Remis zum Nations-League-Auftakt:Klopp-Debüt gegen Niederlande: Der Anfang eines langen Weges
von Frank Hellmann, Amsterdam
Jürgen Klopp erkennt zum Einstand viele positive Ansätze, aber auch Spielraum für Verbesserung. Der Bundestrainer fühlt sich nach dem 1:1 gegen die Niederlande bestätigt.
Chancen, intensive Zweikämpfe und ein Tor in der Nachspielzeit: Im ersten Spiel von Jürgen Klopp als Bundestrainer liefern sich das DFB-Team und die Niederlande ein packendes Prestigeduell.
25.09.2026 | 2:59 minEs war drei Minuten nach Mitternacht, als sich Jürgen Klopp auf Englisch aus dem offiziellen Teil der Pressekonferenz verabschiedete. "For tonight it’s fine. Thank you!"
Doch der Mann mit der "Einer-von-83-Millionen"-Kappe wollte dann doch nicht aus der Johan-Cruyff-Arena entschwinden, ohne mit einem Trio englischer Reporter zu flachsen, die extra von der Insel nach Amsterdam gereist waren. Beim FC Liverpool hatte Klopp im Oktober 2018 mit einem 0:0 bei den Tottenham Hotspurs begonnen, als er konstatierte: "Für den Moment bin ich zufrieden. Das war ein guter erster Schritt."
Nun klang der 59-Jährige nach dem schwer erkämpften 1:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande zum Auftakt der Nations League ganz ähnlich: "Es gab eine lange Liste an Dingen, die geklappt haben." Konkret lobte der neue Bundestrainer "die Intensität, die Bereitschaft und die Leidenschaft". Nur: "Als die Niederlande dominanter wurden, haben wir zu wenig Fußball gespielt. Dadurch sind wir unter Druck gekommen. Wir hätten gerne gewonnen, aber ich habe nicht den Eindruck, dass der Ausgleich unverdient war."
Bundestrainer Jürgen Klopp war mit dem Auftreten seiner Mannschaft gegen die Niederlande zufrieden, sieht aber noch jede Menge Luft nach oben.
Quelle: Martin Meissner / APNoch weit weg von der Perfektion
Eine gute Zusammenfassung der ereignisreichen Geschehnisse in einem stimmungsvollen Ambiente. Die Begeisterungsfähigkeit der Oranje-Anhänger entlud sich beim 1:1 von Cody Gakpo, der eine fabelhafte Vorlage von Ruben van Bommel, Sohn des ehemaligen Bayern-Abräumers Mark van Bommel, aus der Luft verwertete (90.+2). "Der Außenrist muss von der Mutter kommen. Vom Vater hat er es nicht", witzelte Klopp, dem der späte Dämpfer die gute Laune nicht verdarb.
Den von niederländischer Seite heftig beanstandeten Führungstreffer von Felix Nmecha (32.) über die Zeit zu retten, hätte womöglich den kritischen Blick verstellt. Wehrhaftigkeit und Leidenschaft der in schwarzen Abschiedstrikots des (Noch-)Ausrüsters angetretenen DFB-Auswahl bestimmten zwar auch die zweite Hälfte, nicht aber mehr Ballsicherheit und Grundordnung.
Habe ich den Eindruck, dass wir auch nur Richtung Perfektion unterwegs waren? Das war man nicht.
Jürgen Klopp, Bundestrainer
Der 13. Bundestrainer der DFB-Geschichte startete - anders als Julian Nagelsmann, Hansi Flick oder Joachim Löw - nicht siegreich und tröstete sich indes damit: "So ist Spielraum für Verbesserung."
Es geht ums Lernen und Kennenlernen der Philosophie
Und weil der Mut-und Muntermacher wohl auch auf Anraten seines stets präsenten Beraters Marc Kosicke die bildhaften Vergleiche liebt, verglich Klopp die "fehlende taktische Sicherheit" mit einem Vokabeltest, bei dem das Erlernte am nächsten Tag verloren geht, wenn man nicht noch mal draufgucke. Ergo: "Um etwas zu entwickeln, brauchen wir mehr als zwei Spiele."
Jamal Musiala und Kai Havertz fallen vorerst aus. Der Offensivspieler vom FC Bayern musste kurz vor dem Anpfiff passen, der Leistungsträger vom FC Arsenal musste nach einem bösen Tritt auf den Oberschenkel runter. Bundestrainer Jürgen Klopp sprach von "negativen Highlights".
Dazu erklärte er: "Bei beiden ist es muskulär. Es sind beide im MRT. Ich hoffe, dass es nichts Schlimmes ist und die Jungs relativ zügig wieder einsatzfähig sind. Für das Spiel am Sonntag sind sie wahrscheinlich raus." Über eine vorzeitige Nominierung von Jonathan Burkardt (Eintracht Frankfurt) und Nick Woltemade (Juventus Turin) werde deshalb nachgedacht.
Wer sich vergegenwärtigt, dass dieser erste Kader nur noch das Heimspiel gegen Griechenland (Sonntag 20.45 Uhr/ARD) bestreitet, danach aber fürs Heimspiel gegen Serbien (Donnerstag 20.45 Uhr/ZDF) und die Auswärtspartie in Griechenland (4. Oktober) ein komplett neues Aufgebot in Herzogenaurach einzieht, kann daraus nur ableiten, dass dieses XXL-Länderspielfenster zum Lernen und Kennenlernen der Klopp-Philosophie dient. Vor allem das geforderte Pressing kann nur greifen, wenn die Abläufe im Verbund sitzen. Zum Vorschein kam das bloß in den Anfangsminuten.
Philipp Treu punktet als Rechtsverteidiger
Positive Fingerzeige gab es auf der ersten Strecke gleichwohl genügend. Im Tor demonstrierte Marc-André ter Stegen trotz etlicher Fehlpässe, dass auch nach langer Auszeit die Reflexe stimmen. Und als Rechtsverteidiger ließ Debütant Philipp Treu den kessen Worten einen nicht minder selbstbewussten Auftritt folgen. Im zentralen Mittelfeld fand sich Kapitän Joshua Kimmich besser zurecht als in der Viererkette. Abwehrchef Jonathan Tah sah insgesamt in der deutschen Elf wieder "Feuer und Energie", auch wenn nicht alles funktioniert habe.
Der redegewandte Klopp, der mehrfach betonte, er habe in seinem Leben schon "mehr als 1.000 Spiele" gecoacht, wusste allerdings auch: "Wir sind in einem Ergebnissport. Und wir sollten die nächsten 500 Spiele nicht unentschieden spielen." Der erste Sieg unter seiner energetischen Regie soll am besten bereits in Augsburg gegen die Griechen gelingen, die ihr Auftaktspiel gegen Serbien (2:1) in der Nachspielzeit noch gewonnen haben.