Trainerinnen im Männerfußball:Warum Gleichstellung am Spielfeldrand stockt
von Victoria Kunzmann
Sabrina Wittmann ist die erste Cheftrainerin im Männer-Profifußball. Ihr Erfolg beim FC Ingolstadt zeigt aber auch, wie viel Mut und Wandel im deutschen Fußball noch nötig sind.
Inmitten ihres Team: Ingolstadts Trainerin Sabrina Wittmann.
Quelle: imago imagesSie ist laut, aktiv, manchmal harsch und fordernd auf dem Platz - und sie ist eine Frau. Seit Juni 2024 steht Sabrina Wittmann am Spielfeldrand des Fußball-Drittligisten FC Ingolstadt. Als erste Frau auf der Cheftrainerposition eines Männervereins.
Cheftrainer Sabrina Wittmann ist am Samstagabend zu Gast im "aktuellen sportstudio" des ZDF. Zu sehen ab 22.30 Uhr im Livestream und ab 23 Uhr im TV.
Reden will sie darüber weniger. "Im Verein ist es überhaupt kein Thema", sagte sie etwa der "Sports Illustrated". Dabei glich ihre Beförderung vor anderthalb Jahren einer Sensation in der über 60-jährigen Bundesliga-Geschichte. Denn noch immer ist die Quote von Frauen auf Trainerbänken im Männerfußball erschreckend gering.
Beim Drittligisten FC Ingolstadt wurde Sabrina Wittmann zur festen Cheftrainerin befördert. Es ist ein Novum im Profi-Männerfußball.
28.06.2024 | 1:19 minVorreiterinnen sind Grings und Wübbenhorst
Die erste Trainerin im Männerfußball ist Wittmann nicht: Marie-Louise Eta sprang sogar beim Bundesligisten Union Berlin als Interimstrainerin ein. Mit Inka Grings beim SV Straelen und Imke Wübbenhorst, unter anderem bei ihrem Heimatverein Cloppenburg und den Sportfreunden Lotte, trainierten bereits zwei Frauen Männermannschaften. Allerdings beide in der Regionalliga, die nicht zum Profibereich zählt.
Wübbenhorst, die inzwischen das Frauenteam der Young Boys Bern trainiert, beschreibt ihren Aufstieg so: "Ich bin meinen Weg als Fußballerin gegangen und habe dann die UEFA Pro Lizenz erworben. Ich hatte die Möglichkeit, die Männer zu übernehmen, auch, weil unser Verein vor der Insolvenz stand und sie diejenige mit der höchsten Lizenz gesucht haben."
Auch Wittmann ist ein Kind ihres Vereins: Seit fast 20 Jahren ist sie schon in Ingolstadt, als Spielerin, später als Trainerin verschiedener Teams, darunter der U17, U19 und der Frauen. Ausschlaggebend sei neben ihren Qualitäten als Trainerin ihre "extrem hohe Identifikation mit dem FC Ingolstadt 04", zitiert "DW" Geschäftsführer Dietmar Beiersdorfer.
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27.11.2025 | 16:03 minGesellschaftliche Akzeptanz und Förderung fehlen
Im Gespräch mit ZDFheute lässt Wübbenhorst schnell durchblicken, wie groß der Faktor gesellschaftliche Norm bei der Besetzung von Trainerposten im Männerfußball ist. Führe man Gespräche als Trainerin, sagt Wübbenhorst, merke man schnell, "dass die Entscheidungsträger im Profifußball hauptsächlich Männer sind."
Viele Trainer hätten "Stallgeruch" und seien im Fußball sozialisiert worden, zum Beispiel als Spieler im Verein. Frauen hätten es dort schwerer - schon allein deshalb, weil die Sichtbarkeit und der Stellenwert der Frauen-Bundesliga wesentlich geringer seien.
"Für Verantwortliche in Vereinen geht es darum: Welche Kriterien spielen eine Rolle, damit ein Trainer von der Mannschaft, vom Team, von den Fans akzeptiert wird?", erklärt die 36-Jährige.
Die Akzeptanz in Vereinen ist für Frauen schwieriger, Frauen bieten eine viel größere Angriffsfläche.
Imke Wübbenhorst
Kaum Frauen in den Trainerlehrgängen
Noch immer sind Frauen in den Pro-Lizenz-Lehrgängen des Deutschen Fußball-Bundes weit unterdurchschnittlich vertreten. Wittmann ist in diesem Jahr eine von zwei Frauen, die den Lehrgang mit 15 Männern absolvieren. Vergangenes Jahr nahm keine Frau an der Ausbildung teil. Auch, weil Wittmann damals vom DFB abgelehnt wurde. Im Gegensatz zu anderen Teilnehmern wurde für sie keine Ausnahme bei den Zulassungskriterien gemacht.
Wübbenhorst sieht dabei nicht einmal die Finanzierung als Problem, sondern vielmehr die Perspektiven.
Das Problem ist eher, dass zu wenige Frauen diese Ausbildung machen möchten und lieber in dem Job arbeiten, den sie während ihrer Karriere gelernt haben.
Imke Wübbenhorst
Anders als im Männerfußball sind viele Fußballerinnen bis heute auf ein Studium oder eine Ausbildung neben dem Sport angewiesen.
Wittmann schaffte es mit Qualität und Beständigkeit auf die Trainerbank - und will von hier aus andere ermutigen: "Vorbilder sind wichtig, damit andere Frauen erkennen, was alles möglich ist", sagte sie im April 2024 im Interview mit dem deutschen Fußball Bund. Inzwischen ist die 34-Jährige längst selbst eines.
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