Initiative "Fußball kann mehr":Frauen im Männerfußball: Da geht noch mehr
von Frank Hellmann
Mit Tatjana Haenni steht in Leipzig seit Januar die erste Frau an der Spitze eines Bundesligisten und markiert einen Meilenstein. Noch gibt es wenig Frauen in Führungspositionen.
Immer mehr Frauen übernehmen Verantwortung im Profifußball. Trotzdem bleibt die Branche in Führungspositionen eine Männerdomäne.
27.08.2026 | 0:46 minTatjana Haenni führt als erste Frau bei RB Leipzig als CEO einen Fußball-Bundesligisten, Marie-Louise Eta hat bei Union Berlin als erste Trainerin im deutschen Profifußball Geschichte geschrieben und Kathleen Krüger trifft die sportlichen Entscheidungen im Vorstand des Hamburger SV.
Mit Marie-Louise Eta steht erstmals eine Frau an der Seitenlinie in der Bundesliga. Das ist die neue Trainerin des 1. FC Union Berlin.
13.04.2026 | 0:56 minIm deutschen Männerfußball sind 2025/26 drei bahnbrechende Personalentscheidungen zustande gekommen, lobt die Frauen-Initiative "Fußball kann mehr" in ihrem Jahresbericht. Beiratsvorsitzende und Mitinitiatorin Katja Kraus:
Drei Vorbilder, die Frauen in und außerhalb der Branche dazu ermutigen, Karrierechancen im Fußball zu sehen und Mädchen motivieren, ihnen nachzueifern.
Katja Kraus, Frauen-Initiative "Fußball kann mehr"
Es brauche diese sichtbaren Veränderungen, "um den Pool an ambitionierten Frauen zu vergrößern". Umso mehr, als sich durch die Professionalisierung des Frauenfußballs - etwa mit der Gründung des neuen Ligaverbandes FBL e.V. - neue Stellenprofile definieren würden, die für Frauen prädestiniert seien.
Die Frauen-Bundesliga stellt sich neu auf. Die Ausgliederung aus dem DFB soll der Liga zu besseren Vermarktungschancen eröffnen und für mehr Professionalisierung sorgen.
07.12.2025 | 2:11 minVier Frauen sind neu im Top-Management
Was die frühere HSV-Vorständin freut: Vier der 19 Neubesetzungen im Top-Management in der vergangenen Saison waren Frauen. Eine deutliche Verbesserung zur Vorsaison, als nur eine der offenen Positionen an eine Frau ging. Svenja Schlenker rückte in die Geschäftsführung von Borussia Dortmund, mit Jennifer Zietz und Katharina Kienemann gehören sogar zwei Frauen zum Präsidium von Union Berlin.
Sabrina Wittmann ist die erste Chef-Trainerin im deutschen Profifußball. Im ZDF sportstudio spricht sie über Anfeindungen, Frauen im Männerfußball und den Traum Bundesliga.
30.11.2025 | 14:49 minDamit arbeiten nunmehr neun Frauen auf der höchsten operativen Führungsebene. Ihr Anteil liegt nun bei knapp zehn Prozent. Aber: Die überwältigende Mehrheit - 29 der 36 Klubs - haben im Vorstand oder in der Geschäftsführung eine rein männliche Managementperspektive. Auf der Ebene der Direktorenebene sind 84 von 432 Positionen (19,4 Prozent) an Frauen vergeben.
Positivbeispiel ist der FC St. Pauli
Immerhin acht Klubs übertreffen hier die geforderte Marke von 30 Prozent. Dagegen steht: Bei Holstein Kiel, FC Schalke 04, Karlsruher SC, Borussia Mönchengladbach und Hamburger SV arbeitet jedoch selbst auf der Direktorenebene unterhalb des Top-Managements keine einzige Frau. Eine offene Unternehmenskultur sieht anders aus.
