Außenbeauftragte der EU:Israel droht Kallas mit Kontaktabbruch
Israel erklärt, den Kontakt zur EU-Außenbeauftragten abbrechen zu wollen. Grund ist ein mutmaßlicher Apartheids-Vergleich von Kaja Kallas. Danach kommt es zum Schlagabtausch auf X.
Israel bricht alle Kontakte zu EU-Außenbeauftragter Kaja Kallas ab. Grund: Sie soll Israel mit dem Apartheid-Regime in Südafrika verglichen haben. Kallas hat die Aussage bisher nicht kommentiert.
18.06.2026 | 0:34 minIsrael will den Kontakt zur EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas abbrechen, weil die europäische Chefdiplomatin das Land mit dem früheren rassistischen Apartheid-Regime in Südafrika verglichen haben soll. "Es wurde unlängst veröffentlicht, dass sie bei ihrem Besuch in Mexiko Israel mit dem rassistischen Regime verglichen hat, das in Südafrika existierte", schrieb Israels Außenminister Gideon Saar an diesem Donnerstag im Onlinedienst X.
Er beschuldigte die Estin Kallas, "zwanghaft und mit offensichtlicher Unfairness" gegenüber Israel zu handeln. Das Nachrichtenportal "Euractiv" hatte vor wenigen Tagen berichtet, Kallas habe die umstrittene Aussage während eines Treffens hinter verschlossenen Türen mit mexikanischen Regierungsvertretern im vergangenen Monat gemacht.
Kritik des israelischen Außenministers an Kallas
Bislang habe Kallas die ihr unterstellte Aussage weder bestritten, klargestellt noch darauf reagiert, schrieb Saar. Er habe deshalb "als Außenminister des Staates Israel keine Wahl, als alle Kontakte zu Frau Kallas abzubrechen, bis sie die blutige Verleumdung zurückzieht, die sie gegen den einzigen jüdischen Staat der Welt gerichtet hat, der zudem die einzige Demokratie im Nahen Osten ist".
Im Gazastreifen herrscht seit Oktober offiziell eine Waffenruhe, doch die Lage der Palästinenser bleibt katastrophal. Sanitäranlagen sind zerstört, humanitäre Hilfe lässt Israel nur bedingt zu.
16.06.2026 | 1:46 minKallas äußerte sich auch am Donnerstag nicht direkt zu den Vorwürfen. Bei X erklärte sie aber in Richtung Saar: "Lieber Gideon, wie du weißt, verbindet die EU und Israel vieles. Ich schätze unseren Dialog und unseren Austausch sehr und bin bereit, diesen im gleichen Geist - respektvoll und konstruktiv - fortzusetzen."
Dialog ist die Basis der Diplomatie, vor allem wenn Schwierigkeiten aufkommen.
Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte
... bezeichnete ursprünglich das staatlich institutionalisierte System der Rassentrennung in Südafrika (1948 bis 1994), das die Vorherrschaft der weißen Minderheit sicherte. Im Völkerrecht gilt Apartheid als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und beschreibt die systematische Unterdrückung und Dominanz einer ethnischen Gruppe über eine andere. Heute wird der Begriff auch außerhalb des südafrikanischen Kontextes verwendet und ist Gegenstand anhaltender politischer und rechtlicher Kontroversen.
Quelle: dpa
Saar reagierte darauf - ebenfalls auf X - indem er kritisierte, dass Kallas die Vorwürfe gegen sie weder leugnen noch verurteilen würde. "Das spricht für sich", schrieb Saar und appellierte an Kallas: "Wenn Sie diese abscheulichen und diffamierenden Äußerungen tatsächlich getätigt haben, stehen Sie dazu. Wenn Sie sie nicht getätigt haben, dementieren Sie sie."
Bis diese Angelegenheit geklärt ist, bleibt meine Entscheidung unverändert.
Gideon Saar, israelischer Außenminister
Die Gewalt israelischer Siedler im Westjordanland nimmt zu. ZDF-Reporter Timm Kröger spricht mit Betroffenen über ihren Alltag, geprägt von Angst, Drohungen und Angriffen.
06.05.2026 | 2:59 minBeziehungen zwischen EU und Israel angespannt
Die Beziehungen zwischen der EU und Israel sind seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 sowie wegen der Gewalt jüdischer Siedler gegen Palästinenser im besetzten Westjordanland angespannt. Kallas hatte diese Woche gesagt, die EU prüfe Möglichkeiten, den Handel mit israelischen Siedlungen einzuschränken. Mehrere EU-Staaten haben sich für Sanktionen gegen den rechtsextremen israelischen Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir ausgesprochen, für die es dann aber keine Einigung gab.
Im seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland leben neben rund drei Millionen Palästinensern auch mehr als 500.000 Israelis in Siedlungen und Außenposten, die nach internationalem Recht illegal sind.
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