Ronaldo, Messi, Mbappé und Co.:Spieler oder Klubs? Wie sich die Macht im Fußball verschiebt
von Ralf Lorenzen
Niemand ist größer als der Verein: Dieser Satz hat Generationen von Fans geprägt. Aber gilt er noch? Tatsächlich stellen manche Stars selbst die größten Klubs in den Schatten.
Niemand ist größer als der Verein - oder doch? Viele Fußballer sind längst ihre eigene Marke, haben eine riesige Reichweite und direkten Draht zu den Fans. Welche Folgen hat das?
05.02.2026 | 12:19 min"Nein, der Trainer kann nichts tun", sagte der französische Stürmerstar Karim Benzema vor ein paar Wochen in einem Interview mit der Sportzeitung "L'Équipe" zur Situation bei seinem Ex-Klub Real Madrid. "Die Spieler reden nicht mehr miteinander. Es heißt nur noch: Ich habe meine Tore geschossen."
Damals hieß der Trainer bei den Königlichen noch Xabi Alonso und der geriet zunehmend in Konflikt mit seinen Stars. Kurz darauf wurde Alonso entlassen.
Große Namen, große Erwartungen, große Probleme. Mit Xabi Alonso wollte Real Madrid einen fußballerischen Aufbruch einleiten. Doch sehr schnell stand der Coach massiv unter Druck.
18.12.2025 | 14:47 minMarktwert für manche Spieler wichtiger als Teamerfolg
"Sie können einen Verein unter Druck setzen", sagt Sky-Reporter Philipp Hinze in der Sendung Bolzplatz über den zunehmenden Einfluss der Stars im Fußball. "Umso mehr Follower du hast, umso breiter wird dein Kreuz."
Der Eindruck ist nicht neu, dass manch ein Profi mehr für die Steigerung des eigenen Marktwertes als für den Erfolg der Mannschaft spielt. Und es gibt Spieler, die selbst zu globalen Marken geworden sind, deren Bedeutung sogar die der größten Vereine übersteigt.
Ronaldo und Messi stellen jeden Verein in den Schatten
"Klar gibt es viele Fans, die Real Madrid zujubeln", sagt der Fußball-Influencer Dimi im Bolzplatz. "Aber Fans, die Ronaldo zujubeln oder gerade aktuell Mbappé gibt es deutlich mehr."
Man merkt, dass es relativ egal ist, bei welchem Verein sie aktuell spielen.
Fußball-Influencer Dimi über Ronaldo, Messi und Co.
Das illustrieren zwei Vergleiche. Cristiano Ronaldo - die reichweitenstärkste Person der Welt - hat allein auf Instagram 670 Millionen Follower, während sein Verein Al-Nassr FC in Saudi Arabien auf knapp 29 Millionen kommt. Ähnlich sieht das Verhältnis bei Lionel Messi und seinem Klub Inter Miami aus: 511 zu 18,2 Millionen Follower.
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04.12.2025 | 16:18 minGleichzeitig haben beide Vereine in Sachen Social-Media-Reichweite durch die Verpflichtungen von Ronaldo und Messi überhaupt erst nennenswert zugelegt.
Fans wechseln den Verein einfach mit
Man beobachte gerade ein vergleichsweise neues Phänomen, sagt Sportwissenschaftler Harald Lange im Bolzplatz über die Außenwirkung dieser Megastars. Im Falle eines Transfers "wechseln die Follower mit zum neuen Verein und vernachlässigen die Treue gegenüber dem alten Klub."
Diese Entwicklung hat laut Lange begonnen, als David Beckham zum Popstar wurde und nach seinem Wechsel von Manchester United zu Real Madrid "tatsächlich auch ein Großteil seiner eigenen Fangemeinde mitgewechselt ist".
Er trifft wie am Fließband und ist auf dem Platz überall zu finden. Bayern Münchens Torjäger Harry Kane ist gerade in der Form seines Lebens. Was macht den Engländer so besonders?
30.10.2025 | 16:46 minSocial-Media-Follower als neue Währung
Wurde der Beckham-Hype maßgeblich durch das aufgekommene Privatfernsehen und die Boulevardisierung des Fußballs befeuert, wirken heute Instagram, TikTok, YouTube und Co. als Beschleuniger des Starkults.
"Social Media ermöglicht den Fans, vermeintlich zumindest, in virtueller Hinsicht ganz nah dran zu sein", erklärt Lange. "Das ist quasi eine neue Währung, die den Wert eines Fußballspielers mit symbolisiert und mit abbildet."
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29.05.2025 | 12:13 minAuch Klubs profitieren vom Starkult
Eine Währung, von der auch die Vereine profitieren und aus der sie per Merchandising echtes Geld machen. So wurde im vergangenen Jahr alleine das Barcelona-Trikot vom Lamine Yamal mehr als 1,3 Millionen Mal verkauft.
Bei solchen Umsätzen gibt mancher Klubverantwortliche dem Machtstreben seiner Stars bereitwillig nach. Kylian Mbappé etwa soll damals noch bei Paris St. Germain 2022 einen historischen Vertrag erhalten haben "mit Mitspracherecht bei Transfers sowie der Besetzung von wichtigen Posten im Klub", sagt Bolzplatz-Moderatorin Lili Engels.
Wir müssen uns alle fragen, ob wir das so mitmachen wollen.
Ex-Trainer Ewald Lienen über den zunehmenden Starkult im Fußball
Ausgerechnet PSG profitierte vom Abgang der Superstars
Kritiker beobachten die Entwicklung derweil mit Sorge, wie der frühere Bundesliga-Spieler und Trainer Ewald Lienen. "Eigentlich ist im Sport verankert, dass man etwas gemeinschaftlich macht", sagt der frühere Bundesliga-Spieler und Trainer im Bolzplatz.
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16.05.2024 | 14:00 minDas beste Beispiel für diese Erkenntnis lieferte ausgerechnet PSG selbst: Denn die Champions League gewann der Klub erst, als die vermeintlichen Erfolgsgaranten Messi, Mbappé und Neymar wieder weitergezogen waren.
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