Olympia - Skispringen:Was wird aus den Schanzen von Predazzo?
von Stephan Klemm
Es gibt viele Beispiele für den Verfall von Olympia-Anlagen. In Zukunft sollen Winterspiele nur noch in Orten stattfinden, in denen etwa Skisprungschanzen weiter genutzt werden.
Die Normalschanze in Predazzo - welche Zukunft hat die Olympia-Anlage?
Quelle: IMAGO / NurPhotoSkisprungschanzen wie die aufwändig erstellte aktuelle Olympia-Anlage von Predazzo sind wegen ihrer Größe eines der deutlich sichtbaren Zentren von Winterspielen, sie gehören dazu wie Loipen und Pisten. Doch die Kosten für die wenigen Wettkämpfe im Zeichen der Ringe sind enorm.
8,7 Millionen Euro wurden für den Um- und Ausbau in Predazzo veranschlagt. Letztlich aber war es damit nicht getan, ein Neubau der Groß- und Kleinschanze war nötig, weil die traditionelle Anlage nicht den bestehenden Vorgaben des Ski-Weltverbandes Fis entsprach. Die Kosten für das Projekt beliefen sich schließlich auf 41 Millionen Euro.
Und es stellt sich die Frage, ob das olympische Dal-Ben-Zentrum nach der Abreise der Athletinnen und Athleten noch weiter genutzt wird. Oder ob es das Schicksal vieler Vorgänger-Stadien teilt, die keine Rolle mehr für aktuelle Wettkämpfe spielen.
Predazzo: Pläne für eine Weltmeisterschaft
Sandro Pertile, der Fis-Renndirektor für den Skisprung der Männer und Frauen, war von den bisherigen Wettkämpfen begeistert. Spannend sei alles verlaufen, viele Zuschauer seien gekommen. "Ich bin extrem zufrieden", so Pertile.
Er setzt darauf, dass in Predazzo künftig italienische Skispringer ausgebildet werden und dass die Anlage weiter genutzt wird. Doch er ist ein wenig befangen, Pertile wohnt mit seiner Familie in Predazzo, es sind seine Heimspiele, er hat zudem viel Input für die Arbeiten an den Schanzen gegeben.
Erste Winterspiele, erstes Gold: Philipp Raimund krönt sich in Predazzo zum Olympiasieger von der Normalschanze und feiert den größten Erfolg seiner Karriere.
09.02.2026 | 8:07 minDennoch seien die Voraussetzungen in Predazzo gut, findet Pertile. Drei Weltmeisterschaften hätten schon an dieser Stelle stattgefunden, "und ich weiß, dass es Pläne für eine vierte WM hier im Val di Fiemme gibt".
Außerdem hofft er darauf, dass sich das örtliche Organisationskomitee um künftige Weltcup-Veranstaltungen bewerben werde. Doch ob Pertiles Optimismus berechtigt ist, bleibt vorerst offen.
Das traurige Schicksal der Schanzen von Pragelato
Zuversichtlich waren die Italiener auch in Bezug auf eine weitere Nutzung der Schanzen von Pragelato, die für die Olympischen Winterspiele 2006 erbaut worden waren. Kostenpunkt: 34,3 Millionen Euro. Doch das Stadio del Trampolino wurde 2009 nach den letzten dort ausgetragenen Wettkämpfen stillgelegt. Nun werden die Schanzen sich selbst überlassen, für den Abriss fehlt das Geld.
Die neu gebaute Skisprungschanze in Predazzo.
Quelle: IMAGO / Ulrich WagnerPragelato ist kein Einzelfall. Das Trampolino Italia in Cortina, erbaut für die Winterspiele 1956, wurde 1990 stillgelegt. Die Schanze der Spiele von 1960 in Squaw Valley, USA, wurde 1976 aufgegeben. Die Anlage von Grenoble 1968 wurde 1990 geschlossen. Die von Sarajevo 1984 ist eine Ruine, die Alberta Ski Jump Area von Calgary 1988 ist seit 2018 nicht mehr geöffnet.
Für Philipp Raimund reicht es einen Tag nach Einzel-Gold mit dem Mixed-Team nur zu Rang vier. Nicht zu schlagen ist Slowenien. Norwegen landet auf Platz zwei, Japan holt Bronze.
10.02.2026 | 9:57 minDie Schanzen von Salt Lake City 2002, von Vancouver 2010, von Sotschi 2014 und von Pyeongchang 2018 stehen zwar noch. Doch sie werden für Weltcup-Wettbewerbe derzeit nicht genutzt.
Sie sind klassische "weiße Elefanten", also für einen Zweck mit wenigen Nachwehen erbaute Stadien, die im Anschluss an die letzte Nutzung verfallen. Vor allem solche Fälle bringen Olympische Winterspiele in Verruf.
Olympia nur noch dort, wo es schon Schanzen gibt?
Die negativen Beispiele sind sehr auffällig, weshalb eine Diskussion darüber erwuchs, Olympische Winterspiele an Orte zu vergeben, die bei der Nutzung von Skisprungschanzen vorbildlich sind. Dafür plädiert auch Pertile:
Es werden keine neuen Anlagen mehr für Winterspiele gebaut. Wir gehen dahin, wo es welche gibt.
Sandro Pertile, Fis-Renndirektor
Für die nahe Zukunft geht der Plan sogar auf: "Bei den Winterspielen 2030 wird auf der existierenden Anlage von Courchevel in den französischen Alpen gesprungen. 2034 während der Spiele von Salt Lake City im Sprungzentrum von Park City. Und wenn die Schweiz den Zuschlag für 2038 erhält, werden wir nach Engelberg gehen", sagt Pertile.
Sollte es so kommen, wie Pertile es prognostiziert, engt allein dieses durchaus vernünftige Kriterium den Kreis der künftigen Ausrichter von Olympischen Winterspielen gleichwohl erheblich ein.
Sie wollen über Sport stets auf dem Laufenden bleiben? Dann ist unser sportstudio-WhatsApp-Channel genau das Richtige für Sie. Egal ob morgens zum Kaffee, mittags zum Lunch oder zum Feierabend - erhalten Sie die wichtigsten News direkt auf Ihr Smartphone. Melden Sie sich hier ganz einfach für unseren WhatsApp-Channel an: sportstudio-WhatsApp-Channel.