Olympia 2026: Straßer hat keine Angst vor einer Enttäuschung

Letzter olympischer Auftritt:Straßer hat keine Angst vor einer Enttäuschung

von Lars Becker

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Linus Straßer ist in seinem letzten olympischen Slalom die einzige Medaillenhoffnung für die DSV-Männer. Vor einem Scheitern hat er keine Angst.

Der deutsche Skirennläufer Linus Strasser geht nach seinem Lauf im Riesenslalom bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina von der Strecke

Fokusiert aber nicht ohne Plan B: Linus Strasser geht am Montag in seinen letzten olympischen Wettbewerb.

Quelle: Witters

Linus Straßer ist nach seinem ersten olympischen Auftritt in Bormio erstmal wieder nach Hause gefahren. Der 33-Jährige wollte die Pause zwischen seinem zehnten Platz im Team-Event mit Simon Jocher und dem Slalom am Montag lieber daheim mit der Familie verbringen.

Das sagt viel über den Charakter des Vaters von zwei kleinen Kindern aus, der im Alpin-Zirkus eine absolute Ausnahmeerscheinung ist. Es ist fast symbolisch, dass der Münchner in einer Stadt mit dem weltweit bekannten FC Bayern für den TSV 1860 fährt. Auch wenn Linus Straßer das Skifahren liebt, denkt der deutsche Alpin-Star weit über den Sport hinaus.

Linus Straßer

Slalomspezialist Linus Straßer spricht bei der Olympia-Einkeidung über seinen Materialwechsel, die Besonderheit der Spiele in Europa und den Wegfall des Team-Events.

06.02.2026 | 2:42 min

Da ist zum Beispiel sein umstrittener Materialwechsel ausgerechnet vor der olympischen Saison - nach vielen erfolgreichen Jahren im Weltcup von Rossignol auf Head. Die Resultate seitdem sind - positiv ausgedrückt - ziemlich durchwachsen. Aber Straßer war schlichtweg alles zu langweilig geworden, Wiederholung für Wiederholung.

Materialwechsel vor Olympia als persönlicher Neustart

"Ich habe eine neue Herausforderung gebraucht, weil es sich anfühlte, als hätte ich schon alles gesehen", erzählt der Skifahrer und begründet, warum er das alles macht:

Wenn ich da durchkomme, macht mich das stärker. Nicht nur fürs Skifahren, sondern wirklich im Leben. Mental und für die Persönlichkeitsentwicklung.

Linus Straßer

Dass der Mann mit den Wuschellocken auch mit den neuen Brettern erfolgreich sein kann, hat er ausgerechnet mit Platz drei beim wichtigsten Weltcup des ganzen Winters in Kitzbühel bewiesen. Hier hat er 2024 seinen größten Slalom-Sieg gefeiert.

Linus Straßer ist ein Mann für die großen Momente. 2022 in Peking gewann er Silber im olympischen Team-Event unter anderem mit Emma Aicher. 2025 in Saalbach WM-Bronze. Wobei ihm letzterer Erfolg mehr bedeutet, weil er die Stimmung in Österreich viel besser als bei Olympia fand.

Überhaupt steht Linus Straßer diesem Megaevent Winterspiele, bei dem es vor allem um Gewinn-Maximierung geht, sehr kritisch gegenüber. Er vermisst das Olympia-Feeling genau wie zuvor in Pyeongchang und Peking auch in Bormio, wo die alpinen Herren weitab vor allen anderen Sportarten ihre Olympiasieger ermitteln.

Den Slalom-Hang dort hat er als "Skiwiese" bezeichnet: "Das war der leichteste Slalomhang, den ich jemals auf diesem Niveau gefahren bin. Das kann jeder hier. Aber das werden wir annehmen."

Letzter Olympia-Auftritt im Slalom von Bormio

Der Mann für die großen Momente will trotzdem eine Medaille gewinnen. Ungeachtet seiner reflektierten Sichtweise bezeichnet er sich "Leistungssportler durch und durch". Klar ist aber auch: Es wird sein letzter olympischer Auftritt sein. Aber wenn es nicht klappt mit dem Podest, wird ihn die Enttäuschung nicht verschlingen.

Skifahren ist nicht mein Leben, es ist ein Teil meines Lebens. Ich freue mich auch irgendwann mal auf das, was nach meiner Karriere kommt und habe überhaupt keine Angst davor.

Linus Straßer

Linus Strasser am 25.02.26

Linus Straßer ist vor den Olympischen Spielen in Top-Form. Der Slalom-Spezialist landete in Kitzbühel auf dem dritten Platz. Nur Manuel Feller und Loic Meillard waren schneller.

25.01.2026 | 0:40 min

Vielleicht gibt Linus Straßer seine Einstellung irgendwann mal an die nächste deutsche Skifahrer-Generation weiter. Emma Aicher (22) ist zwar einer der neuen Stars der Szene, aber sie ist kein Produkt des deutschen Systems. Sondern aus ihrem Mutterland Schweden nach Deutschland gewechselt. Ansonsten ist kein Nachfolger für Straßer und Co. in Sicht.

DSV kämpft mit Nachwuchsproblemen im Slalom

"Wir sehen immer wieder das gleiche Muster. Wir bringen relativ gute Leute bis zu einem bestimmten Niveau im Nachwuchs, aber wir bringen sie nicht durch", hat DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier über die Situation gesagt. Warum das so ist, hat viele Gründe. Nicht immer altersgerechtes, breit gefächertes Training könnte einer sein.

Wegen vieler schwerer Verletzungen im Nachwuchsbereich hat der Deutsche Skiverband (DSV) ein professionelles Rehabilitations- und Präventionsteam zusammengestellt. Auch gezielte Ernährungsberatung für die Athleten und eigene Köche sind ein Thema. Und dann wäre da noch der Punkt Persönlichkeitsentwicklung: Das perfekte Vorbild dafür gibt es mit Linus Straßer im eigenen Team.

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Quelle: Reuters

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Über die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina berichtet das ZDF seit dem 04.02.2026 täglich bei "sportstudio live".

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