Magenbypass: Operation bei Adipositas:Spritze oder OP: Ist der Magenbypass auf Dauer effektiver?
von Gunnar Fischer
Während die "Abnehmspritze" schnelle Erfolge ohne OP verspricht, steht der Magenbypass für einen radikalen Neustart. Wann welche Option im Kampf gegen Adipositas in Betracht kommt.
Jahrelang litt Mickey Wiese unter einer schwergradigen Fettleibigkeit. Wie eine Magenbypass-Operation sein Leben veränderte.
23.06.2026 | 5:15 minDer Traum vom schnellen Abnehmen ist offenbar mit den sogenannten Abnehmspritzen für viele greifbar geworden: Die Nachfrage nach Medikamenten wie Semaglutid oder Tirzepatid explodiert und auch die Zahl der Verschreibungen ist in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches gestiegen.
Etliche adipöse Menschen erhoffen sich mit der "Wunderspritze" eine einfache Lösung für ihr Gewichtsproblem. Dafür nehmen sie auch die hohen selbst zu tragenden Kosten von 300 bis 500 Euro pro Monat für eine langfristige Anwendung bereitwillig in Kauf.
Menschen mit starkem Übergewicht haben ein drastisch erhöhtes Risiko, bei Infektionen einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden - bis hin zum Tod. Das zeigt eine aktuelle Studie.
10.02.2026 | 0:33 minAbnehmspritze verspricht purzelnde Pfunde
Tatsächlich sind die Studienergebnisse beeindruckend. Im Schnitt verlieren Betroffene mit der Abnehmspritze innerhalb eines Jahres bis zu 15 Prozent ihres Körpergewichts. Auch Sylvia Weiner, Leiterin des Adipositaszentrums am Krankenhaus Sachsenhausen der Universitätsmedizin Frankfurt, sieht darin großes Potenzial. Sie weist aber auch auf ihre Grenzen hin. Denn gerade für Menschen mit schwerer Adipositas reiche laut Weiner eine medikamentöse Behandlung oft nicht aus.
Hinsichtlich der Langfristigkeit und Effizienz sind operative Verfahren den Medikamenten überlegen.
Dr. Sylvia Weiner, Universitätsmedizin Frankfurt
Die medikamentöse Therapie wirkt nur so lange, wie sie angewendet wird. Beim Absetzen der Spritze droht der Jo-Jo-Effekt, bei dem mit dem Hunger auch das erhöhte Gewicht zurückkehren kann.
Ozempic wird als Abnehmspritze gehypt, ist dafür in Deutschland aber nicht zugelassen. Welche Mittel für wen geeignet sind - und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind.
21.04.2026 | 3:20 minMagenbypass und Schlauchmagen
Eine dauerhafte Gewichtsreduktion wird eher mit operativen Maßnahmen erreicht. Hierbei haben sich in der Adipositas-Chirurgie zwei Verfahren durchgesetzt - der Magenbypass und der Schlauchmagen. Beim sogenannten Schlauchmagen wird ein großer Teil des Magens dauerhaft entfernt. Übrig bleibt ein schlauchförmiger Restmagen. Der Magenbypass geht einen Schritt weiter. Neben der Verkleinerung des Magens wird auch ein Teil des Dünndarms umgeleitet.
Mit dem Magenbypass erreichen wir, dass Bereiche des Magens und des Darms ausgeschaltet werden, die Hormone in falscher Weise ausschütten.
Dr. Sylvia Weiner, Fachärztin für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie
Die Verkleinerung des Magens beeinflusst also nicht nur die Nahrungsmenge, sondern auch wichtige Stoffwechselprozesse, die einen reduzierten Appetit bewirken.
Immer mehr Menschen greifen auf die sogenannte Abnehmspritze mit dem Wirkstoff Semaglutid zurück, um Gewicht zu verlieren. Dabei nehmen sie auch die Nebenwirkungen in Kauf.
23.09.2025 | 5:33 minWann ein Magenbypass in Betracht kommt
Bevor eine Magenbypass-Operation durchgeführt werden kann, müssen bestimmte medizinische Voraussetzungen erfüllt sein. Denn die Krankenkasse zahlt einen Magenbypass nur, wenn er wirklich medizinisch notwendig ist.
