Olympia 2026: Eishockey-Team lässt historische Chance liegen

Olympia-Aus gegen die Slowakei:Eishockey-Team lässt historische Chance liegen

von Bernd Schwickerath

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Die bestbesetzte deutsche Eishockey-Mannschaft der Geschichte kommt bei Olympia nie so richtig in Fahrt. Weil sie ihre Identität nicht findet und auf dem Eis wie zwei Teams wirkt.

Zumindest nach dem Spiel hat Leon Draisaitl einen Fan glücklich gemacht. Als er von der olympischen Eisfläche in der Mailänder Arena in Richtung Kabine stapfte, schenkte er einer Frau auf der Tribüne seinen Schläger. Ein nettes Souvenir, das sie sichtlich bewegt annahm.

Ansonsten war allen, die es mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft halten, wenig nach guter Laune zumute. Das 2:6 im Viertelfinale gegen die Slowakei beendete nicht nur alle Medaillenträume, es war auch ein passender Abschluss für ein ingesamt verkorkstes olympisches Turnier.

Monatelange Euphorie um die NHL-Stars

Monatelang hatte sich Eishockey-Deutschland auf die beste Mannschaft seiner Geschichte gefreut. Favoriten waren andere, aber mit NHL-Stars wie Leon Draisaitl, Tim Stützle und Moritz Seider schien vielleicht etwas möglich zu sein. Erst recht, als es der Turnierbaum gut mit den Deutschen meinte.

Obwohl bereits die Vorrunde mit nur einem Sieg aus drei Spielen viel Luft nach oben kannte, ging es in der K.o.-Phase erst gegen Frankreich, dann gegen die Slowakei. Ein Pflichtsieg und eine lösbare Aufgabe, das Halbfinale schien zum Greifen nah.

"Verbrauchte Chance" gegen Weltranglisten-Neunten

Verteidiger Moritz Seider hatte gar von einer historischen Chance gesprochen. Anstatt gegen einen Großen wie Kanada, die USA oder Schweden ging es gegen den Weltranglisten-Neunten. Also musste Kapitän Draisaitl hinterher von einer "verbrauchten Chance" sprechen.


"Wenn uns vor dem Turnier jemand gesagt hätte, wir scheiden im Viertelfinale aus, hätten wir wahrscheinlich gesagt, das ist ok. Aber die Art und Weise, wie wir hier gespielt haben, ist ja völlig enttäuschend", sagte Stürmer Nico Sturm.

Kein gutes Spiel über 60 Minuten

Ganz überraschend kam das nicht. Bundestrainer Harold Kreis musste zugeben, dass sein Team in keinem Spiel über 60 Minuten überzeugte. Verteidiger Moritz Müller kannte auch den Grund dafür:

Wir haben nie so richtig zu unser Team-Identität gefunden, wie wir eigentlich spielen wollen.

Verteidiger Moritz Müller

Nico Sturm sah es ähnlich: "Das, was uns immer stark macht, die defensive Struktur, das System, das ist uns abhanden gekommen in den letzten zehn Tagen." Immer wieder versuchten es die Deutschen mit riskanten Pässen oder Alleingängen.

Das Resultat: diverse Puckverluste. "Ich weiß nicht, wie viele Konter wir zugelassen haben. Auf jeden Fall viel zu viele", sagte Draisaitl.

Hier die NHL-Profis, dort der Rest

Auch der Kapitän hatte das Gefühl, dass etwas fehlte: "Manchmal finden sich Mannschaften schneller. Manchmal dauert es eben etwas länger."

Bei uns hat es etwas zu lange gedauert, um unsere Identität zu finden.

Leon Draisaitl

Wer das Team von außen beobachtete, hatte zudem den Eindruck, als wären da zwei Mannschaften auf dem Eis: hier die NHL-Profis, dort die aus europäischen Ligen. Zwar versicherten alle, dass der Teamgeist gestimmt hätte. "In der Kabine haben wir auf jeden Fall alles dafür getan", sagte Seider.

Kreis setzt zu stark auf die NHL-Stars

Auf dem Eis war das aber selten zu sehen. Die Hochbegabten aus der NHL sollten es richten, der Rest schien nur dafür da zu sein, ihnen Entlastung zu geben. Hinzu kam, dass Bundestrainer Kreis das mit seiner Verteilung der Eiszeit auch noch unterstützte. Draisaitl und Co. spielten 25 und mehr Minuten pro Spiel, andere auch mal unter zehn.

"Die Frage ist vielleicht berechtigt, ob ich die zu viel eingesetzt habe", sagte Kreis über die NHL-Spieler. Allerdings zeigten die Akteure aus der deutschen oder der Schweizer Liga auch zu wenig, Verteidiger wie Jonas Müller und Kai Wissmann oder Stürmer wie Dominik Kahun und Marc Michaelis waren ein Schatten ihrer selbst.

Olympia war keine Werbung für die DEL

Gerade für die Deutsche Eishockey Liga war Olympia eine Enttäuschung. Selbst gegen Lettland und die Slowakei, die ebenfalls viele Spieler in europäischen Ligen haben, rannten die DEL-Spieler oft nur hinterher. Nun rennen sie überhaupt nicht mehr. Olympia ist für die deutschen Eishockeyspieler vorbei.

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