Unverständnis über Jury im DSV-Lager:Skispringer nach Abbruch frustriert: "Ende gut, nichts gut"
von Lars Becker
Das olympische Skisprung-Finale endet mit einem Abbruch - bitter für die deutschen Springer, die eine Medaille denkbar knapp verpassen. Auch durch fragwürdige Jury-Entscheidungen.
Skispringer Philipp Raimund und Andreas Wellinger verpassen nach dem vorzeitigen Abbruch im Super Team eine Medaille denkbar knapp. Im Schneetreiben von Predazzo fehlen 0,3 Punkte zu Bronze.
16.02.2026 | 10:35 minAuf der offiziellen Anzeigetafel im Skisprung-Stadion von Predazzo stand Deutschland auf Position 1, als der olympische Super-Team-Wettbewerb abgebrochen wurde. Und trotzdem schauten Olympiasieger Philipp Raimund und Andreas Wellinger bei der Siegerehrung nur zu.
Winzige 0,3 Punkte oder umgerechnet 16,67 Zentimeter fehlten am Ende zu Bronze bei den Olympischen Winterspielen. Aus der Musikbox dröhnten die Worte "Don’t believe, it’s fair" (zu deutsch: Glaube nicht, dass das fair ist) und genauso fühlten sich die deutschen Flieger auch.
Sportchef Hüttel "richtig sauer" über FIS-Entscheidung
"Ich bin richtig sauer, weil es keiner von uns versteht. Alle wussten, dass der Schneefall nach 15 Minuten wieder aufhört. Diese Wetter-App muss doch auch die FIS haben", polterte Sportchef Horst Hüttel in Richtung der Jury des Internationalen Skiverbandes FIS.
Wir sind wütend, dass man allen Beteiligten nicht die Chance gegeben hat, den Wettkampf zu Ende zu bringen.
Sportchef Horst Hüttel nach dem Abbruch im Super-Team
Sechs Springer vor Schluss hatte es im finalen dritten Durchgang der olympischen Premiere des Super-Team-Wettkampfs plötzlich zu schneien begonnen. Es herrschte völlige Konfusion vor dem Sprung von Doppel-Olympiasieger Domen Prevc für Slowenien.
"Die haben oben auf dem Anlaufturm fünf, sechs, sieben Mal die Info gegeben, dass der Start-Balken für die Springer umgesteckt werden muss. Da herrschte komplette Verwirrung", schilderte Philipp Raimund.
Monstersprung von Raimund zählt am Ende nicht
Es verging wertvolle Zeit, der Schneefall wurde immer stärker und Prevc stürzte ab. Es folgte wieder eine Pause und der Einsatz von Bläsern, die die Anlaufspur freizuhalten versuchten. Dann legte Raimund einen Monstersprung hin, der Deutschland in Führung brachte.
Philipp Raimund hat die zweite Olympia-Medaille deutlich verpasst. Auf der Großschanze sprang der Olympiasieger von der Normalschanze auf den neunten Platz. Gold gewann Favorit Domen Prevc.
14.02.2026 | 3:13 minNach einer weiteren Pause folgte Kacper Tomasiak für Polen und stürzte mit einer drei Kilometer pro Stunde langsameren Anfahrts-Geschwindigkeit wegen des Schnees in der Spur ab. Drei Teams standen noch oben und Deutschland lag an Position 1, als sich die Jury zum endgültigen Abbruch entschloss.
Ergebnis nach Durchgang zwei zählt
Es zählte deshalb das Ergebnis nach Durchgang zwei - mit Österreich als Olympiasieger vor Polen und Norwegen 0,3 Punkte vor Deutschland auf Platz vier. "Leider hat das die Jury nicht in den Griff gekriegt", schimpfte Bundestrainer Stefan Horngacher in Richtung Jury.
Die waren perplex und überhaupt nicht vorbereitet. Das hat uns die Chance auf die Medaille gekostet.
Bundestrainer Stefan Horngacher über die Jury
FIS-Skisprungchef Sandro Pertile konnte die Kritik nicht nachvollziehen: "Ich cancle lieber einen Durchgang, als das unfaire Bedingungen herrschen. Und es war nicht mehr möglich, allen eine faire Anlaufgeschwindigkeit zu gewährleisten."
Es bleiben viele Fragen offen
Auch wenn die beiden deutschen Skispringer das Wort Betrug nicht in den Mund nehmen wollten, blieben viele Fragen offen. "Sie hätten doch auch 15 Minuten Pause machen können. Ich weiß nicht, was das Problem ist", schimpfte Philipp Raimund. Als er diese Worte sprach und die Siegerehrung noch nicht einmal gestartet war, hatte der Schneefall nämlich komplett aufgehört.
Doch bei milliardenschweren Megaevent wie den Olympischen Spielen gibt es einen starren Zeitplan, der vor allem von der bestmöglichen Vermarktbarkeit diktiert wird. Lange Pausen sind mit Blick auf die TV-Übertragungen darin nicht vorgesehen.
Bundestrainer Horngacher: "Ende gut, nichts gut"
Vor allem der an diesem Montagabend megastarke Philipp Raimund war darüber frustriert. Nachdem er schon im Mixed-Wettbewerb als Vierter mit Deutschland die Medaille nur um 60 Zentimeter verpasst hatte, fehlte diesmal noch weniger.
Für Philipp Raimund reicht es einen Tag nach Einzel-Gold mit dem Mixed-Team nur zu Rang vier. Nicht zu schlagen ist Slowenien. Norwegen landet auf Platz Zwei, Japan holt Bronze.
10.02.2026 | 9:57 minDeshalb konnte Philipp Raimund in diesem Moment nicht einmal sein eine Woche zuvor herausgesprungener glanzvoller Normalschanzen-Olympiasieg trösten: "Ich bin extrem unglücklich." Oder wie es Stefan Horngacher formulierte: "Ende gut, nichts gut."
Olympische Spiele:Olympia 2026
Sie wollen über Sport stets auf dem Laufenden bleiben? Dann ist unser sportstudio-WhatsApp-Channel genau das Richtige für Sie. Egal ob morgens zum Kaffee, mittags zum Lunch oder zum Feierabend - erhalten Sie die wichtigsten News direkt auf Ihr Smartphone. Melden Sie sich hier ganz einfach für unseren WhatsApp-Channel an: sportstudio-WhatsApp-Channel.