Vier Voraussetzungen für einen Magenbypass
Die wichtigste Grundlage für die Entscheidung ist der sogenannte Body-Mass-Index (BMI). Ab einem BMI von 40 oder höher werden in der Regel die Kosten für eine Operation übernommen. Liegt der BMI zwischen 35 und 40, ist der Eingriff möglich, wenn zusätzliche Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen.
Eine Operation ist niemals der erste Schritt. Erst wenn konservative Maßnahmen wie Ernährungsumstellung und ein aktiveres Bewegungsverhalten langfristig keinen ausreichenden Erfolg bringen, kommt eine Operation in Betracht.
Betroffene dürfen beim chirurgischen Eingriff keinem Risiko ausgesetzt sein. Ausschlusskriterien sind etwa schwere Herz- oder Lungenerkrankungen. Auch Schwangere oder Menschen mit einer Krebstherapie sollten nicht operiert werden.
Neben körperlichen Kriterien ist auch die psychische Eignung für einen Magenbypass entscheidend. Deswegen müssen zum Beispiel psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Suchterkrankungen sowie unbehandelte Essstörungen ausgeschlossen werden. Schließlich ist der Magenbypass nur dann erfolgreich, wenn Patienten die Veränderungen im Essverhalten, die mit der Operation einhergehen, auch dauerhaft umsetzen können.
Wie schaffen es Adipositas-Betroffene, dauerhaft abzunehmen? Ein Adipositas-Kongress fordert mehr Bewegung und gesundes Schulessen.
08.10.2025 | 2:45 minMagenbypass als letzte Möglichkeit
Für viele Menschen mit Adipositas ist eine Magen-Operation laut Weiner der letzte Ausweg, um ihr krankhaftes Übergewicht und die Folgen loszuwerden.
Wir erzielen mit dem Eingriff eine Lebenszeitverlängerung von rund zehn Jahren.
Dr. Sylvia Weiner, Adipositas-Chirurgie, Universitätsmedizin Frankfurt
So ließe sich mit einem Magenbypass etwa das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall senken. Wie Weiner weiter erklärt, gehe es weniger um Ästhetik, sondern darum, ernsthafte Folgeerkrankungen zu behandeln. Hierzu zählen insbesondere Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe, Nieren- und Lebererkrankungen.
Der Magenbypass gilt daher als hochwirksames chirurgisches Verfahren zur Behandlung schwerer Adipositas und ihrer Folgeerkrankungen. Das Resultat ist meist deutlicher und langfristig stabiler als bei Medikamenten wie sie in Abnehmspritzen zum Einsatz kommen.
Wie bei jeder größeren Bauchoperation gibt es auch beim Magenbypass chirurgische Risiken. Dazu gehören unter anderem:
An den neu angelegten Verbindungen im Magen-Darm-Trakt können Verdauungsflüssigkeiten austreten und schwere Entzündungen verursachen, wenn diese an den Nähten nicht richtig dicht sind.
Nachblutungen im Bauchraum durch verletzte Gefäße oder lokale Infektionen der kleinen Bauchschnitte sind möglich.
Ein allgemeines Operationsrisiko ist die Bildung von Blutgerinnseln, die zum Verschluss von Blutgefäßen, zum Beispiel in der Lunge, führen können. Durch die Gabe von Blutverdünnern kann dem entgegengewirkt werden.
Die Zahl der chirurgischen Eingriffe zur Gewichtsreduktion hat sich in Deutschland seit 2010 vervierfacht. Mima-Reporterin Susanna Susanka will wissen, woran das liegt.
07.10.2025 | 7:31 minLangfristige Auswirkungen von einem Magenbypass
Der Magenbypass ist als Eingriff auf Dauer angelegt und nur bedingt in zwingenden medizinischen Notfällen chirurgisch umkehrbar.
Die Operation bedeutet eine lebenslange Veränderung der Essgewohnheiten sowie eine regelmäßige medizinische Nachsorge. Durch den Eingriff werden bestimmte Nährstoffe schlechter aufgenommen. Daher müssen Betroffene lebenslang Vitamine und Mineralstoffe in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nehmen, denn sonst drohen Mangelerscheinungen und gesundheitliche Komplikationen.
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