Amnesty International: Israel begeht "ethnische Säuberungen"

Bericht von Menschenrechtsorganisation:Amnesty International: Israel begeht "ethnische Säuberungen"

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Amnesty International wirft Israel vor, das Ausmaß "ethnischer Säuberungen" im besetzten Westjordanland ausgeweitet zu haben. Beduinen-Dörfer stünden im Fokus radikaler Siedler.

Mitglieder der Beduinengemeinschaft von Chan al-Ahmar, gelegen zwischen der Stadt Jericho im Westjordanland und Jerusalem nahe der israelischen Siedlung Ma'ale Adumim

Palästinensische Kinder in der Beduinensiedlung Khan al-Ahmar im besetzten Westjordanland. Israels Finanzminister Bezalel Smotrich hatte den Abriss der Siedlung gefordert. (Archivbild)

Quelle: epa

Zwangsvertreibung, Landraub und Gewalt: Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Israel "ethnische Säuberungen" gegen palästinensische Beduinen- und Hirtengemeinschaften im besetzten Westjordanland vorgeworfen.

Mit einer "brutalen, staatlichen Kampagne ethnischer Säuberung" gegen dort lebende Beduinen- und Hirtengemeinschaften wolle die israelische Regierung "ihre Pläne zur formellen Annexion des Westjordanlands" beschleunigen, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Dabei handele es sich um eine "schwerwiegende Verletzung des Völkerrechts".

Palästinenser in Westjordanland zeigen dem ZDF Reporter ein Video auf dem Handy

Die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland ist seit dem Terrorangriff der Hamas gestiegen. Was bedeutet das für das Leben der Menschen vor Ort?

06.05.2026 | 4:44 min

Amnesty: Tausende Palästinenser in vergangenen Jahren vertrieben

Der Bericht mit dem Titel "Alles Palästinensische auslöschen" konzentriert sich auf ländliche Gemeinschaften im Westjordanland, die besonders unter Gewalttaten israelischer Siedler und Zwangsvertreibung zu leiden hätten.

Amnesty zufolge wurden im Zeitraum von Dezember 2022 bis Dezember 2025 27 Beduinen- und Hirtengemeinschaften mit jeweils Hunderten Menschen vertrieben oder waren Gewalt ausgesetzt. Die meisten der betroffenen Gemeinschaften lebten demnach in der sogenannten Zone C, die mehr als 60 Prozent des Westjordanlands ausmacht und unter vollständiger israelischer Kontrolle steht.

Es gab einen exponentiellen Anstieg staatlich unterstützter Siedlergewalt, die Tausende Palästinenser terrorisiert und vertrieben hat, um Land zu annektieren.

Amnesty International

15.03.2026, Palästinensische Gebiete, Tammun: Angehörige nehmen Abschied von Ali Khaled Bani Odeh, 37, seiner Frau Waad Othman Bani Odeh, 35, und ihren beiden Kindern, dem fünfjährigen Mohammad und dem siebenjährigen Othman, die von israelischen Sicherheitskräften während einer Armeeoperation in Tammun, Westjordanland, getötet wurden.

Israelische Soldaten haben im besetzten Westjordanland das Feuer auf ein Fahrzeug eröffnet und dabei vier Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet.

15.03.2026 | 0:24 min

Israelischer Staat lenke die Kampagnen

Der Amnesty-Bericht konstatiert, dass die Kampagne nicht von einzelnen radikalen Siedlern ausgehe, sondern staatlich geführt sei. Die Amnesty vorliegenden Informationen zeigten, "dass die Aktion der ethnischen Säuberung im C-Gebiet durch den israelischen Staat abgesegnet ist und von ihm gelenkt und durchgeführt wird".

Das Vorgehen ziele darauf ab, "die Annexionspläne der israelischen Regierung und die Siedlungsexpansion zu beschleunigen", heißt es weiter in dem Bericht. Es lägen Beweise dafür vor, "dass diese zwischen Januar 2023 und Dezember 2025 begangenen Verstöße dem Kriegsverbrechen der rechtswidrigen Vertreibung und Umsiedlung sowie dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Vertreibung oder zwangsweisen Überführung der Bevölkerung gleichkommen".

Israel, Gazastreifen und Nachbarländer

ZDFheute Infografik

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Die Menschenrechtsorganisation wirft der rechtsgerichteten Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, sich der religiös-nationalistischen Agenda der Siedlerbewegung angepasst zu haben. Die Ziele der Siedlerbewegung seien in die staatliche Politik integriert worden, indem diese Politik den Landraub beschleunige, den rechtswidrigen Ausbau von Siedlungen vorantreibe und die finanzielle und logistische Unterstützung für illegale Siedlungen und Außenposten verstärke.

Ein palästinensisches Flüchtlingskind trägt im Flüchtlingslager Bureij im zentralen Gazastreifen einen Topf mit Essen, das von einer Suppenküche ausgegeben wurde, vorbei an Gebäuden, die vom israelischen Militär zerstört wurden.

Trotz der Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas verschlechtert sich die Lage in Gaza weiter. Medizinische Produkte werden knapp. Israel erschwert den Zugang.

