Boom für zwei Pharmakonzerne:Milliardengeschäft mit Abnehmspritzen - bleibt das so?
von Tabea Mirbach
Abnehm-Medikamente verändern das Leben vieler Patienten. Als Umsatztreiber spülen sie Milliarden in die Kassen von Novo Nordisk und Eli Lilly. Warum die Preise hoch bleiben werden.
Abnehmen mit Spritze - für Menschen mit Adipositas die große Hoffnung, für die Hersteller ein Milliardengeschäft. Warum sind Abnehmspritzen so teuer? Und warum zahlen die Krankenkassen nicht?
12.01.2026 | 20:02 minDie Abnehmspritze gilt als Gamechanger für Menschen mit starkem Übergewicht und trifft auf einen riesigen potenziellen Markt: 53,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind übergewichtig, 19 Prozent sogar adipös. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach den Spritzen, die Abhilfe schaffen sollen.
Die Wirkstoffe in den Spritzen sorgen unter anderem für ein längeres Sättigungsgefühl und sind so ein Hilfsmittel für Menschen, die mit Diät und Sport allein nicht abnehmen konnten.
Die Abnehmspritze ist für mich die fehlende Möglichkeit gewesen, um vielen Patienten nachhaltig zu helfen.
Prof. Till Hasenberg, Sana Adipositaszentrum NRW
Abnehmspritzen können das Körpergewicht und damit auch andere Gesundheitsrisiken deutlich senken. Warum übernehmen Krankenkassen die Kosten dann nur in Ausnahmefällen?
14.11.2025 | 2:33 min"Ozempic" und "Wegovy" pushen Wirtschaftswachstum von Dänemark
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk gilt als Pionier der Abnehmspritzen. Bereits 1990 forschte das Unternehmen an einem Wirkstoff zur Diabetesbehandlung. 2017 brachte Novo Nordisk schließlich "Ozempic" mit dem Wirkstoff Semaglutid auf den Markt. Ein Medikament zur Behandlung von Diabetes, das als Nebeneffekt zu deutlicher Gewichtsabnahme führte. Weltweit entstand ein Hype, auch unter Menschen ohne Diabetes, der zu Lieferengpässen führte.
Novo Nordisk führte daraufhin mit "Wegovy" ein Präparat mit demselben Wirkstoff speziell für Adipositas ein. Der Umsatz des Unternehmens stieg von ca. 15 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf 38,9 Milliarden Euro im Jahr 2024. Zwischenzeitlich war Novo Nordisk das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas, mit spürbarem Effekt auf das dänische Wirtschaftswachstum.
Diät-Shakes sollen Mahlzeiten ersetzen und versprechen schnelles Abnehmen. Stiftung Warentest hat 20 Produkte geprüft: Wie gut sind Geschmack und Nährstoffe?
19.12.2025 | 4:52 min"Mounjaro" bringt Milliarden für Eli Lilly
Konkurrenz kommt aus den USA vom Pharmakonzern Eli Lilly. Mit der Abnehmspritze "Mounjaro" und dem eigenen Wirkstoff Tirzepatid sicherte sich das Unternehmen einen großen Marktanteil. 2024 erzielte Eli Lilly 43,4 Milliarden Euro Umsatz und wurde zum wertvollsten Pharmakonzern der Welt.
Der Wettbewerb zwischen den Herstellern und ihren Abnehmspritzen ist intensiv. Studien zeigen eine stärkere Gewichtsabnahme mit Tirzepatid im Vergleich zu Semaglutid. Unter anderem als Reaktion auf die Studienergebnisse und negativ ausfallende Jahresprognosen halbierte sich der Aktienwert von Novo Nordisk im Laufe des Jahres 2025.
Immer mehr Erwachsene sind krankhaft übergewichtig. Gegen die Volkskrankheit Adipositas versprechen Abnehmspritzen Hilfe - Mediziner stehen dem jedoch oft kritisch gegenüber.
08.10.2025 | 1:32 minPreise für Abnehmspritzen bleiben hoch
Trotz anhaltendem Konkurrenzkampf der beiden Hersteller bleiben die Preise für Abnehmspritzen hoch. "Mounjaro" kostet bei der vorgesehenen wöchentlichen Anwendung bis zu 490 Euro pro Monat, "Wegovy" bis zu 276 Euro - Kosten, die die Patient*innen selbst tragen müssen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Menschen mit Adipositas nicht, im Gegensatz zu den Kosten für "Ozempic", das für die Behandlung von Diabetes zugelassen ist.
Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen nach aktueller Gesetzeslage die Kosten für Abnehmspritzen nicht übernehmen. Das Gesetz besagt, dass sogenannte "Lifestyle-Arzneimittel", die überwiegend der Verbesserung der Lebensqualität dienen, von der Kostenübernahme bei den gesetzlichen Krankenversicherungen ausgeschlossen sind. Zu dieser Arzneimittelgruppe zählen neben Abnehmspritzen unter anderem auch Medikamente zur Raucherentwöhnung, Potenzmittel sowie Mittel zur Förderung des Haarwachstums.
Unabhängig von der gesetzlichen Regelung wäre eine Kostenübernahme laut dem AOK-Bundesverband jedoch auch finanziell nicht realisierbar. Nach dessen Berechnungen würden sich die jährlichen Behandlungskosten durch Abnehmspritzen für alle Adipositas-Patient*innen auf rund 45 Milliarden Euro belaufen. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 gaben die gesetzlichen Krankenkassen insgesamt etwa 50 Milliarden Euro für alle Medikamente aus.
Besonders auffällig: Obwohl "Ozempic" und "Wegovy" denselben Wirkstoff in identischer Dosierung enthalten, unterscheiden sich ihre Preise deutlich. Umgerechnet auf ein Milligramm pro Monat kostet "Ozempic" mit Privatrezept etwa 99 Euro, während Hersteller Novo Nordisk für "Wegovy" rund 172 Euro verlangt. Heißt: "Wegovy" ist trotz gleicher Wirkstoffkonzentration etwa 74 Prozent teurer.
Immer mehr Menschen greifen auf die Abnehmspritze mit ihrem Wirkstoff Semaglutid zurück, um ihren Appetit zu hemmen. Dabei nehmen Viele die Nebenwirkungen in Kauf, um ihr Gewicht zu reduzieren.
23.09.2025 | 5:33 minNovo Nordisk und Eli Lilly können Preise selbst bestimmen
Novo Nordisk verweist darauf, dass "Wegovy" separate Studien und Zulassungsverfahren durchlaufen musste, was zu höheren Kosten geführt habe. Allerdings: Solange Novo Nordisk und Eli Lilly den Markt dominieren, können sie ihre Preise weitgehend selbst bestimmen.
Pharmaunternehmen sind gewinnorientierte Unternehmen und haben den Anreiz, Preise profitmaximierend zu setzen.
Prof. Tom Stargardt, Universität Hamburg
Die Hersteller führen zudem die hohen Forschungs- und Entwicklungskosten als Rechtfertigung an. Für Adipositas-Patient*innen bedeutet das: Die Abnehmspritze bietet eine potenziell lebensverändernde Therapie, ist aber gleichzeitig eine erhebliche finanzielle Belastung.
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