Schiri-Boss im aktuellen sportstudio:Kircher: Man kann "per se nicht zufrieden sein mit dem VAR"
von Frank Hellmann
Schiri-Boss Knut Kircher hat im aktuellen sportstudio dafür plädiert, trotz Einführung des Videobeweises strittige Entscheidungen im Graubereich in Zukunft zu akzeptieren.
Der VAR ist ein Dauer-Aufreger in der Bundesliga. Knut Kircher (Chef der deutschen Elite-Schiedsrichter) und Thorsten Kinhöfer (ZDF-Schiri-Experte) im Sportstudio-Gespräch.
10.01.2026 | 28:19 minKnut Kircher gibt sich keinen Illusionen hin: Auch nach Einführung des Videoassistenten (VAR) werden die Debatten um Schiedsrichterentscheidungen nicht weniger. Zwar sei die Einführung des VAR mit dem Attribut versehen worden, "den Fußball gerechter zu machen, im besten Falle alles aufzulösen", es gebe aber "nicht das ganz Weiße oder das ganz Schwarze - es gibt sehr viel dazwischen", sagte der Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH im aktuellen sportstudio des ZDF.
Daher kann man per se nicht zufrieden sein mit dem VAR.
Knut Kircher, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH
Der 56-Jährige hat an alle Protagonisten appelliert, mit diskutablen Streitfällen zu leben.
Kein Bundesliga-Trainer ist sehr zufrieden
Bei einer ZDF-Umfrage wurden die Trainer im deutschen Profifußball gefragt: "Wie zufrieden sind Sie aktuell mit der Umsetzung des VAR in den deutschen Bundesligen?" 27 von 36 Fußballlehrern beteiligten sich daran, 13 sind eher wenig zufrieden, drei überhaupt nicht zufrieden. Sehr zufrieden ist niemand. Für Kircher kommen solche Ergebnisse nicht überraschend: "Der VAR ist seit Einführung vor acht Jahren immer ein Streitobjekt."
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Kinhöfer plädiert für anderen Umgang mit Schiedsrichtern
Grundsätzlich gelte: "Wir haben so viele Beteiligte in der Fußball-Bubble, da kommt es zu unterschiedlichen Meinungen." Für Thorsten Kinhöfer, den ZDF-Schiedsrichter-Experten, sollten sich insbesondere die sportlich Verantwortlichen der Vereine mal hinterfragen, ob stets die Referees öffentlich an den Pranger gestellt werden müssten.
Die Trainer und Sportdirektoren nehmen sich raus, den Schiedsrichter zu kritisieren.
Knut Kircher, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH
Die seien aber so etwas wie die 19. Mannschaft der Bundesliga, "da gehört es sich nicht, den Gegner oder ein anderes Team zu kritisieren." Es könne nicht sein, die Unparteiischen wie Freiwild zu behandeln.
Immer Ärger um den VAR: Für die einen sorgt er für mehr Fairness auf dem Platz, für die anderen nimmt er dem Fußball die Emotionalität: Wie könnte der Streit aufgelöst werden?
08.01.2026 | 14:40 minHandspielregel größter Aufreger
Größter Aufreger bleibt die Handspielregel, die selbst für den Chef der Elite-Schiedsrichter schwer zu erklären ist: "Es geht nicht in drei Sätzen. Es ist nach wie vor ungerecht." Grundsätzlich habe man diesen Komplex "in einem Korridor eingefangen", mit dem sich alle etwas sicherer fühlten. Kircher gab zu, dass viele Situationen beim Handspiel weiterhin diskutabel bleiben würden.
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Kircher: Eingriffsschwelle des VAR hoch halten
Bei der Frage, wann der VAR einschreiten soll, diskutierten Kircher und Kinhöfer ein Beispiel aus der Champions League: Im Spiel Inter Mailand gegen FC Liverpool (0:1) ließ FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer nach einem kurzen Trikot-Zupfer an Florian Wirtz das Spiel zunächst weiterlaufen. Nach Einschreiten des Videoassistenten entschied Zwayer auf Elfmeter.
Für Kircher lag das Gespann um Zwayer Anfang Dezember im San Siro mit der Bewertung falsch: "Hier war der Fehler des Videoassistenten, reinzugehen." Es müsse Leitlinie sein, "die Eingriffsschwelle des VAR hoch zu halten".
Dann müsse man indes auch Szenen aushalten wie die, bei der Dortmunds Torjäger Serhou Guirassy im Borussen-Duell gegen Mönchengladbach (2:0) kurz vor der Winterpause ungestraft seinen Gegenspieler Philipp Sander umriss. Das alles gehörte zum "wahnsinnig diskutierten Graubereich", erläuterte Kircher. Kinhöfer hätte übrigens in dieser Szene auf Foulspiel entschieden. Oft moniert werden auch die knappen Abseitspositionen. Gleiche Höhe scheint es nicht mehr zu geben.
Mit einem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach geht der BVB als Zweiter in die Winterpause. Zwei Schiedsrichter-Entscheidungen und eine Auswechslung sorgen für Diskussionsstoff.
22.12.2025 | 8:20 minEingriffe dürfen keine fünf, sechs Minuten dauern
Die halbautomatische Abseitstechnik, im Fachjargon SAOT genannt, habe dazu geführt, dass die Entscheidungen heute um 50 Prozent schneller als früher mit der kalibrierten Linie erfolgen würde.
Lange Eingriffe nerven uns am meisten. Wir sind deutlich schneller geworden.
Knut Kircher, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH
Fünf oder sechs Minuten lange Prüfungen verfehlten aus seiner Sicht "komplett" ihre Wirkung. Den Schiedsrichter-Chef wunderte nach eigenem Bekunden übrigens nicht, dass 17 Trainer sich in der ZDF-Umfrage gegen die Einführung einer Challenge-Möglichkeit wandten. Sie könnten nämlich selbst in die Kritik geraten, wenn sie sich an der falschen Stelle für eine Überprüfung einsetzen würden, vermutete Kircher.
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