Neuling im DFB-Team:Philipp Treu: Nicht nur an der Linie auf der Überholspur?
von Frank Hellmann
Giftig, griffig und gierig: Philipp Treu vom SC Freiburg bringt vieles mit, um die Vakanz als rechter Verteidiger bei der Nationalmannschaft zu lösen.
Chancen, intensive Zweikämpfe und ein Tor in der Nachspielzeit: Im ersten Spiel von Jürgen Klopp als Bundestrainer liefern sich das DFB-Team und die Niederlande ein packendes Prestigeduell.
25.09.2026 | 2:59 minNach einem kecken Auftritt in der Johan-Cruyff-Arena war Philipp Treu in aller Munde. Den 1,72 Meter großen Neuling auf der Position des rechten Außenverteidigers im DFB-Team konnte keiner übersehen. So giftig, griffig und gierig hat selten jemand auf der angeblichen Problemposition agiert - auch nicht Joshua Kimmich bei der letzten WM, wo der DFB-Kapitän seltsam gehemmt wirkte.
Kimmich sagte nach dem 1:1 in Amsterdam im ZDF-Interview über Debütant Treu:
Er hat eine super Partie gemacht.
Joshua Kimmich über Philipp Treu
"Sowohl offensiv als auch defensiv hat er ein sehr gutes Gefühl gehabt für seine Positionierung. Im Zweikampf immer aufmerksam, sehr aggressiv, technisch gut."
Treu: DFB-Debüt fühlt sich "surreal" an
"Ein Stück weit surreal" habe sich sein DFB-Debüt angefühlt, sagte Treu im ZDF-Interview. Mit seinem "Vorbild" Kimmich ein Länderspiel zu absolvieren, "ist einfach Wahnsinn". Dass er gegen die Niederlande von Beginn an spielen darf, habe er niemandem erzählt. "Da wollte ich meine Family die Aufstellung vor dem Fernseher oder im Stadion abwarten lassen", sagte Treu schmunzelnd: "Ich war fokussiert und wollte Vollgas geben."
Philipp Treu über sein DFB-Debüt und Einsatz in der Startelf gegen die Niederlande.
25.09.2026 | 11:02 minManche DFB-Anhänger ließen sich am Tag nach dem 1:1 gegen die Niederlande gerne erklären, dass Treu mit 25 Jahren nicht mehr ganz jung ist - und mit dem SC Freiburg immerhin erst im Mai bis ins Europa-League-Finale kam. Aber hat’s jemand wirklich mitbekommen? Es musste erst Jürgen Klopp das Amt des Bundestrainers übernehmen.
Nach dem Remis der deutschen Fußballer gegen die Niederlande ordnet ZDF-Experte René Adler im Mittagsmagazin den ersten Auftritt unter Bundestrainer Klopp ein.
25.09.2026 | 4:05 minAugen auf bei der Spielersuche
Wer sage denn eigentlich, dass es keinen Kimmich-Ersatz für die Viererkette rechts draußen gebe? "Philipp marschiert die Bahn hoch und runter, völlig wurscht, welche Tages- und Nachtzeit. Da spielt einer, und der muss sich selbst fragen: Hä, worüber reden die?", begründete Klopp vor einer Woche die Berufung. Im Nachhinein hat der 59-Jährige offenbar alles richtig gemacht. "Das ist mal gut zu hören, dass jemand die Augen aufmacht und nach Freiburg geguckt hat", sagte Treu.
Er sei froh darüber, "dass Jürgen Klopp mich auf dem Schirm hat und Bock hatte auf mich": Vielleicht auch, weil der gebürtige Heidelberger ähnlich nassforsch rüberkommt wie der Bundestrainer. Treu leidet nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein. Seine Leidenschaft für den Beruf ist verbürgt.
Peu à peu auf die Überholspur
"Wenn ich dann auf die Tribüne gucke und meine Eltern mit ganz viel Stolz nach dem Spiel winken, ist das ein unfassbares Gefühl", sagte der Profi, dem zwei Jahre beim FC St. Pauli in der Entwicklung geholfen haben. Heute kann er sagen:
Ich wollte mich immer peu à peu auf die Überholspur setzen und mich ranpirschen, um meine Konkurrenten zu überholen.
Neu-Nationalspieler Philipp Treu
Dass er die Führung für das deutsche Team durch Felix Nmecha mit seinem Vorstoß einleitete, kam nicht von ungefähr. Klopp fand die Darbietung "außergewöhnlich". Und Abwehrchef Jonathan Tah setzte ungefragt zu einer Lobrede auf den Draufgänger an:
Ich würde gerne Pippo herausheben, Philipp Treu. Wie er die Linie rauf und runter gerannt ist, war top, genau das brauchen wir.
Abwehrchef Jonathan Tah
Konkurrent ist Josha Vagnoman
So manch einer hatte befürchtet, Treu könne bei einem direkten Gegenspieler wie Cody Gakpo vielleicht so enden wie einst Zoltan Sebescen, der am 27. Februar 2000 in einem denkwürdigen Länderspiel vom niederländischen Dribbelkünstler Boudewijn Zenden vorgeführt wurde. Zur Pause erlöste Erich Ribbeck seinen Debütanten, der danach nie wieder eingeladen wurde. Amsterdam war für ihn zum Albtraum geworden.
Bei Treu könnte es heißen: Mit dem Traum von Amsterdam fing alles an. Ihm seien übrigens noch unzählige Nachrichten geschickt worden, erzählte er noch. Dem Lesen und Beantworten wollte er sich nachts im Teamhotel widmen. "Nach einem Abendspiel fällt es mir immer schwer zu schlafen."
Es wird nun abzuwägen sein, ob der bald hoffentlich wieder ausgeschlafene Novize gegen Griechenland in Augsburg (Sonntag 20:45 Uhr/ARD) gleich noch einmal startet. Oder ob besser Josha Vagnoman vom VfB Stuttgart beginnt, den Klopp als zweiten Kandidaten in seinen ersten Kader berufen hat.