Fußballtrainerin Grings: "Entscheidend allein fachliche Qualität"

Cheftrainerin Eta bei Union Berlin:Grings: "Entscheidend ist allein die fachliche Qualität"

von Johannes Fischer

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Die Berufung von Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin von Union Berlin ist historisch. Ex-Spielerin und Trainerin Inka Grings sieht darin ein starkes Signal, mehr aber noch nicht.

Inka Grings, Fußballtrainerin

Inka Grings, Fußballtrainerin (Archivbild)

Quelle: epa

Mit der Beförderung von Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin bei Union Berlin hat der deutsche Profifußball einen Moment erlebt, der weit über eine gewöhnliche Personalentscheidung hinausgeht. Erstmals übernimmt eine Frau ein Männerteam in der Bundesliga - ein Schritt, der lange als kaum vorstellbar galt. Die Ex-Nationalspielerin und heutige Trainerin Inka Grings sagte dazu ZDFheute:

Ich fand das großartig, Union Berlin setzt damit ein klares Signal. Dort geht es um Leistung - nicht um das Geschlecht.

Trainerin Inka Grings

Ein Satz, der einfach klingt, im Profifußball aber noch immer eine absolute Ausnahme beschreibt.

Marie-Louise Eta

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Cheftrainerin Eta: Bislang ein historischer Einzelfall

Eta ist die erste Cheftrainerin in der Geschichte der Männer-Bundesliga. Ein Meilenstein - und zugleich ein Sonderfall. Denn strukturell bleibt der Fußball männlich geprägt. Laut dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) gibt es aktuell rund 4.099 lizenzierte Trainerinnen im gesamten Verbandssystem (C- bis Pro-Lizenz). Vor fünf Jahren waren es 3.299 – ein Plus von etwa 24 Prozent. Doch trotz dieses Wachstums bleibt der Anteil im Profibereich gering.

Selbst in der Frauen-Bundesliga sind aktuell nur sechs von 14 Cheftrainerposten mit Frauen besetzt. Für Grings, die unter anderem bereits die Schweizer Frauenfußball-Nationalmannschaft trainierte, ist Etas Aufstieg zur Cheftrainerin bei Union Berlin deshalb erst der Anfang: "Ich glaube, das muss sich entwickeln", sagte sie. "Es gibt noch nicht viele Frauen, die sich in diesem Bereich sehen oder dort positioniert sind."

Grings: Eta hat sich die Position erarbeitet

Der Einstieg in den Trainerberuf ist für alle kompliziert - für Frauen aber oft zusätzlich erschwert, wie auch Grings berichtet:

Ich bin selbst seit fast einer Saison ohne Job. Das ist nicht einfach. Und das schreckt natürlich ab.

Trainerin Inka Grings

Die Unsicherheit im Trainergeschäft wirkt als strukturelle Hürde. Grings spricht dabei auch aus eigener Erfahrung: 2019 wurde sie selbst zur ersten Frau, die einen Cheftrainerposten im Männerbereich übernahm, als sie beim damaligen Regionalligisten SV Straelen anheuerte. Diese Erfahrung habe ihren Blick auf die Strukturen geprägt – und darauf, wie langsam sich Veränderungen im System tatsächlich vollziehen.

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Gefragt wird oft auch, ob Spieler eine Frau als Trainerin akzeptieren? Für Grings ist die Antwort klar. "Natürlich. Warum denn nicht? Entscheidend ist allein die fachliche Qualität." Eta habe sich diese Position erarbeitet. "Sie hat die Pro-Lizenz, Erfahrung und Führungsqualitäten. Genau das brauchen Spieler." Es gehe um Führung, Klarheit und Vertrauen – nicht um Rollenbilder.

Weg für Frauen nach Misserfolgen steiniger

Während männliche Trainer nach Misserfolgen oft neue Chancen erhalten, ist der Weg für Frauen deutlich steiniger. "Bei Männern ist es so: Egal ob erfolgreich oder nicht - sie bekommen oft wieder einen Job", sagt Grings. "Bei Frauen ist das leider noch anders." Eine Beobachtung, die auch die Debatte um strukturelle Förderung verstärken dürfte.

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Auch international bleibt der Männer-Teamsport eine absolute Ausnahmezone für weibliche Cheftrainer. Ein seltenes Beispiel liefert der Basketball: Die Australierin Liz Mills übernahm 2021 die kenianische Männer-Nationalmannschaft und führte sie in die Qualifikation zur Afrika-Meisterschaft. Sie gilt als eine der ersten Frauen weltweit, die ein Männer-Nationalteam in einem großen internationalen Wettbewerb betreute.

Eta-Beförderung könnte Signalwirkung haben

Im Fußball, Eishockey oder American Football beschränken sich Frauen im Trainerbereich dagegen fast ausschließlich auf Assistenzrollen. Auch deshalb hat der Schritt von Eta über Deutschland hinaus Signalwirkung, weil er eine Grenze verschiebt, die bislang kaum jemand überschritten hat.

Am Ende wird Eta an denselben Maßstäben gemessen wie ihre männlichen Kollegen: Ergebnisse, Punkte, Tabellenplatz. Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung dieses Schritts.

Wenn dieser Moment nicht als Ausnahme stehen bleibt, sondern zur Normalität wird, hätte er seine größte Wirkung entfaltet. Nicht als Geschichte über eine Frau im Männerfußball, sondern als Geschichte über einen ganz normalen Trainerjob.

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Quelle: Reuters

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Über dieses Thema berichte das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF in der Sendung am 14. April 2026 ab 5:30 Uhr.

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