Boykottdebatte entbrannt:Deutscher Fußball ringt um Haltung zur WM
Angesichts der politischen Entwicklung der USA ist eine Boykottdebatte im deutschen Fußball entbrannt. DFB und DFL ringen um eine Haltung.
DFB-Vizepräsident Oke Göttlich will weiter über einen Boykott der Fußball-WM diskutieren. Beim Neujahrsempfang der DFL reagierte DFB-Präsident Neuendorf auf den Vorstoß.
26.01.2026 | 0:30 minReisewarnung, Boykottdebatte, Politikverweis - angesichts der großen Fragezeichen hinter Co-Gastgeber USA ringt der deutsche Fußball viereinhalb Monate vor Beginn der WM-Endrunde (11. Juni bis 19. Juli) um die richtige Haltung. Die vielschichtige Thematik bestimmte den Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Montag in Frankfurt am Main.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf gab zwar zu Protokoll, dass die Boykottdebatte aus Sicht des Deutschen Fußball-Bundes "zum jetzigen Zeitpunkt völlig verfehlt" sei und zur "Unzeit" komme, dennoch werde sich das Präsidium am Freitag damit beschäftigen.
Politik von Trump für DFB "schwer zu bewerten"
Die Politik von US-Präsident Donald Trump sei für den DFB "sehr schwer zu bewerten, das überlassen wir der Politik", sagte Neuendorf. Ob er Anhängern eine Reise zur WM empfehlen könne, ließ der Verbandsboss offen: "Das muss jeder Fan erstmal für sich entscheiden - mit Unterstützung der Bundesregierung. Das muss die Politik bewerten und Empfehlungen abgeben an die Menschen, die in die USA reisen wollen."
Die WM 2026 wird groß, laut und politischer als je zuvor. Während FIFA-Boss Infantino in den höchsten Tönen schwärmt, gibt es gleichzeitig jede Menge Kritik. Was kommt da auf uns zu?
11.12.2025 | 18:09 minDie deutsche Bundesregierung riet Reisenden mit Stand vom Montag zu erhöhter Vorsicht. Die Spitzen der DFL und von Rekordmeister Bayern München sprachen sich dennoch gegen einen Boykott aus. Ligapräsident Hans-Joachim Watzke gab an, dass die Zeit für eine solche Debatte "momentan nicht reif" und sie deshalb "völlig fehl am Platz" sei.
Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen sprach hinsichtlich der jüngsten Einlassung von Oke Göttlich, Boss des Bundesligisten FC St. Pauli sowie Vizepräsident beim DFB und bei der DFL, von einer "einzelnen" Stimme. "Es hat noch nie eine WM gegeben, die boykottiert worden wäre", sagte Dreesen:
Ich wüsste nicht, warum wir nicht an dieser WM teilnehmen sollten.
Jan-Christian Dreesen, Bayern-Vorstandschef
Oke Göttlich brachte Boykott ins Spiel
Göttlich hatte im Vorfeld des Empfangs Antworten von den Verantwortlichen hinsichtlich eines möglichen Boykotts gefordert - unter anderem von DFB-Präsident Neuendorf. Der "Hamburger Morgenpost" hatte er mit Blick auf ein Fernbleiben der Nationalmannschaft gesagt:
Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen.
Oke Göttlich, DFB- und DFL-Vizepräsident
Die beiden Ex-Präsidenten Obama und Clinton haben zu friedlichen Protesten in den USA aufgerufen. Einsatzkräfte der US-Einwanderungsbehörde ICE hatten erneut eine Person erschossen.
26.01.2026 | 0:27 minDie aggressive Politik Trumps im Hinblick auf Grönland, die neuerlichen Zolldrohungen in Richtung des Co-Gastgebers Kanada und die Eskalation bei den Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis mit einem zweiten Todesopfer innerhalb von zweieinhalb Wochen lassen viele Menschen ängstlich in Richtung der Vereinigten Staaten blicken. Aus den Reihen der Politik gab es erste Stimmen, die einen Boykott ins Spiel brachten.
Göttlich: "Würde raten, nicht zu fahren"
In Frankfurt legte Göttlich nach. "Ich persönlich würde raten, nicht zu fahren aufgrund der jetzigen Situation, wie sie sich jetzt in dem Land darstellt", sagte er der ARD-"Sportschau": "Und es sind auch nicht der FC St. Pauli und Oke Göttlich, die hier Politik betreiben. Die Politik wird betrieben durch Gianni Infantino und Donald Trump, die eine Propagandashow mit dem Friedenspreis schon abgezogen haben."
Die WM 2018 in Russland, die nicht boykottiert wurde, habe gezeigt, "wohin es führt, wenn man zu viel große Bühne bei großen Sportveranstaltungen gibt", sagte Göttlich. Auf die Frage, wie sein Vorstoß in den Präsidien von DFB und DFL aufgenommen worden sei, sagte Göttlich: "Kritisch."
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