Freiburg-Schüler im Klopp-Kader:Von Freiburg lernen heißt Ausbildung lernen
von Christoph Ruf
Perfektes Timing: Jeder sechste Spieler im Aufgebot von Jürgen Klopp wurde in der Fußballschule des SC Freiburg ausgebildet. Die feiert dieser Tage ihr 25-jähriges Jubiläum.
Zwei der Freiburger, die von Klopp berufen wurden: Yannik Engelhardt (M.) und Philipp Treu (l.).
Quelle: Eibner-PressefotoEs war ein unterhaltsames und streckenweise hochklassiges Spiel, das sich Eintracht Frankfurt und ein starker SC Freiburg beim 2:2 am Samstag lieferten.
Mittendrin: Fünf Spieler, die Jürgen Klopp ins Aufgebot für die kommende Länderspielreise berufen hat, darunter vier, die ihre Ausbildung im ersten westdeutschen Nachwuchsleistungszentrum überhaupt genossen haben: in der Freiburger Fußballschule.
44 Spieler sind für die vier Partien in der Nations League eingeladen. Nicht alle gleichzeitig, sondern in zwei Gruppen. Im Kader stehen vier Freiburg-Profis.
17.09.2026 | 1:30 minAls da wären: der Neu-Frankfurter Noah Atubolu und die SC-Spieler Yannik Engelhardt, Philipp Treu und Auswechselspieler Max Rosenfelder. Als fünfter Fußballschüler fungierte Matthias Ginter. Der 51-malige Nationalspieler wurde von Klopp allerdings nicht nominiert.
Hinzu kommt noch der nominierte Derry Scherhant. Der 19-Jährige, der am Samstag auffälligster Spieler seiner Freiburger Elf war, wurde bei Hertha BSC ausgebildet.
Bundestrainer Jürgen Klopp hat bei der Präsentation seines ersten DFB-Aufgebots nicht nur frischen Wind versprüht, sondern auch einen Rekordkader nominiert.
18.09.2026 | 1:53 minPhilipp Treu hatte ein "cooles Gespräch" mit Klopp
Insgesamt sind aber sogar sieben der insgesamt 44 Nominierten ehemalige Freiburger Fußballschüler: Auch Mika Baur (Celtic Glasgow), Nico Schlotterbeck (BVB) und Kevin Schade (FC Brentford) haben ihre Ausbildung im Trainingszentrum am idyllisch gelegenen Möslestadion genossen.
Genau wie Verteidiger Philipp Treu, der das Telefonat mit dem Bundestrainer Revue passieren ließ:
Ich saß auf der Couch und habe die Zweitliga-Konferenz geschaut. Dann kam der Facetime-Anruf, und es war ein cooles Gespräch
Philipp Treu, SC-Verteidiger
Freiburger Ausbildungsverein par excellence
Damit hat fast jedes sechste Mitglied des aktuellen Nationalmannschaftskaders eine Vergangenheit in der Freiburger Fußballschule, die dieser Tage ihr 25-jähriges Jubiläum feiert.
Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil seit dem frühen WM-Ausscheiden so häufig die Frage diskutiert wird, mit welchen Spielern Deutschland wieder konkurrenzfähig werden kann. Der SC beantwortet sie seit 25 Jahren: Er bildet sie selbst aus.
Klopp Doppel-Kader für die Nations League
Tor: Finn Dahmen (FC Augsburg), Alexander Nübel (Besiktas), Marc-André ter Stegen (Ajax Amsterdam)
Abwehr: Hennes Behrens (FC Augsburg), Yann Aurel Bisseck (Inter Mailand), Nathaniel Brown (Bayern München), Max Rosenfelder (SC Freiburg), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Jonathan Tah (Bayern München), Philipp Treu (SC Freiburg), Josha Vagnoman (VfB Stuttgart)
Mittelfeld: Nadiem Amiri (FSV Mainz 05), Bambasé Conté (TSG Hoffenheim), Yannik Engelhardt (SC Freiburg), Chris Führich (VfB Stuttgart), Serge Gnabry (Bayern München), Lennart Karl (Bayern München), Joshua Kimmich (Bayern München), Jamals Musiala (Bayern München), Felix Nmecha (Borussia Dortmund), Kevin Schade (FC Brentford), Anton Stach (Leeds United)
Angriff: Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt), Kai Havertz (FC Arsenal)
Tor: Noah Atubolu (Eintracht Frankfurt), Finn Dahmen (FC Augsburg), Jonas Urbig (Bayern München)
Abwehr: Waldemar Anton (Borussia Dortmund), Ridle Baku (RB Leipzig), Finn Jeltsch (VfB Stuttgart), Maximilian Mittelstädt (VfB Stuttgart), David Raum (RB Leipzig), Malick Thiaw (Newcastle United)
Mittelfeld: Karim Adeyemi (FC Barcelona), Mika Baur (Celtic Glasgow), Tom Bischof (Bayern München), Said El Mala (1. FC Köln), Brajan Gruda (RB Leipzig), Vitaly Janelt (FC Brentford), Felix Keidel (SV Elversberg), Aleksander Pavlovic (Bayern München), Derry Scherhant (SC Freiburg), Florian Wirtz (FC Liverpool)
Angriff: Jonathan Burkardt (Eintracht Frankfurt), Nick Woltemade (Juventus Turin)
Zentrale Frage: "Make or buy"
Der langjährige Trainer Volker Finke (1991 bis 2007) gilt als Vater der Fußballschule. "Die zentrale Frage lautete damals "Make or buy?'", erinnert sich Andreas Rettig, der von 1998 bis 2002 SC-Manager war, in der SC-Broschüre zum Jubiläum.
"Sollten auch wir uns dem immer schneller rotierenden Transferkarussell anschließen oder konsequent auf die eigene Ausbildung setzen?" Wie Finke plädierte auch Rettig für letzteres. Und das sollte sich als historischer Glücksfall für den Sportclub erweisen.
Auch Uli Hoeneß zog den Hut
Ein knappes Jahr nach dem ersten Spatenstich im Oktober 2000 staunte die Republik, als der SC seine Fußballschule eröffnete. Der Spiegel berichtete ausführlich, und Uli Hoeneß verkündete:
Was die machen, ist richtungsweisend.
Uli Hoeneß
Christian Streich war Leiter der Fußballschule, ehe er 2012 Profitrainer beim SC wurde. Die Leitlinien der Arbeit fasst er so zusammen: "Es braucht gute Ausbildung, Geduld, ehrliche Rückmeldungen und den Mut, jungen Spielern Verantwortung zu geben."
Acht Freiburger Eigengewächse in Istanbul
Wie gut das Konzept aufging, zeigt ein Blick auf die Statistik. 73 Spieler, die beim SC ihre ersten Profispiele absolvierten, sind aus der Fußballschule hervorgegangen.
Für Bundesligist SC Freiburg endet eine Europareise durch sieben Länder vorerst in Istanbul. Das Finale der Europa-League gegen Aston Villa bietet die Chance auf Einzug in die Champions League.
20.05.2026 | 1:55 minIm Europa-League-Finale in Istanbul bot Trainer Julian Schuster acht Spieler aus der vereinseigenen Fußballschule auf. Trotz des 0:3 gegen Aston Villa sahen sie den Tag in Freiburg als Beweis dafür, dass sie in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht haben.