Borussias neuer Trainer:Defensive stärken: Gladbach vertraut auf Alexander Blessin
von Stephan Klemm
Borussia Mönchengladbach setzt im Kampf um den Klassenerhalt auf ein bekanntes Gesicht: Alexander Blessin. Seine erste Aufgabe sollte die Stabilisierung der löchrigen Abwehr sein.
Alexander Blessin ist neuer Trainer bei Borussia Mönchengladbach.
Quelle: IMAGO / Jan HuebnerMit einer dürren, fünf Zeilen umfassenden Pressemeldung hat Borussia Mönchengladbach am Dienstag gegen 14 Uhr mitgeteilt, dass Alexander Blessin neuer Trainer des Bundesligisten sei. Sein Vertrag ist bis 2028 datiert. Der ehemalige Coach des FC St. Pauli tritt somit die Nachfolge des am 13. September entlassenen Eugen Polanski an.
Blessin übernimmt den Klub vom Niederrhein in einer für die Borussia heiklen Phase: Mönchengladbach ist nach vier Spieltagen der einzige Verein ohne Punktgewinn in der Bundesliga. Das Torverhältnis ist mit 6:16 verheerend. Allein sieben Gegentore kassierte Gladbach in der letzten Viertelstunde.
Borussia Mönchengladbach geht mit null Punkten in die Länderspielpause. Die Fohlen verlieren auch das Heimspiel gegen Mainz.
21.09.2026 | 10:41 minMit St. Pauli kassierte Blessin nur 41 Gegentore
Diese Gegentorflut einzudämmen, wird zunächst die vorrangige Aufgabe des 53 Jahre alten Schwaben Blessin sein. Wie weit er damit kurzfristig kommt, wird sich erstmals am fünften Spieltag zeigen. Gladbach gastiert am Sonntag, 11. Oktober, im für gewöhnlich hitzigen rheinischen Derby beim 1. FC Köln.
Blessin gelang es, den FC St. Pauli in dessen erster Saison nach dem Aufstieg, 2024/25 mit einem wenig erfahrenen Erstligakader überraschend in der Bundesliga zu halten. St. Pauli kassierte als Tabellen-14. in 34 Spielen nur 41 Gegentore. Das war damals nach dem Meister FC Bayern (32 Gegentore) der zweitbeste Wert.
Der Katastrophenstart für Borussia Mönchengladbach ist perfekt. Nach dem Debakel in Freiburg muss Trainer Polanski gehen. Der Sportclub grüßt derweil von ganz oben.
14.09.2026 | 8:45 minDiese statistischen Daten haben Gladbachs Sportchef Rouven Schröder auf der Suche nach einem Abwehrstabilisator offenbar beeindruckt. In der Vorsaison war St. Pauli mit Blessin als Tabellenletzter gleichwohl nicht mehr zu retten. Nach dem Abstieg trennten sich die Wege der Hamburger und des gebürtigen Stuttgarters.
Sportchef Schröder muss sich Fragen gefallen lassen
Schröder setzte zunächst auf Polanski, der nach einer schwachen Gladbacher Saison nicht unumstritten war. Für Schröder war klar: Polanski sollte erst Retter und in einem zweiten Schritt Entwickler sein. An Stufe zwei scheiterte Polanski allerdings.
Schröder hatte Polanski zuvor gleichwohl einen Kader zusammengestellt, der dessen Spielidee sehr entgegenkommt. Nun muss der Klub wieder einen Schritt zurückgehen: Vor der Entwicklung steht erneut die Rettung.
Eugen Polanski ist nicht mehr Trainer von Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach. Der Verein hat die Trennung nach dem Bundesliga-Fehlstart mit drei Niederlagen offiziell bestätigt.
13.09.2026 | 0:43 minAngesichts dieser Entwicklung wird sich auch Schröder Fragen nach seiner Strategie gefallen lassen müssen. Seine Entscheidung pro Polanski erwies sich als Flop. Zudem verfingen seine Neuverpflichtungen bisher nicht, wobei dabei auch Verletzungspech hinzukam. Mehrere der zehn neuen Spieler sind derzeit nicht einsatzfähig.
Es fehlt: Adäquater Ersatz für Elvedi und Reitz
Am vergangenen Samstag gegen Mainz kehrte der Interimscoach Jan-Moritz Lichte zu einer Dreier-/Fünferkette zurück. Er legte damit die von Polanski bevorzugte Vierer-Formation in der Hintermannschaft zu den Akten. Doch auch dieses Not-Experiment scheiterte, Gladbach verlor 3:4.
Borussia Mönchengladbach
Alexander Blessin (28.05.1973 in Stuttgart-Bad Cannstatt): Der 53-Jährige folgt Eugen Polanski, der nach dem 3. Spieltag entlassen wurde. Bis Juni 2026 war Blessin Trainer beim FC St. Pauli.
Quelle: Imago / BelgaVor allem nach Gegentoren verliert Mönchengladbach seine Statik, eine Entwicklung, die Blessin nun beheben soll. Zuletzt sagte Mittelfeldspieler Philipp Sander: "Sobald du eine Ecke gegen dich bekommst, hast du das Gefühl, es brennt lichterloh. Das ist belastend." Vor allem bei Standards ist Gladbach anfällig.
Dabei spielte die Borussia in der Vorsaison noch 13-mal zu null.
Das Selbstverständnis zu verteidigen, ist gerade flöten gegangen.
Rouven Schröder, Sportdirektor Borussia Mönchengladbach
Schröder gelang es vor allem nicht, den Abgang des zuverlässigen Innenverteidigers Nico Elvedi (er wechselte zu Leeds United) adäquat zu kompensieren. Auch ein passabler Ersatz für den zu Rasenballsport Leipzig gewechselten Rocco Reitz fehlt.
Für Blessin geht es nun vor allem darum, seine neue Mannschaft in kurzer Zeit neu auszubalancieren, sie zu stabilisieren und sie vor allem mental aufzurichten. Schröder setzt bei Blessin auf den unverstellten Blick von außen und darauf, "dass er viele Einzelgespräche" führt. Um mit seinem neuen Team zunächst mal in Köln zu bestehen.