Olympia 2026: Dopingexperte zerlegt Passlers Erklärung

Nach Freispruch:Dopingexperte zerlegt Passlers Erklärung

von Johannes Fischer

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Der Fall Passler sorgt nach aufgehobener Dopingsperre für Diskussionen. Dass ein kontaminierter Löffel den positiven Test erklärt, glaubt Dopingexperte Fritz Sörgel nicht.

Die italienische Biathletin Rebecca Passler beim Weltcup in Oberhof am 8. Januar 2026.

Biathletin Rebecca Passler: Positiver Dopingtest durch verunreinigten Löffel?

Quelle: IMAGO / Christian Heilwagen

Der Fall der Biathletin Rebecca Passler hat sich zu einem der umstrittensten Dopingvorgänge dieses Winters entwickelt. Am 26. Januar war bei der italienischen Biathletin Letrozol ein Wirkstoff nachgewiesen worden, der in der Krebstherapie eingesetzt wird und im Sport als verbotene Substanz gilt.

Die vorläufige Suspendierung hob das Nationale Berufungsgericht von NADO Italia wieder auf. Begründung: Die Einnahme sei unbeabsichtigt erfolgt, eine unwissentliche Kontamination "offensichtlich" plausibel. Damit ist der Weg für einen Start bei den Olympischen Winterspielen 2026 frei.

Pharmakologe äußert erhebliche Zweifel

Die Geschichte, die zur Entlastung führte, klingt außergewöhnlich. Passlers Mutter leidet an Brustkrebs und wird mit Letrozol behandelt. Ein Löffel, den Mutter und Tochter gemeinsam benutzt hätten, soll mit dem Wirkstoff kontaminiert gewesen sein. Später habe Passler denselben Löffel verwendet, um Nutella aus einem Glas zu nehmen - und so Spuren des Medikaments aufgenommen.

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Für den renommierten Pharmakologen Fritz Sörgel wirft diese Version erhebliche Fragen auf.

Eine Filmtablette gibt nicht einfach so relevante Mengen eines Wirkstoffs an einen Löffel ab.

Fritz Sörgel, Pharmakologe

Der Überzug einer Tablette habe den Zweck, den Wirkstoff vor Beschädigungen und Umwelteinflüssen zu schützen und eine kontrollierte Freisetzung erst im Körper zu ermöglichen, erläutert Sörgel. Eine intakte Tablette hinterlasse keine pharmakologisch bedeutsamen Rückstände.

Immer wieder Letrozol

Der Pharmakologe verweist auf Parallelen zu früheren Fällen - beide aus dem Frauentennis. Bei der Italienerin Sara Errani war Letrozol mit einer kontaminierten Tortellini-Sauce erklärt worden. Bei der Polin Iga Świątek stand ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel im Raum. In beiden Fällen spielten ebenfalls krebskranke Mütter und Letrozol eine Rolle.

"Beim Nahrungsergänzungsmittel besteht zumindest eine theoretische Möglichkeit der Kreuzkontamination in der Produktion", erläutert Sörgel. Wenn zuvor Letrozol hergestellt wurde und anschließend ohne gründliche Reinigung ein anderes Produkt, könne es zu Spurenübertragungen kommen. "Das ist chemisch und physikalisch denkbar - wenn auch schwer nachzuweisen."

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Passlers Fall dagegen sei eine andere Kategorie. "Hier müsste man experimentell zeigen, dass von einer Filmtablette über einen haushaltsüblichen Kontakt mit einem Löffel genügend Substanz freigesetzt wird und im Löffel verbleibt, um einen positiven Dopingbefund zu erzeugen. Das Ergebnis eines solchen Experimentes kann man vorhersagen."

"Die Ausrede ist schnell formuliert"

Kontamination sei zwar nie völlig auszuschließen, betont der Experte. Doch wer sie geltend mache, müsse sie belegen. Das bedeute: Rekonstruktionen unter Laborbedingungen, Messungen der übertragbaren Wirkstoffmenge, toxikologische Berechnungen zur resultierenden Urinkonzentration.

Die Ausrede ist schnell formuliert. Der wissenschaftliche Beweis ist deutlich aufwändiger.

Fritz Sörgel, Pharmakologe

Hinzu kommen laut Sörgel Fragen der Dokumentation. Wann wurde die Diagnose der Mutter gestellt? Seit wann wird Letrozol verschrieben? Gibt es nachvollziehbare Rezepte, Befunde, bildgebende Diagnostik? Nur durch Einsicht aller medizinischen Unterlagen lasse sich ausschließen, dass im Nachhinein Erklärungen konstruiert wurden.

CAS fühlt sich nicht zuständig

Auch institutionell sorgt der Vorgang für Diskussionen. Der Court of Arbitration for Sport (CAS) hatte sich zunächst für nicht zuständig erklärt, weil der nationale Rechtsweg auszuschöpfen sei. Nun hat die nationale Instanz die Suspendierung aufgehoben - rechtlich zulässig, aber sportpolitisch brisant.

Drei prominente Letrozol-Fälle, drei krebskranke Mütter, drei außergewöhnliche Erklärungen. Zufall? Möglich. Doch für Sörgel bleibt der Eindruck, dass hier die Latte für "plausible Kontamination" gefährlich niedrig hängt. Wenn ein gemeinsam benutzter Löffel ausreiche, um einen positiven Dopingtest zu erklären, stelle sich die Frage, wie belastbar das Anti-Doping-System sei. Im Kampf um Glaubwürdigkeit bleibt damit vor allem eines: ein schaler Beigeschmack - selbst ohne Nutella.

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