Titel-Vorentscheidung im Klassiker:Bayerns Meisterstück mit Makeln
von Maik Rosner
Nach ihrem 3:2 beim BVB fühlen sich die Münchner dem Ligatitel bereits nahe. Sie wissen aber auch, dass sie sich für ihre großen Vorhaben in der Champions League steigern müssen.
Der FC Bayern hat den Angriff von Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga abgewehrt und einen riesigen Schritt hin zum Meistertitel gemacht.
Quelle: SVEN SIMONWelch große Emotionen der Sieg im Klassiker freisetzt, war direkt nach dem Schlusspfiff eindrucksvoll zu sehen. Spontan bildete sich rund um Bayern Münchens Torwart Jonas Urbig eine fast schon ekstatische Jubeltraube, nachdem sich der Vertreter von Manuel Neuer kurz zuvor bei einer Dortmunder Flanke mutig ins Getümmel gestürzt und den Ball weggefaustet hatte.
Angeführt von Kapitän Joshua Kimmich stand die Münchner Mannschaft bald danach vor ihren Fans und ließ sich für den nun schon so gut wie sicheren Gewinn des Meistertitels äußerst ausgelassen feiern.
Die Fußball-Bundesliga mit dem Topspiel Borussia Dortmund - Bayern München. Studiogast ist Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner.
28.02.2026 | 83:14 minEberl und Ricken einig in Meisterfrage
Amtlich ist der Gewinn der Schale bei elf Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten Borussia Dortmund vor den zehn verbleibenden Spieltagen zwar noch nicht. Doch sowohl der Münchner Sportvorstand Max Eberl als auch Lars Ricken, der Geschäftsführer Sport des BVB, ließen nach dem 3:2 des FC Bayern am ZDF-Mikrofon deutlich anklingen, dass die Titelvergabe aus ihrer Sicht nun zugunsten des Titelverteidigers vorentschieden ist.
"Ich glaube, das war ein sehr, sehr großer Schritt", sagte Eberl. Und Ricken befand:
Ich glaube schon, dass das ein entscheidender Schritt dahin war. Aber gratuliert wird erst, wenn es auch rechnerisch nicht mehr möglich ist, sie einzuholen.
Lars Ricken, Geschäftsführer Sport des BVB
Das noch zu schaffen, sei "fast unmöglich", ergänzte Nico Schlotterbeck. Der BVB dürfte damit nach dem Aus im DFB-Pokal und in der Champions League in dieser Saison komplett leer ausgehen.
Gut weggekommen sei Nico Schlotterbeck mit Gelb fürs Foul gegen Bayern-Spieler Josip Stanišić, sagt BVB-Chef Lars Ricken. Ob Schlotterbeck beim BVB bleibt, sei noch nicht ausverhandelt.
28.02.2026 | 4:11 minSchlotterbecks Glück
Gewonnen hatten die Bayern ihren gefühlten Meister-Matchball nach einem wogenden und teils wilden Klassiker. Etwas überraschend waren die Dortmunder durch Schlotterbeck in Führung gegangen. Zuvor konnte der Verteidiger von Glück sagen, nach einem harten Einsteigen gegen Josip Stanisic statt der gelben nicht die rote Karte gesehen zu haben. Die Bayern schlugen durch Harry Kanes vierten Doppelpack in Serie zurück, ehe Daniel Svensson für Dortmund ausglich.
Kimmich setzte dem nicht immer hochklassigen, aber spektakulären und spannenden Klassiker mit seinem Volley mit links aus Münchner Sicht die Krone auf. "Gehört natürlich immer ein bisschen Glück dazu", sagte er nach seinem Tor zum Meisterstück und verriet im ZDF:
Tatsächlich habe ich den Linken gestern noch ein bisschen trainiert, da wurde ich schon verspottet von meinen Kollegen. Deswegen tut das ganz gut.
Joshua Kimmich, Mittelfeldspieler beim FC Bayern München
Kimmichs Freude nach dem Spott
Den Spott der Kollegen hatte Kimmich abbekommen, weil es mit seiner Trefferquote im Training gehapert hatte. "Da habe ich mir den ein oder anderen Spruch anhören müssen, da haben sie schon gesagt: 'Komm, geh lieber rein'", berichtete Kimmich, "zum Glück hat es sich gelohnt, dass ich noch ein paar Schüsse gemacht habe."
Die gute Stimmung beim FC Bayern nach dem Prestigeerfolg konnte allerdings nicht über ein paar Makel im gefühlten Meisterschaftsfinale hinwegtäuschen. Ungefährlich hatten die Bayern in der ersten Halbzeit agiert und sich nach ihrem dominanten Beginn die Kontrolle entreißen lassen. Zudem ließen sie einige Chancen für den BVB zu, auch noch nach Svenssons 2:2.
Kimmich: "Das schweißt zusammen."
Vorm Mannschaftsbus räumte Kimmich später ein: "Wir wissen auch, dass das nicht unser bestes Spiel war." Der Mittelfeldspieler dachte schon an die Champions League, in der die Bayern im Achtelfinale auf Dortmunds Bezwinger Atalanta Bergamo treffen.
Die Münchner wissen, dass sie sich steigern müssen, wenn es auch in Europa etwas mit dem erhofften Titelgewinn werden soll. Der Erfolg beim BVB soll dabei als Hilfe dienen.
Für die Mentalität, für den Zusammenhalt, sind solche Spiele schon wichtig, dass man da zurückkommt, gegen ein Topteam aus der Bundesliga, in Dortmund, das schweißt schon zusammen.
Joshua Kimmich, Mittelfeldspieler beim FC Bayern München
Die großen Emotionen erzählten davon.
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