Trainer-Aus bei Real Madrid:Xabi Alonso verstoßen und verraten
von Florian Haupt
Bundesliga-Erfolgscoach Xabi Alonso scheitert nach nur einem halben Jahr bei Real Madrid. Nicht alles war seine Schuld. Einiges schon. War das Amt eine Nummer zu groß?
Xabi Alonso ist nicht länger Trainer von Real Madrid. Der 44-Jährige hatte die Königlichen zu Saisonbeginn übernommen. Nun wurde er nach der Niederlage im Supercup entlassen.
12.01.2026 | 0:22 minEmilio Butragueño zuckte nicht mal mit der Wimper, während er Real Madrid als "große Familie" bezeichnete. Der Klubdirektor und Ex-Stürmer präsentierte am Dienstagnachmittag den neuen Cheftrainer Álvaro Arbeloa und sagte zu ihm gewandt: "Verein, Spieler, Fans: Du weißt, dass wir dir alle helfen werden."
Ob Xabi Alonso, ein Freund Arbeloas, die Pressekonferenz verfolgte, ist nicht überliefert. Fest steht: Von Hilfe und Familiensinn bekam Alonso selbst nichts zu spüren.
Alonsos Abgang war ein unwürdiges Schauspiel
Am Montagabend war der ehemalige Erfolgscoach von Bayer Leverkusen nach nur einem guten halben Jahr als Real-Trainer entlassen worden. Der Schritt an sich kann dabei fast als Befreiung gewertet werden. Denn was Alonso im Monat zuvor durchleben musste, gilt als eines der unwürdigsten Schauspiele der Klubgeschichte.
Schon seit Anfang Dezember galt der Daumen von Klubpräsident Florentino Pérez als gesunken. Öffentlich kam aus dem Klub jedoch kein Wort. Als Pérez seine Weihnachtsansprache hielt, erwähnte er nicht mal Alonsos Namen. Als ob schon dessen bloße Nennung zu viel der Ehre gewesen wäre.
Große Namen, große Erwartungen, große Probleme. Mit Xabi Alonso wollte Real Madrid einen fußballerischen Aufbruch einleiten. Doch sehr schnell steht der Coach massiv unter Druck. Was ist da los?
18.12.2025 | 14:47 minEntlassung nach den Supercup-Finale
Seither spielte Real in jeder Partie um Alonsos Amt. Mit Glück konnten auch wacklige Matches gewonnen werden. Die Mannschaft ersetzte Spiel durch Kampf, und am Sonntag im Supercup-Finale gegen den FC Barcelona konnte sie ihre Fans trotz einer knappen Niederlage (2:3) erstmals seit langem wieder ein bisschen begeistern.
Vielleicht bekommt Xabi ja doch noch die Kurve, hieß es danach in den Medien. Im Klub fürchtete man das offenbar eher - und setzte ihn tags darauf vor die Tür.
Real-Anhänger kritisieren Entlassung
Rund drei Viertel der Anhänger kritisierten in spontanen Online-Umfragen die Entscheidung. Für sie hat nicht nur Alonso die Schuld an den vier Punkten Rückstand auf Barcelona in der Liga - sondern auch ein Kader, bei dem persönliche Eitelkeiten oft vor gemeinschaftlichen Interessen zu stehen scheinen. Und eine Klubführung, die zugunsten der Stars die Autorität des Trainers untergrub.
Unter mehreren Vorfällen besonders viel Aufsehen erregte die Causa Vinícius. Der brasilianische Stürmerstar beschwerte sich während eines 2:1 gegen Barça in der Liga so wüst über seine Auswechslung, dass der wichtige Teamerfolg in den Hintergrund geriet.
Vom Klub gab es keine Strafe, und drei Tage düpierte Vinícius seinen Coach gleich noch mal, als er sich bei Klub, Präsident, Teamkollegen und Fans entschuldigte - aber nicht beim eigentlich Geschädigten, Xabi Alonso.
Mit dem 1:2 gegen ManCity wächst bei Real Madrid der Druck auf Xabi Alonso. "Man muss Verantwortung annehmen und sich selbst auch hinterfragen", sagt der Trainer nach dem Spiel.
11.12.2025 | 0:52 minMarionette von Mbappé
Auch Kylian Mbappé ließ den Trainer am Sonntagabend sehr machtlos erscheinen. Zur Siegerehrung sollten die Real-Delegation ein Spalier für ihre Gegner bilden. Alonso machte sich auf den Weg - als er und das übrige Team von Mbappé in die Kabine abkommandiert wurden. Ein Trainer als Marionette eines Galaktischen.
Andersherum betrachtet hat Alonso es nicht geschafft, die Stars für sich einzunehmen. Auch als Stratege enttäuschte er. So sehr Faktoren wie die strapaziöse Klub-WM und ein Kader ohne kompetente Spielmacher seine Arbeit erschwerten - so deutlich blieb auch sein Trainerbeitrag hinter den Erwartungen. Sein Real verbreitete weder Klasse noch Esprit und ließ fußballerische Grundlagen vermissen.
Der Abwärtstrend begann schon in Leverkusen
Alonsos Ruf als Trainerstar gilt jetzt erst mal als ramponiert. In Deutschland mag man das angesichts seines historischen Doubles mit Leverkusen besonders wenig verstehen. Doch schon seine letzte Bayer-Spielzeit war längst nicht mehr so brillant.
Die vermeintliche Traumehe mit seinem Ex-Klub Real Madrid beendet Alonso mit 24 Siegen, vier Remis und sechs Niederlagen. Es ist die gleiche Ausbeute, die der gefeierte Hansi Flick in seinen ersten 34 Spielen für den FC Barcelona erreichte. Xabi Alonso scheiterte weniger an den Ergebnissen. Als an den Eindrücken.
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