Ultras im Fußball: Warum es DIE Szene nicht gibt

Ultras haben keine Satzung:Randalierer in Dresden erweisen Fankultur Bärendienst

von Christoph Ruf

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Ultras im Fußball sind die größte Subkultur - und die heterogenste. Mit den Ausschreitungen haben Dresdener und Berliner zuletzt aber der gesamten Szene einen Bärendienst erwiesen.

Christoph Ruf

Nach den Krawallen im Spiel Dresden - Hertha können man "nicht mehr erzählen, dass Fußballspiele sichere Veranstaltungen sind", sagt Fan-Experte Christoph Ruf. "Auswüchse in der Ultra-Kultur" seien schwer zu verhindern.

10.04.2026 | 3:26 min

Am Tag nach den abschreckenden Bildern von Dresden hing beim Schalker Heimspiel gegen den Karlsruher SC ein Transparent vor der Heimkurve, das unfreiwillig prophetisch ausfiel: "Drei Monate nach der IMK ist drei Monate vor der IMK".

Denn die nächste Innenministerkonferenz (IMK) in Hamburg wird wohl härtere Maßnahmen beschließen. Das Gegenargument - die Stadien sind sicher - mag für 999 von 1000 Spielen zutreffen. Nach den Bildern von Dresden klingt es dennoch geradezu grotesk.

Tjark Ernst (Hertha BSC) hält den Strafstoß, Elfmeter.

Die Paraden von Hertha-Keeper Ernst und Winklers 1:0-Siegtor sind die sportlichen Highlights des Spiels Dynamo Dresden - Hertha BSC. Überschattet wird Herthas Sieg von einem Platzsturm.

06.04.2026 | 9:05 min

Fandemo und Randale: Die zwei Gesichter einer Fanszene

Vorschläge, wie solche Ausschreitungen künftig vermieden werden können, dürften in den kommenden Monaten hoch- und runterdiskutiert werden dürften. Spannender ist die Frage, warum die aktive Fanszene solche Bilder wie am Ostersamstag produziert hat.

Blick von der Seite auf eine Tribüne: Ultras vom FC St.Pauli zünden Pyrotechnik während des Spiels gegen den FC Hansa Rostock.

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13.08.2024 | 43:43 min

Die gleiche Szene also, die es im Dezember geschafft hat, eine Demo mit tausenden Teilnehmern in Leipzig zu organisieren und dabei klug und sachlich zu argumentieren? Die Antwort: Weil es keine einheitliche Fankultur mit Satzung und Mitgliedsbuch gibt.

Haltung zur Gewalt variiert auch szeneintern

Vielmehr besteht die Szene aus hunderten unterschiedlichen Gruppen, die sich zum Teil schon in der gleichen Kurve, in der gleichen Stadt nicht einig sind. Und deren Meinungsverschiedenheiten sich auch immer wieder an der Gewaltfrage entzünden.

Fussball, Fußball, 3.Liga, 3.Bundesliga, Saison 2025/2026,

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20.03.2026 | 2:32 min

DIE Ultras gibt es also nicht. Es gibt solche, die neben einem kreativen Support an fanpolitischen Themen interessiert sind. Andere unterscheiden sich kaum noch von den gewalttätigen Hooligans aus den 90ern. Und es gibt sogar welche, auf die beides zutrifft.

DIE Ultras gibt es nicht

Klar ist aber auch: Denjenigen Hertha- und Dresden-Ultras, die eine Spielunterbrechung provoziert haben, waren fanpolitische Themen wie die Sicherheitsdebatte völlig egal. Ihnen war auch völlig egal, was der Rest des Stadions von ihnen denkt.

Oder die Fanorganisationen, die noch vor kurzem die Politik baten, Fans nicht unter Generalverdacht zu stellen. Umso schlimmer, als die Ereignisse bei Hin- und Rückspiel (2025 wurden Dynamo-Fans in Berlin überfallen) keine Kurzschlussaktion waren - sondern bestens geplant.

Aktion war minutiös geplant

Vor der Partie hatte der K-Block einen SGD (Sportgemeinschaft Dynamo)-Schriftzug aus tausenden Menschen gebildet, die schwarze und gelbe Regenponchos trugen. Eine notwendige Uniformierung für ein Mosaik aus tausenden Menschen.

Aber eben auch eine, die es schwer macht, diejenigen zu identifizieren, die über den Rasen liefen. Und damit auch ein Beispiel, das von der Politik diskutierte "Verschärfungen" oft entschlossenes Handeln suggerieren - aber völlig wirkungslos wären.

Fans im Fußballstadion

Am Wochenende wird es in Deutschlands Bundesliga-Stadien 12 Minuten ruhig sein. Wieso das so ist, erklärt ZDF-Reporterin Franziska Müllers.

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Keine Forderung der Politik hätte den Platzsturm verhindert.

Konkret hätte allerdings kein Vorschlag aus der Politik - wäre er im Dezember beschlossen worden - auch nur das kleinste Detail der Ausschreitungen verhindern können.

Ein Mann welcher durch seine Kapuze unkenntlich ist.

Alex war jahrelang Teil der Ultra-Szene - zwischen Adrenalin, Gewalt und Zugehörigkeit. Jetzt steht er vor Gericht, angeklagt wegen zwei Schlägereien.

19.09.2025 | 1:27 min

Eine zentrale Institution für Stadionverbot würde nichts daran ändern, dass man die Täter erst mal identifizieren muss. Und ob er eine personalisierte Eintrittskarte in der Hosentasche hat (was dumm wäre) oder nicht, hindert schon gar keinen am Überklettern eines Zaunes.

Ein Bärendienst für die Fan-Szene

Sowohl in Magdeburg als auch in Dresden sind allerdings trotz Vermummung bereits Täter identifiziert worden. Sie alle werden ein langes Stadionverbot bekommen. Und zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen.

Pyrotechnik im Fußballstadion

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03.12.2025 | 1:52 min

Den Schaden, den sie der gesamten deutschen Fanszene erwiesen haben, wird auch das nicht beheben können.

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Quelle: Reuters

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Das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF berichtete in der Sendung am 10.04.26 ab 12:50 Uhr von diesem Thema.

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