WISO - Wirtschaft erklärt:Schlechtester Börsenmonat: Was ist los im September?
von Mischa Ehrhardt und Valerie Haller
An der Börse bringt der September das Zittern: Sein Ruf als schlechtester Börsenmonat ist legendär. Der genaue Blick zeigt, woher das Image kommt und ob es wirklich stimmt.
Der September hat an der Börse einen schlechten Ruf. Warum schneidet der Monat historisch so schlecht ab? Wie sollten Anleger darauf reagieren? WISO - Wirtschaft erklärt mit Valerie Haller.
29.08.2026 | 9:44 min"Sell in May and go away, but remember to come back in September": Die alte Börsenweisheit rät, im Sommer das Weite zu suchen und erst im Herbst an die Börsen zurückzukommen. Genauer: im September. Das Dumme daran: Die Rückkehr fällt in den Monat mit dem schlechtesten Ruf.
Die Zahlen geben dem schlechten Image des Septembers recht: Seit 1928 verliert der US-Leitindex S&P 500 in diesem Monat im Schnitt rund 1,2 Prozent. Nach Daten von RBC Wealth Management ist der September damit der einzige Kalendermonat mit einer klar negativen Durchschnittsrendite.
Der September ist statistisch der schlechteste Monat des Jahres mit den häufigsten Kursverlusten.
Quelle: Bewegte ZeitenFür Anleger heißt das nicht, dass Verluste programmiert sind. Aber die Statistik erklärt, warum die Nervosität zum Herbstauftakt steigt.
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10.08.2026 | 3:29 minAuffällige September in der Börsengeschichte
Psychologisch kommt hinzu, dass einige der stärksten Börsenbeben in September fielen. 2001 zum Beispiel, nach den Anschlägen auf das World Trade Center.
Auch der Crash in Folge von Lehman Brothers 2008 fällt in den September - wobei die Kurse im Oktober 2008 noch deutlicher abstürzten als im September. Ende September 2022 erreichte der Dax seinen tiefsten Punkt des Jahres, nachdem Russland im Februar in die Ukraine einmarschiert war. Doch auch 2022 fielen die Verluste im Dax im Februar und Juni deutlich größer aus als im September.
Die Beispiele zeigen also, dass der September an der Börse zwar immer wieder spektakulär in Erscheinung getreten ist, es dafür aber auch handfeste Gründe gegeben hat. Und natürlich ist Statistik keine Regel.
Es gab auch Jahre, in denen es im September im Dax und im S&P 500 ein deutliches Plus gab.
Quelle: Bewegte Zeiten2024 beispielsweise stieg der Dax im September um zwei Prozent, ebenso der S&P 500 in den USA. 2025 ging es in dem US-Leitindex sogar fast vier Prozent nach oben und im Rekordjahr 2010 sogar um fast neun Prozent.
Die Börse ist wie ein Marktplatz: Dort kann man etwas kaufen und verkaufen – aber nicht etwa Obst und Gemüse, sondern zum Beispiel Aktien. Um was es genau geht, erklären wir.
09.04.2025 | 1:32 minGründe für das schlechte Abschneiden
Dass der Durchschnitt des Monats September auffallend schlecht ausfällt, hat aber Gründe - womit man wieder bei der Börsenweisheit "Sell in May" wäre. Denn tatsächlich verabschieden sich viele Börsenanleger in den Sommermonaten in den Urlaub. Im Herbst kehren sie zurück, doch der Handel im September hat noch vergleichsweise wenige Teilnehmer. Schlechte Nachrichten schlagen deswegen stärker auf die Kurse durch.
Hinzu kommt: Die Berichtssaison der Unternehmen beginnt im Oktober. Im September herrscht Flaute, was frische Impulse angeht.
Schließlich betreiben professionelle Anleger zum Ende eines Quartals gerne "Window dressing": Sie schmeißen schlecht laufende Titel aus dem Depot, um zum Quartalsende besser dazustehen.
Die alljährliche Vorstandsvergütungsstudie zeigt unter anderem, wie hoch die Gehälter von Managern in Deutschland sind.
13.08.2026 | 0:42 minWas diesen September kommen könnte
Jeder September hat seine eigene Ausgangslage. Und in diesem Jahr folgt der September auf ein starkes Börsenjahr mit neuen Rekorden in den wichtigsten Indizes. Den Treibstoff für diesen Höhenflug liefern große Technologieunternehmen rund um Künstliche Intelligenz.
Nur bergen Höhenflüge immer auch das Potenzial harter Landungen - auch durch Gewinnmitnahmen. Und: An den Börsen wird mehr die Zukunft als die Gegenwart gehandelt. So treibt die Aussicht auf sprudelnde Gewinne die Kurse, auch wenn die Investitionen zunächst vor allem Geld kosten. Und wenn der Erfolg in Sachen KI verspätet kommt oder ausbleibt, ist Enttäuschung programmiert.
Grund zur Sorge schließlich liefern aktuell auch die Anleihemärkte. Denn dort haben die Zinsen angezogen - getrieben auch durch die vielen Unternehmensanleihen, die KI-Firmen auf der Suche nach Investoren für ihre Investitionen herausgeben. Damit sind die vergleichsweise hohen Anleiherenditen eine Alternative zum Aktienmarkt - was Umschichtungen und Geldabflüsse zur Folge haben kann.
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24.08.2026 | 1:33 minDer geduldige Anleger wird belohnt
Anleger schließlich sollten nie vor einzelnen Monaten zittern. Zu viele Käufe und Verkäufe kosten Gebühren und bergen das Risiko für Fehlentscheidungen. Über lange Zeiträume hinweg ändern Rückschläge nichts an der allgemeinen Tendenz nach oben - auch wenn ein September mal aus der Reihe tanzt.
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