt auch praktische Beispiele an: etwa das E-Auto tagsüber zu laden und nicht abends. Der Forscher lobt den bisherigen Ausbau an Erneuerbaren Energien, die schon eine Einsparung von mehr als 0,2 Milliarden Euro pro Jahr bringen würden und deren Nutzen über Speicher weiter gehebelt werden könne. Doch er fordert: "Bei weiterem Ausbau muss immer neue Speicherkapazität quasi automatisch mitgeplant werden." Dann könne es eine positive volkswirtschaftliche Bilanz geben.
Strom aus Sonne und Wind speichern ist eine der Herausforderungen der Energiewende. Eine finnische Firma hat nun einen Weg gefunden: Sie erhitzen damit Sand. Wie es funktioniert.
02.03.2025 | 1:20 minDer Energiewirt Münch zeigt, dass sich Ökologie rechnet. Und kündigt an, dass sein nächstes Großprojekt in Sachsen-Anhalt schon in den Startlöchern stehe.
Svetlana Ulman ist Redakteurin im ZDF-Landesstudio Sachsen-Anhalt.
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