Nach Eklat bei Köln-Heimspiel:"Widerlich": Was dürfen Stadionsprecher - und was nicht?
Die umstrittenen Äußerungen von 1. FC Köln-Sprecher Michael Trippel beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund hallen nach. Was Stadionsprecher dürfen - und was nicht.
Effzeh-Stadionsprecher Michael Trippel steht in der Kritik.
Quelle: dpaMichael Trippel dürfte erleichtert sein, dass der 1. FC Köln am Samstag auswärts spielt. Eine Woche nach seinen umstrittenen Äußerungen entgeht der Stadionsprecher damit dem direkten Rampenlicht. Stattdessen rücken seine Kollegen in den Fokus. Fans sowie der DFB werden in den Fußball-Stadien genau hinhören, was etwa Arnd Zeigler in Bremen oder Norbert Dickel in Dortmund zu sagen haben.
Wieso stehen Stadionsprecher plötzlich im Fokus?
Beim FC-Heimspiel gegen Borussia Dortmund sorgte Trippel für einen Eklat, als er folgende Worte ins Mikrofon sprach:
Pfui. Widerlich.
Stadionsprecher Trippel nach einem Platzverweis gegen einen Köln-Spieler
Der 71-Jährige hatte wegen eines Platzverweises gegen Jahmai Simpson-Pusey und später wegen eines nicht geahndeten Handspiels im BVB-Strafraum die Stimmung im Stadion angeheizt.
Borussia Dortmund hat eine Reaktion auf die Rückschläge der vergangenen Wochen gezeigt und beim 1. FC Köln mit 2:1 gewonnen. Die Kölner haderten mit dem Schiedsrichter.
09.03.2026 | 13:36 minTrippel entschuldigte sich für seinen emotionalen Ausbruch, der ihm einen Rüffel von der Clubspitze einbrachte. Der DFB leitete ein Ermittlungsverfahren ein - allerdings nicht gegen den Stadionsprecher, sondern gegen den für sein Personal verantwortlichen Verein.
Was sagt das Regelwerk?
Grundlage für die Arbeit ist das DFB-Handbuch für Stadionsprecher und Platzansager. Durchsagen müssen demnach neutral sein. Während des Spiels informieren die Sprecher etwa über Tore, Auswechslungen oder Abreisemöglichkeiten. Auch Sicherheitsdurchsagen, die in kritischen Situationen zur Deeskalation beitragen sollen, gehören zum Jobprofil. Als Qualifikation wird unter anderem "diplomatisches Geschick" aufgeführt.
Die Verbreitung politischer Botschaften ist ebenso untersagt wie die Unterstützung der Heimmannschaft. "Die Herausforderung für den Sprecher liegt darin, die richtige Balance zwischen Unterhaltung und Information zu finden. Veranstaltungsrelevante Durchsagen sind dabei die Pflicht, unterhaltende Inhalte die Kür", heißt es.
Wie sieht die Realität in den Stadien aus?
Die Vorgabe, die Lautsprecher nicht zur Unterstützung der Heimmannschaft zu nutzen, wird quasi durchgehend missachtet. Legt man die Regel streng aus, sind der gängige Torschrei, das dreimalige Ausrufen des Torschützen oder die Aufforderung an die eigenen Fans, ihr Team anzufeuern, verboten.
Bei der Frauenfußball-EM arbeiten erstmals nur Frauen als Stadionsprecherinnen. Wie es dazu kam – und warum der Schweizer Fußballverband dafür extra eine Kurz-Ausbildung anbot.
25.07.2025"Das ist kein realistischer Teil des Handbuchs. Dass da eine gewisse Ungleichbehandlung zwischen Heim- und Auswärtsmannschaft hörbar ist, hat sich eingebürgert", sagte Bremens Stadionsprecher Zeigler der dpa. Umso wichtiger sei eine verantwortungsvolle Selbstregulierung durch den Stadionsprecher.
Im Februar hatte auch Herthas Stadionsprecher im DFB-Pokal die Kritik einiger Fans auf sich gezogen. Im Elfmeterschießen hatte er Berlins Keeper Tjark Ernst noch angeheizt, als die Freiburger Schützen zum Anlauf bereitstanden.
Welche Verfehlungen gab es in der Vergangenheit?
Im DFB-Pokalspiel 2022 gedachte Waldhof Mannheims damaliger Stadionsprecher beim Vorlesen der Aufstellung zwei gestorbener Personen, eine davon soll stark in der rechtsextremen NPD engagiert gewesen sein, die inzwischen in "Die Heimat" umbenannt wurde. Als Folge war der Stadionsprecher zurückgetreten. Von rechtsradikalem Gedankengut hatten sich der Verein und sein Stadionsprecher explizit distanziert.
Julica Goldschmidt ist seit zwei Jahren Stadionsprecherin beim SC Freiburg. Damit ist sie eine von zwei Frauen, die diesen Job in der Bundesliga machen.
07.10.2025 | 3:23 minIm selben Jahr trennte sich Werder Bremen von einem seiner Stadionsprecher, nachdem sich dieser gegenüber dem Mitglied der Geschäftsführung des FC Augsburgs im Ton vergriffen haben soll.
Auch im Ausland gerieten Stadionsprecher schon in den Fokus - etwa im Vorjahr beim Conference-League-Spiel zwischen Craiova und Basaksehir. Der Unparteiische zeigte dem rumänischen Stadionsprecher, der gerade am Seitenrand eine Ansage machte, die Rote Karte - Medienberichten zufolge, weil er zuvor den Ball weggekickt hatte.
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