"Bolzplatz":Der neue HSV-Plan: Sicherheit statt Spektakel
Neue Taktik, neuer Kader: HSV-Trainer Merlin Polzin versucht, den ganzen Verein auf dem neuen Weg mitzunehmen. Der Klub wird aktuell trotzdem als potenzieller Absteiger gehandelt.
Aktuell kollidieren die Wünsche des Umfelds mit den Plänen der sportlichen Leitung in Bezug auf den HSV. Chefcoach Merlin Polzin und HSV-Kenner besprechen die neue Philosophie im neuen Bolzplatz.
28.08.2025 | 14:53 minDer Auftakt war besser, als es von vielen Fans nach der holprigen Vorbereitung befürchtet wurde: 0:0 spielte der Hamburger SV zum Saisonauftakt bei Borussia Mönchengladbach. Vom Ergebnis her war das in Ordnung - eine andere Frage ist, ob sich die Fans damit zufriedengeben, wenn das HSV-Spiel weiterhin darauf ausgerichtet bleibt, dass erstmal die Null steht.
Bundesliga erfordert neuen Ansatz für den HSV
Trainer Merlin Polzin ist da optimistisch. "Wenn ich sehe, dass drei Spieler von mir mit einer Grätsche versuchen, einen Schuss zu blocken, dann ist es weniger entscheidend, was der Trainer oder was die Grundformation aussagt", sagt er in der Sendung "Bolzplatz". "Sondern es geht um gewisse Tugenden, die für die HSV-Fans wichtig sind. Und die werden wir zu jeder Sekunde versuchen, aufs Spielfeld zu bringen."
Dennoch müsse sich der HSV der Frage stellen, "wie man sich als Verein in der ersten Liga und im Erstliga-Umfeld vor allem definiert", sagt die Sportjournalistin Mia Guethe vom Magazin "11 Freunde" im "Bolzplatz". Ihr Kollege Henrik Jacobs vom "Hamburger Abendblatt" ergänzt:
Die neue Bundesliga-DNA ist halt eben nicht mehr Ballbesitz und Dominanz, sondern eigentlich das Gegenteil.
Henrik Jacobs, Sportjournalist
"Wenig Spielanteile und Kompaktheit, eine defensive Ausrichtung. Ähnlich wie das bei St. Pauli vor einem Jahr gemacht hat nach dem Aufstieg."
Krasser personeller Umbruch: Führungsspieler weg
Beim HSV würden sicher alle bestreiten, sich den neuen Weg beim Kiez-Klub abgeguckt zu haben. Sicher ist, dass die Sportliche Leitung ihn ganz bewusst gewählt hat. "Mir ist auch bewusst, dass nach all den Jahren Offensivspektakel in der Zweiten Liga, dass das etwas ist, was vielleicht bei dem einen oder anderen gefestigt wurde", sagt Polzin im "Bolzplatz".
Auf der anderen Seite ist meine Aufgabe, gute Entscheidungen zu treffen, die den Erfolg des Vereins wahrscheinlicher machen.
HSV-Trainer Merlin Polzin
Damit dies gelingt, musste der Kader dem neuen System angepasst werden. Gegen Borussia Mönchengladbach spielte der HSV mit acht personellen Veränderungen im Vergleich zum letzten Zweitliga-Spiel, darunter fünf Neuzugängen. Nur Torwart Daniel Heuer-Fernandez sowie Miro Muheim und Daniel Elfaldi gehörten noch dazu. Den personellen Umbruch symbolisieren am besten die Abschiede der Führungsspieler Davie Selke, Ludovit Reis und Sebastian Schonlau.
Mehr Sprinter im neuen HSV-System gefragt
"Man hat sich sämtliche Statistiken im Vergleich zu anderen Bundesligisten angeschaut und festgestellt, dass der HSV im Bereich der sprintintensiven Läufe, im Vergleich zu den anderen Bundesligisten, abgeschlagen ist", sagt Jacobs. "Deswegen war da jetzt die ganz klare Ausrichtung in der Transferperiode, die entsprechenden Spieler zu finden."
Nach siebenjähriger Abstinenz hat sich der Hamburger SV in der Bundesliga zurückgemeldet. Beim alten Rivalen Borussia Mönchengladbach erarbeitete sich der HSV einen Punkt.
24.08.2025 | 6:11 minFür die nötige Intensität und Stabilität in der Defensive sollen künftig unter anderem die Abwehrspieler Giorgi Gocholeishvili, Jordan Torunarigha und Warmed Omari sowie die Mittelfeldspieler Nicolás Capaldo und Nicolai Remberg sorgen. Wichtigster Neuzugang ist allerdings der Erstliga-Erfahrene Yussuf Poulsen, der im Angriff für die nötige Durchschlagskraft sorgen soll und gleich zum Kapitän ernannt wurde.
Stadt-Derby gegen St. Pauli bringt erste Bewährungsprobe
Damit sich die neue Mannschaft schnell findet, hat Polzin wie in der vergangenen Saison eine Leadership-Gruppe aus zehn Spielern installiert, die im regelmäßigen Austausch über alle wichtigen Themen sprechen soll. Und noch etwas soll in der neuen Saison weiterbestehen, wenn es nach Polzin geht: "Ein Verein, der komplett geschlossen in eine Richtung geht, wo es kein links oder rechts gibt, sondern wo es nur einen gemeinsamen Weg gibt."
Der muss sich schon am Freitag im wichtigsten Spiel des Jahres beweisen, im Derby gegen den HSV. "Wenn das gelingt, dann steigt die Akzeptanz im Umfeld für den neuen Weg", sagt Bolzplatz-Moderator Conan Furlong.
Scheitert der HSV aber gegen Sankt Pauli, dann wird es schwerer, die Leute zu überzeugen von den neuen Ideen.
Conan Furlong, "Bolzplatz"-Moderator
Doku-Serie:Always Hamburg
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