Stadion-Sicherheit: Verhärtete Fronten zwischen Politik und Fans

Sicherheit in Fußball-Stadien:Verhärtete Fronten zwischen Politik und Fans

von Christoph Ruf

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In der Diskussion um die Sicherheit bei Fußballspielen erhöht die Politik den Druck. Und handelt sich prompt den Vorwurf des "Populismus" ein.

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In der Debatte um die Sicherheit in deutschen Fußballstadien verschärfen die Innenminister den Ton. Die Statistiken sagen etwas anderes aus. Auch Fanorganisationen widersprechen deutlich.

20.03.2026 | 2:32 min

Am Wochenende war die Polizei an mehreren Orten in Alarmbereitschaft. Ligaübergreifend standen schließlich drei Risikospiele auf dem Spielplan.

Doch beim Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig blieb es ebenso friedlich wie bei den Partien 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt gegen Mainz 05.

"Positive Seiten der Fankultur wertschätzen"

Dafür lieferten sich am Sonntag Hamburger und Dortmunder Hooligans eine Straßenschlacht. Auch das ist Thema, wenn sich ab Mittwoch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte in Erfurt in Workshops trifft.

Es gelte "angesichts der Sicherheitsthemen Handlungsspielräume zu erhalten und die positiven Seiten der Fankultur wertzuschätzen", sagt Sprecherin Antje Hagel.

Die Innenminister erhöhen den Druck

Ganz andere Akzente setzte die Konferenz der Landes-Sportminister, die am Freitag zu Ende ging. Man sehe "die Gefahr, dass wir an einem Kipppunkt sind", sagte Hamburgs Sportsenator Andy Grote.

Im Interview mit dem "kicker" hatten zuvor Herbert Reul (NRW) und sein sächsischer Kollege Armin Schuster scharfe Kritik an den Klubs geübt.

Haben die Klubs den Vertrauensvorschuss missbraucht?

Statt "einer allmächtigen zentralen Stadionverbotskommission" habe man sich im Dezember darauf eingelassen, nur eine "übergeordnete Instanz, eine Fachaufsicht" einzurichten und es den Klubs überlassen, die Stadionverbote effizienter zu handhaben.

"Das scheint missverstanden worden zu sein", so Schuster. "Für mich fühlt es sich so an, als würde jeden Samstag und Sonntag in meine ausgestreckte Hand geschlagen."

Berliner Polizei ist in der Kritik

Dem widerspricht der Bundesverband der Fanhilfen. Zumal "gleichzeitig Repressionen gegen Fans immer weiter zunehmen, ohne jede Selbstkritik der Polizei. Wir zählen 32 überzogene und gewalttätige Übergriffe von Einsatzkräften gegen Fans in dieser Saison."

Auch Hertha BSC übte nach dem Heimspiel gegen Schalke 04, bei dem zahlreiche Fans verletzt wurden, Kritik. "Im Zuge des Einsatzes" hätten "auch Mitarbeitende von Hertha BSC, die versuchten, die Situation zu schlichten, Reizgas abbekommen."

Fans im Fußballstadion

Am Wochenende wird es in Deutschlands Bundesliga-Stadien 12 Minuten ruhig sein. Wieso das so ist, erklärt ZDF-Reporterin Franziska Müllers.

21.11.2025 | 0:38 min

Wo kein Kläger, da kein Richter

Die Politik ist allerdings nicht von ungefähr alarmiert. Verabredete Schlägereien an abgelegenen Plätzen gab es zuletzt wieder häufiger.

Doch wo keine Kameras und keine Polizisten sind, können auch keine Täter ermittelt werden. Die Frage der Stadionverbote ist hier also irrelevant.

Eine schwerverletzte Polizistin

Anders verhielt es sich beim Derby zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden, wo eine Polizistin schwer verletzt wurde. Kurz darauf erfolgten Festnahmen. Zahlreiche Stadionverbote werden folgen.

Überhaupt glauben die Vereine, dass sie mit ihrer Expertise zielgerichteter agieren als eine zentrale Kommission. Den Vorwurf der Kungelei wies Niels Rossow, Vorstand des 1. FC Nürnberg, schon im Dezember zurück.

Wir haben eine exzellente Kooperation mit der Polizei und mit der Fanszene.

Niels Rossow, Vorstand des 1. FC Nürnberg

Zudem verfolge man "ein Konzept, das gemeinschaftlich entwickelt wurde und nachweislich zu einem noch sichereren Stadionerlebnis geführt hat."

Auch Fanhilfen-Sprecher Danny Graupner hält die Argumentation der Politik für populistisch: "Nur eine entlang der Fakten gemeinsam mit Fans geführte Debatte kann zu tragfähigen Lösungen führen."

Pyrotechnik im Fußballstadion

Bei der Innenministerkonferenz in Bremen sind die Sicherheitsmaßnahmen in Fußballstadien ein zentrales Thema. In den vergangenen Wochen gab es zahlreiche Fanproteste gegen die Pläne.

03.12.2025 | 1:52 min

Sachsens Innenminister öffnet den "Instrumentenkasten"

Derweil erhöhen die Innenminister den Druck. Er warte "mit ausgestreckter Hand auf Kooperation", sagte Schuster auf Norderney.

Die Politik verfüge aber über einen "Instrumentenkasten", der "ziemlich breit und tief" sei: "Da sind die Rechnungen (für Polizeieinsätze, d. Red.) drin, da sind Veranstaltungsuntersagungen drin und noch mehr."

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Über dieses Thema berichtete das heute-journal in dem Beitrag "Innenminister erhöhen Druck auf die DFL" vom 20.03.2026 ab 22 Uhr.
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