Biathleten enttäuschen bei Olympia:Mit Trainer-Task-Force und Schießakademie aus der Krise?
von Stephan Klemm
Die deutschen Biathletinnen und Biathleten enttäuschen bei den Winterspielen in Antholz. Die Schießleistungen sind schwach, die Platzierungen auch. Helfen soll eine Task-Force.
Die deutsche Biathlon-Frauen müssen sich in der Staffel mit Platz vier begnügen. Franziska Preuß erlebt ein Drama am Schießstand. Gold geht an Frankreich vor Schweden und Nowegen.
18.02.2026 | 7:46 minDie Biathlon-Arena von Antholz liefert die wohl stimmungsvollsten Bilder dieser Olympischen Winterspiele. Sie ist bei allen Wettkämpfen ausverkauft, um die 20.000 Zuschauer tummeln sich währenddessen im Stadion und an der Strecke, so viele wie nirgends sonst bei dieser Veranstaltung.
Deutsche Olympia-Ausbeute: Einmal Bronze
Doch während Team Frankreich bereits fünf von neun Goldmedaillen in Südtirol gewonnen hat, stellt die erfolgsverwöhnte deutsche Mannschaft bisher keine Siegerin und keinen Sieger und auch keine Zweitplatzierte und keinen Zweitplatzierten.
Einzig einmal Bronze in der Mixed-Staffel zum Auftakt der olympischen Biathlon-Wettbewerbe steht auf der Habenseite des Deutschen Skiverbandes (DSV). Zuletzt patzten auch beide Vierer-Staffeln, die ihre Rennen jeweils auf Platz vier beendeten. In der Summe ist das eine große Enttäuschung.
Bitterling: Preuß' Problem wohl "zwischen den Ohren"
DSV-Sportdirektor Felix Bitterling betont derzeit das Offensichtliche: Die Schießleistungen sind bescheiden. Dass die Resultate unter den Erwartungen geblieben sind. Dass es in den Staffeln zu viele Nachlader gab. Und dass eine gedachte Medaillenbank wie Franziska Preuß, die Weltcup-Gesamtsiegerin der vorigen Saison, ganz offensichtlich eine psychische Blockade beim finalen Stehendschießen mit nach Antholz gebracht hat.
Am Mittwoch schoss Preuß bei ihrem Staffel-Einsatz im Liegendanschlag tadellos - fünf schnelle Treffer. Doch stehend misslang ihr wie schon im Mixed, im 15-Kilometer-Rennen, im Sprint und in der Verfolgung das Schießen. Drei Nachlader reichten am Mittwoch nicht, eine Scheibe blieb stehen, eine Strafrunde war die Folge. Das deutsche Team verpasste dadurch eine mögliche Silbermedaille. Bitterling sieht kein körperliches Problem bei Preuß, vielmehr "scheint bei ihr irgendwas in den Klamotten zu hängen oder zwischen den Ohren". Am Mittwoch war Preuß so konsterniert, dass sie das Stadion kommentarlos unter Tränen verließ.
Die deutsche Biathlon-Staffel hat die erhoffte Medaille erneut verpasst. Im Rennen über 4x7,5 km in Antholz holte Frankreich Gold, vor Norwegen und Schweden.
17.02.2026 | 6:47 minGesucht sind Stars mit "X-Faktor"
Die Auftritte von Antholz bestätigen einen Trend, der auch schon in den Weltcup-Rennen dieses Winters zu erkennen war. Das Männer-Team ist überaltert, jüngere Nachrücker gibt es nicht - "uns fehlen ein bis zwei Generationen", sagt Bitterling.
Preuß, Mitfavoritin in allen Einzelrennen, befindet sich nach gesundheitlichen Rückschlägen in der Krise. Mit der starken Läuferin Julia Tannheimer (20) und Selina Grotian (21), beide sind fünfmalige Junioren-Weltmeisterinnen, sind immerhin schon große Talente fest in das Weltcup-Team integriert. Doch sie sind am Schießstand noch zu wenig konstant, um die Weltelite jetzt schon herausfordern zu können. Was fehle sei der "X-Faktor" moniert Bitterling, jemand, der furchtlos "schnelle, fehlerlose Schießeinlagen abfackelt" und auch läuferisch überzeugend sei.
Nach dem Biathlon-Verfolgungsrennen bei den olympischen Winterspielen spricht Franziska Preuß im ZDF-Interview über ihre Gefühlswelt.
15.02.2026 | 2:09 min"Trainer-Task Force" soll helfen
Frankreich und Norwegen besitzen solche Superstars - auch, weil die Konkurrenz im Nachwuchsbereich viel größer ist als in Deutschland. Nachrücker machen auch den Stars Druck, die bei der kleinsten Formkrise problemlos ausgetauscht werden können.
Was also tun? Bitterling erklärte am Dienstag in Antholz, dass er vor zweieinhalb Jahren eine "Trainer-Task-Force" gegründet habe, eine autarke Gruppe von Lauf- und Schieß-Coaches, die die Stützpunkte unterstützen sollen. Außerdem neu sei eine Schießakademie - "mit internationalen Spezialisten". In Sachen Trainingsmethodik hilft Mark Kirchner aus, der einstige Bundestrainer. Aber: "Neue Talente mit Weltklasse-Potenzial finden wir jetzt nicht von Mai bis Juni", sagt Bitterling. Vielmehr "dauert das wahrscheinlich Jahre".
Nächster Sieg für Italien. Lisa Vittozzi sichert sich die Goldmedaille in der Verfolgung der Frauen. Franziska Preuß verpasst einen Podestplatz im letzten Schießen denkbar knapp.
15.02.2026 | 5:20 minLetzte Chancen in Massenstart-Rennen
In der Gegenwart stehen noch die Massenstart-Rennen am Freitag (Männer) und Samstag (Frauen) an. "Die Motivation in der Mannschaft stimmt auf jeden Fall", sagt Bitterling am Mittwoch. Im Hintergrund lief währenddessen die französische Nationalhymne für die Siegerinnen der Frauen-Staffel.
Olympische Spiele:Olympia 2026
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