Insgesamt offenbart sich ein Bild zwischen Fortschritt und Trägheit, schlussfolgert die zusammen mit der AllBright Stiftung erarbeitete Studie, die erneut die 36 Lizenzvereine der Bundesliga und 2. Bundesliga auf Diversität durchleuchtet hat. Der entscheidende Makel: In den Aufsichts- und Kontrollgremien sind Frauen mit knapp unter zwölf Prozent weiterhin unterrepräsentiert.
Kontrolle üben im Profifußball meist Männer aus
"Der deutsche Profifußball wird von einer erstaunlich einheitlichen Gruppe beaufsichtigt", kritisiert Kraus. Von den 32 Aufsichtsräten werden 30 von einem Mann geführt. 14 dieser Kontrollinstanzen sind immer noch reine Männerzirkel, die auf Machtsicherung gepolt sind.
Noch bedenklicher wird es, wenn man über das Geschlecht hinausblickt: Menschen mit internationalem Hintergrund kommen in den Kontrollgremien auf unter drei Prozent.
Katja Kraus
Die Gründe sind für die frühere Nationaltorhüterin offenkundig: "Die Regulatorik ist zu schwach - es gibt keine verbindlichen Vorgaben zu Transparenz, Zusammensetzung oder den Kompetenzen, die ein Kontrollgremium abdecken sollte."
Unions Trainerwechsel sorgt international für viel Aufmerksamkeit. Marie-Louise Eta ist die erste Cheftrainerin in einer der Top-5-Ligen Europas und erhält viel Zuspruch, aber auch Häme.
14.04.2026 | 1:37 minVon einer wirkungsvollen Dynamik oder nachhaltigen Trendwende könne daher noch nicht gesprochen werden. Bis zu einem echten Umdenken sei der Weg noch weit. Werder Bremen hat sich beispielsweise eine Quotenregelung gegeben, um den internen Druck zu erhöhen, mehr Frauen zu vertrauen.
Die gemeinnützige Initiative "Fußball kann mehr" (FKM) setzt sich seit 2022 für Geschlechtergerechtigkeit und Diversität im Fußball ein. Vorbild für den Report ist der jährliche AllBright-Bericht, der seit 2016 den Frauen-Anteil in Aufsichten und Vorständen der börsennotierten Unternehmen in Deutschland dokumentiert.
Als Positivbeispiel im deutschen Profifußball wird immer wieder der FC St. Pauli genannt, der sich über eine Mitgliederinitiative dem Ziel verschrieben hat, Frauen in Führungsämtern zu fördern. Den vierköpfigen Vorstand bilden je zwei Frauen und Männer. Im Aufsichtsrat des Bundesliga-Absteigers vom Kiez sitzen vier Frauen – und nur drei Männer. Auf der Direktorenebene arbeiten acht Frauen und 14 Männer.
Ergo hält der FKM-Jahresbericht trotz der neuen Gesichter Haenni, Eta und Krüger eben auch fest: Spektakuläre Einzelfälle sind kein Indiz für Wandel in der Breite. Für diesen bräuchte es auch die Menschen in den Kontrollgremien, die Diversität, Personalentwicklung und Unternehmenskultur den Vorständen als Zielvorgabe stellen. Hier schlummere immer noch ein gewaltiger Modernisierungshemmer, heißt es bei der Initiative "Fußball kann mehr".
Célia Šašić, DFB-Vizepräsidentin für Gleichstellung und Diversität, setzt sich für "mehr Frauen in Entscheiderpositionen" im Berufsfeld Fußball ein.
18.09.2024 | 3:55 minSie wollen über Sport stets auf dem Laufenden bleiben? Dann ist unser sportstudio-WhatsApp-Channel genau das Richtige für Sie. Egal ob morgens zum Kaffee, mittags zum Lunch oder zum Feierabend - erhalten Sie die wichtigsten News direkt auf Ihr Smartphone. Melden Sie sich hier ganz einfach für unseren WhatsApp-Channel an: sportstudio-WhatsApp-Channel.