18.05.2026 | 2:43 min

Höchststand bei neu genehmigten Siedlungsbauten

Die israelische Regierung leiste "finanzielle und politische Unterstützung für ethnische Säuberungen" und setze damit "ihre Agenda der Annexion und Siedlungsausweitung um". Allein in den Jahren 2023 bis 2025 habe die Netanjahu-Regierung Pläne für den Bau von 50.785 Wohneinheiten in Siedlungen bewilligt, wobei im Jahr 2025 ein Allzeit-Höchststand registriert worden sei.

Die Organisation prangert staatliche Maßnahmen zur Vertreibung und Enteignung von Palästinensern an, etwa Zugangsbeschränkungen und Hausabrisse. Dokumentiert werden aber auch Überfälle durch jüdische Siedler mit Sachbeschädigung, tätlicher Gewalt und Morddrohungen. In 14 Fällen hätten israelische Soldaten solchen Übergriffen untätig zugesehen oder sich sogar daran beteiligt.

Diese Angriffe von Siedlern sind das direkte Ergebnis einer staatlichen Politik, die die Vision der Siedlerbewegung von einem 'Groß-Israel' integriert und ermöglicht hat - eine Ideologie, die das Gebiet vom Mittelmeer bis zum Jordan (...) als integralen Bestandteil Israels betrachtet.

Amnesty International

Thomas Reichart | ZDF-Korrespondent in Tel Aviv

Netanjahu habe bislang im Iran keines der versprochenen Ziele erreicht, so Thomas Reichart, ZDF-Korrespondent aus Tel Aviv. Wegen der anstehenden Wahlen wolle Netanjahu den Krieg fortführen.

09.06.2026 | 3:20 min

Unter der aktuellen Regierung stieg das Budget des für die Siedlungen zuständigen Ministeriums laut Amnesty um 122 Prozent. In dem Bericht verweist Amnesty auf die rechtlichen Verpflichtungen Israels als Besatzungsmacht im Westjordanland, die missachtet würden. Beduinen- und Hirtengemeinschaften lebten dort meist isoliert und ohne soziale Absicherung. Damit seien sie besonders verwundbar gegenüber den Gefahren einer Vertreibung.

ZDF-Korrespondent: Viele Organisationen äußern ähnliche Vorwürfe

"Der Amnesty-Bericht reiht sich ein in weitere Befunde von Seiten des Internationalen Gerichtshofs, UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen, die Israel eine systematische Verletzung des humanitären Völkerrechts im Westjordanland attestieren", ordnet Thomas Reichart, ZDF-Korrespondent in Tel Aviv, die Vorwürfe ein.

Israels Regierung selbst lässt keinen Zweifel daran, dass der drastische Ausbau der Siedlungsbauten am Ende dem Ziel dient, Palästinenser zu vertreiben und einen palästinensischen Staat zu verhindern.

Thomas Reichart, ZDF-Korrespondent

Siedler-Gewalt hat nach Hamas-Angriff auf Israel deutlich zugenommen

Reporter der Nachrichtenagentur AFP haben seit 2023 die Vertreibung zahlreicher Beduinen-Gemeinschaften aus dem Westjordanland beobachtet. "Was heute passiert, ist der vollständige Zusammenbruch der Gemeinschaft infolge der kontinuierlichen und wiederholten Attacken der Siedler", sagte der Beduine Farhan Dschahalin aus dem Dorf Ras Ein al-Auja im Januar AFP.

Zwei Mädchen in einer Sporthalle mit Tribüne recken jeweils eine Hantel in die Luft, im Hintergrund sind weitere Menschen sportlich aktiv.

Für junge Menschen im Westjordanland ist das Leben durch den Krieg im Nahen Osten noch einmal härter geworden. Für einen Lichtblick im Alltag sorgt nun ein Sportwettbewerb – die "Prime Games".

25.05.2026 | 1:45 min

Im seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland leben neben rund drei Millionen Palästinensern auch mehr als 500.000 Israelis in Siedlungen und Außenposten, die nach internationalem Recht illegal sind. Seit dem Großangriff der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und im Zuge des dadurch ausgelösten Gaza-Kriegs hat die Gewalt auch im Westjordanland deutlich zugenommen.

Die Flagge von Palästina wird geschwenkt.

Im September 2025 haben als erste G7-Staaten Großbritannien und Kanada Palästina als Staat anerkannt. Australien schloss sich an. Israels Regierung ist erzürnt.

21.09.2025 | 1:35 min

Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) wurden bisher in diesem Jahr im Westjordanland durchschnittlich sechs von Siedlern verübte Gewalttaten pro Tag, gezählt, darunter Brandstiftung, Vandalismus und gewaltsame Übergriffe.

Europäische Staaten sanktionieren Siedler-Bewegung

Mehrere europäische Staaten, darunter auch Deutschland, haben die Siedleraktivitäten wiederholt kritisiert. Zuletzt wurden auch vermehrt Sanktionen gegen Siedler-Vertreter beschlossen.

Frankreich verhängte laut Außenminister Jean-Noel Barrot am Montag ein Einreiseverbot gegen Israels rechtsextremen Finanzminister Bezalel Smotrich und weitere Vertreter der Siedler-Bewegung. Israels Außenministerium kritisierte den Schritt als "schändlich".

Quelle: AFP, KNA, ZDF
Über Siedlergewalt im Westjordanland berichtete das ZDF-Mittagsmagazin im Beitrag "Siedlergewalt gegen Palästinenser im Westjordanland" am 06.05.2026 um 12 Uhr.
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