Fenerbahce Istanbul zurück:Champions League: Fener-Fans im Zwiespalt
von Claudio Palmieri
Zum ersten Mal nach 18 Jahren spielt Fenerbahce Istanbul wieder in der Champions League. Die Vorfreude ist riesig - doch bei der Erwartungshaltung scheiden sich die Geister.
Fenerbahce Istanbul ist zurück in der Champions League
Quelle: Imago / ZUMA Press WireWas das Champions-League-Comeback von Fenerbahce Istanbul mit den eigenen Fans macht? Das Treiben bei Koblenz Fenerbahce kann vielleicht als Stimmungsbarometer herhalten. Wenn der insgesamt 28-fache türkische Meister am Donnerstag (18:45 Uhr) die AS Rom zum ersten Spieltag der Ligaphase empfängt, rechnet Ferhat Epik mit "40 bis 50 Leuten" im Vereinsheim des 2002 gegründeten offiziellen Fanclubs.
Die Highlights von unter anderem Borussia Dortmund - FC Villarreal, VfB Stuttgart - Viking FK, FC Liverpool - Atlético Madrid, FC Barcelona - Feyenoord Rotterdam, Real Madrid - Inter Mailand.
09.09.2026 | 58:35 minGar nicht so schlecht für ein Spiel unter der Woche, sollte man meinen - doch oft geht hier sogar noch mehr. "Bei Derbys sind es auch schon mal 200 bis 250 Leute", sagt der Fanclub-Beisitzer.
Fenerbahce-Fanlager hat geteilte Ansprüche
Ist die Sehnsucht nach 18 Jahren ohne Königsklasse also gar nicht so riesig, wie es die Jubelszenen unter Fener-Fans in ganz Europa nach dem 2:1-Heimsieg im Playoff-Rückspiel gegen Olympique Lyon vermuten ließen? Doch, betont Epik - legt allerdings ein Dilemma unter den Anhängern der Kanaryalar ("Kanarienvögel") in puncto Erwartungshaltung offen.
"Das Fanlager ist zwar nicht geteilt", sagt er, "aber es gibt viele jüngere Fans, die finden: Wir müssen in jedem Champions-League-Spiel bis ans Äußerste gehen." Epik selbst gehöre "mit 34 Jahren eher zu denen, die sagen: Wir werden die Champions League sowieso nicht gewinnen. Was nicht heißt, dass wir uns nicht darauf freuen".
Wunsch nach schönen Spielen und tollen Stadien
Man wolle "schöne Spiele sehen, tolle Gegner und Stadien mitnehmen und die Rückkehr einfach genießen", sagt Epik, der in Linz, Madrid und in Istanbul gegen den FC Liverpool live im Stadion dabei sein will.
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International beachtete Transfers wie jene von Mason Greenwood (Olympique Marseille), Nathan Aké (Manchester City) oder Romelu Lukaku (SSC Neapel) schüren die Hoffnungen der Optimisten. Für den ganz großen Wurf in der Königsklasse würden diese Namen jedoch nicht reichen, glaubt Michael Kraft.
"Wenn zentrale Spieler wie Marco Asensio nicht spielen, hakt es zurzeit noch", findet der ehemalige Bundesliga-Torhüter und heutige Torwarttrainer, der nach einem 14-monatigen Engagement bei Fenerbahce (2020 bis 2022) Fan geblieben ist - und bis heute über die sozialen Netzwerke den direkten Draht mit dem Anhang pflegt.
"Ich weiß nicht, ob der Kader, der auch nicht mehr ganz so jung ist, so stark ist, dass er über eine ganze Saison voll performen kann", sagt Kraft.
Die Champions League ist eine ganz andere Marke, die zusätzliche Belastung ist groß.
Michael Kraft, Ex-Fenerbahce-Torwarttrainer
Von wegen Plan B: Vincent Kompany ist ein Glücksfall für den FC Bayern. Sportlich begeistert er mit modernen Methoden, neben dem Platz mit Empathie und den stets richtigen Worten.
03.09.2026 | 16:23 minLange Titel-Durststrecke in der Süper Lig
Hinzu kommt, dass Fenerbahce gegen eine zweite sportliche Durststrecke ankämpft. Seit 2014 wartet der Klub von der asiatischen Seite Istanbuls auf den Gewinn der Meisterschaft - so lange wie noch nie in der 119-jährigen Vereinshistorie.
Acht eigenen Vizemeisterschaften in dieser Zeit stehen sieben Meistertitel und der Aufstieg von Erzrivale Galatasaray zur Nummer eins im Land gegenüber. Fanclub-Besitzer Epik sagt:
Würde man die Fener-Fans fragen, ob sie lieber die Meisterschaft oder die Champions League gewinnen würden, müssten sicher viele nachdenken.
Ferhat Epik, Fanclub-Besitzer
Kraft: "Sie tauschen jedes Jahr fast den halben Kader aus"
"Die Meisterschaft wollen sie unbedingt", sagt Ex-Torwarttrainer Kraft, macht aber ein grundsätzliches Problem aus. "Sie tauschen jedes Jahr fast den halben Kader aus", meint der 60-Jährige: "Die Zeit, über ein oder zwei Jahre eine Mannschaft aufzubauen, hast du dort gar nicht."
Da herrscht ein ganz anderer Druck von außen als etwa in Deutschland, vor allem medial - mit vielen Lunten und Unwahrheiten.
Michael Kraft
Vor dem Duell mit dem formstarken Serie-A-Primus Rom (neun Punkte, 10:1 Tore in drei Spielen) liegt viel Druck auf dem Kessel. Den Start in der Süper Lig hat Fenerbahce vergeigt. Im Derby gegen Besiktas (1:2) setzte es am Samstag den zweiten K.o. im vierten Match. Gala grüßt mit vier Punkten Vorsprung von Platz eins.
Droht schon jetzt eine Trainerfrage?
"Fener kann die Champions League jetzt zur Konsolidierung nutzen", hofft Epik - und sieht gute Chancen dafür: "In der Türkei mauern die Gegner deutlich mehr. Gegen Lyon war das fußballerisch sehr gut von uns."
Ismail Kartal wurde im Sommer bereits zum vierten Mal in seiner Karriere zum Fenerbahce-Chefcoach berufen, weil er für begeisternden Fußball steht - anders als seine ergebnisorientierten Vorgänger José Mourinho und Domenico Tedesco. Bei einem schwachen Auftritt gegen Rom kann sich Epik aber auch vorstellen, "dass die Trainerfrage schon wieder gestellt wird". Und nicht nur er, wie diverse Medienberichte untermauern.
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