Effzeh-Coach kämpft um seinen Job:Wie Köln mit Trainer Kwasniok in die Krise gerutscht ist
von Ralf Lorenzen
Lukas Kwasnioks extrovertierte Art gefällt beim 1. FC Köln nicht allen. Jetzt stimmen auch die Ergebnisse nicht mehr. Ist der Effzeh-Trainer Problem oder Problemlöser?
Nach gutem Start rutscht der 1. FC Köln immer tiefer in den Tabellenkeller. Welche Rolle spielt der polarisierende Lukas Kwasniok? Und steht der Trainer in seiner ersten Saison schon vor dem Aus?
12.03.2026 | 15:41 minMit Horst Steffen, Sandro Wagner und Lukas Kwasniok übernahmen gleich drei heiß gehandelte Trainer zu Beginn dieser Saison in der Fußball-Bundesliga erstmals einen Erstligisten. Nun sind Wagner beim FC Augsburg und Steffen bei Werder Bremen schon wieder Geschichte. Und Kwasniok kämpft beim kriselnden 1. FC Köln um seinen Job.
1. FC Köln: Brisante Partien gegen HSV und Gladbach
Sport1-Reporter Manfred Sedlbauer verweist in der Sendung Bolzplatz in diesem Zusammenhang auf die Partien der Kölner beim Hamburger SV und im Derby gegen Borussia Mönchengladbach, die für Kwasniok zum persönlichen Endspiel werden könnten.
Wenn Kwasniok da nicht punktet, egal wie die Mannschaft auftritt, wird es für ihn zu Ende gehen.
Manfred Sedlbauer, 1.FC Köln-Reporter
Auf Rang 14, punktgleich mit dem Relegationsplatz, sind die Kölner mittlerweile abgerutscht. Dabei war der Start für Kwasniok und den Effzeh noch so vielversprechend. Lange hielt sich der Aufsteiger im gesicherten Mittelfeld. "Es war aber klar, dass sie dieses Tempo, dieses Niveau nicht über 34 Spieltage halten können", sagt Sedlbauer.
Borussia Dortmund hat eine Reaktion auf die Rückschläge der vergangenen Wochen gezeigt und beim 1. FC Köln mit 2:1 gewonnen. Die Kölner haderten mit dem Schiedsrichter.
09.03.2026 | 13:36 minKwasniok polarisiert die Fans
Gleichwohl sorgt der erneute Abstiegskampf am traditionell unruhigen Fußball-Standort Köln für hitzige und permanente Diskussionen.
Mit einem Transparent mit der Aufschrift "Kwasni yok" ("Yok" = türkisch: nein) machte ein Teil der Fanszene seine Position gegenüber dem Trainer im Januar beim Spiel in Heidenheim deutlich. Vor allem in den sozialen Medien ist die Anfangseuphorie in Kritik umgeschlagen.
"Kwasni Yok": Kölner Ultras äußern ihre Meinung über den Trainer beim Spiel in Heidenheim.
Quelle: imagoKöln-Trainer sucht den Vergleich zum Tennis
Kwasniok selbst versucht die Lage auf seine eigene Art einzuordnen: "Im Vergleich zum Tennis haben wir den ersten Satz dieser Saison vielleicht 7:5 gewonnen", sagte er nach dem unglücklichen 1:2 am Samstag gegen Borussia Dortmund. Den zweiten Satz haben wir 1:6 verloren. Und jetzt haben wir das erste Spiel des letzten Satzes verloren."
Trainer Lukas Kwasniok vom 1. FC Köln spricht mit Thomas Skulski über das 1:2 gegen Borussia Dortmund und die Lage seines Teams im Abstiegskampf.
07.03.2026 | 4:02 minMit einer Erklärung für die Krise tun sich derweil selbst Experten wie der frühere Kölner Torjäger Patrick Helmes schwer. Und statistisch schneiden die Kölner bei Ballbesitz, Laufdistanz und Abschlüssen sogar überdurchschnittlich ab.
Der Effzeh hat nie wirklich schlecht gespielt.
Patrick Helmes, Ex-Profi beim 1. FC Köln
Passt Kwasnioks Ansatz zum Kölner Kader?
Die Frage bleibt jedoch, ob Kwasnioks spielerischer Ansatz mit viel Ballbesitz im Abstiegskampf das richtige Mittel ist - und ob der Kader dafür optimal passt.
"Es sind Spielertypen, die Tempo mitbringen und fürs Umschaltspiel gemacht sind, mit einem Zielspieler wie Ragnar Ache", sagt Uwe Hünemeier, der als Spieler und Co-Trainer unter Kwasniok in Paderborn gearbeitet hat.
Der FC Augsburg baut seine Serie aus. Das Team von Trainer Manuel Baum besiegt in seinem 500. Bundesligaspiel den 1. FC Köln und ist nun seit acht Heimpartien ungeschlagen.
02.03.2026 | 8:55 minEl Mala und Kainz - Kritik an Personalentscheidungen
Zu dieser Kategorie gehört der 19-jährige Said El Mala. Dass Kwasniok den Shootingstar dosiert einsetzt, gehört zu den wesentlichen Kritikpunkten. Auch die Degradierung von Ex-Kapitän Florian Kainz stößt vielen Fans auf.
Viele sehen Lennart Karl, Saïd El Mala und Assan Ouédraogo schon bei der WM. Aber können sie die riesigen Erwartungen erfüllen und welche Gefahren bringt der Hype um Spieler in so jungen Jahren?
04.12.2025 | 16:18 min"Als Cheftrainer musst du konsequente Entscheidungen treffen", zeigt Helmes Verständnis und zitiert Bundestrainer Julian Nagelsmann: "Die Besten spielen." Man könne den heutigen Florian Kainz auch nicht mit dem von vor ein oder zwei Jahren vergleichen.
Kwasniok: Polarisierung statt Demut
Statt demütig die Bundesliga-Bühne zu betreten, wie es Horst Steffen in Bremen tat, polarisiert Kwasniok die Fans mit seiner extrovertierten Art - ähnlich wie Sandro Wagner in Augsburg. Auch die ein oder andere Pressekonferenz des Coaches sorgte schon für Stirnrunzeln.
Auch der vierfache Deutsche Meister Werder Bremen steckt in dieser Saison wieder tief im Abstiegskampf. Wie konnte es soweit kommen? Und ist die Krise an der Weser sogar hausgemacht?
26.02.2026 | 16:23 min"Er möchte natürlich lieber, dass die Kritik auf ihn bezogen wird als auf die Spieler. Aber wenn das nicht aufgeht, dürfte er der Hauptschuldige der Situation sein", sagt Sedlbauer.
Das ist schon ein Spiel mit dem Feuer.
Köln-Reporter Manfred Sedlbauer über Kwasnioks extrovertierte Art
Kann sich der Effzeh retten?
Unabhängig von der Trainerfrage glaubt Helmes, dass es in dieser Saison noch ganz eng wird. "Köln gibt dir als Spieler viel Power, kann dich aber auch einengen. Dieses sieben Meter breite Tor ist im Kölner Stadion irgendwann nur noch einen halben Meter breit." Sein Tipp:
Köln geht in die Relegation - und hält dort die Klasse.
Patrick Helmes, Ex-Profi beim 1. FC Köln
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