Protonenpumpenhemmer richtig absetzen:Übertherapie mit Säureblockern kann gefährlich sein
von Thomas Förster
Unter Sodbrennen leidet zeitweise jeder Fünfte in Deutschland. Viele greifen dann zu Säureblockern. Doch langfristig drohen gefährliche Nebenwirkungen. Wie man sie wieder absetzt.
Seit einem Jahr nimmt Marion Remmert Säureblocker. Zufällig hat sie erfahren, dass diese schwere Nebenwirkungen haben können. Wie ihr das Absetzen gelingt.
16.06.2026 | 4:55 minSäureblocker gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten in Deutschland. Wirkstoffe wie Pantoprazol oder Omeprazol aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer gelten als wirksam und gut verträglich.
Experten warnen jedoch vor einer Übertherapie mit Säureblockern. Die Anwendung über Monate oder Jahre sei oft unnötig, um die Symptome in den Griff zu bekommen.
Wie Säureblocker wirken
Säureblocker blockieren in den sogenannten Belegzellen des Magens ein Enzym, das für die Säurebildung verantwortlich ist. Dadurch wird deutlich weniger Magensäure produziert und die Schleimhaut wird weniger stark gereizt. Entzündungen können abheilen, Beschwerden wie Sodbrennen oder saures Aufstoßen werden gelindert.
Ein gastroösophagealer Reflux kann sich auch ohne Sodbrennen durch viele andere Symptome zeigen. Man sollte sie kennen, um einer gefährlichen Schädigung der Speiseröhre vorzubeugen.
16.12.2025 | 4:43 minAnstieg der Verordnungen von Säureblockern
Pantoprazol und Co. sind in niedrigen Dosierungen rezeptfrei erhältlich. In höheren Dosierungen sind sie verschreibungspflichtig. Derzeit werden etwa siebenmal so viele Säureblocker verschrieben wie Anfang der 2000er- Jahre - etwa 3,8 Milliarden Tabletten pro Jahr. Hinzu kommen rezeptfreie Präparate. Joachim Labenz, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologe, kritisiert den rapiden Anstieg.
Man schätzt, dass etwa die Hälfte der Verordnungen von Säureblockern überflüssig ist.
Prof. Dr. Joachim Labenz, Gastroenterologe
Für die gestiegenen Zahlen seien auch Ärzte verantwortlich, die die Präparate unkritisch verordnen, so Labenz.
Säureblocker werden oft gegen Sodbrennen bei Reflux eingesetzt. Dabei gelangt Magensäure aus dem Magen in die Speiseröhre, was zu Brennen hinter dem Brustbein, saurem Aufstoßen und/oder Druck im Oberbauch führen kann. Auslöser sind unter anderem Übergewicht, spät eingenommene Mahlzeiten sowie Stress. Auch eine sogenannte Zwerchfellhernie, eine Lücke im Zwerchfell, das den Brustkorb vom Bauchraum trennt, kann die Ursache von Sodbrennen sein.
Übertherapie von Säureblockern
Der Gastroenterologe kritisiert den Einsatz von Säureblockern gegen Sodbrennen, wenn er über wenige Wochen hinausgeht. Dafür gebe es meist keine medizinischen Gründe, so Labenz.
95 Prozent der Patienten benötigen nur eine kurzfristige Therapie mit Säureblockern.
Prof. Dr. Joachim Labenz, Gastroenterologe
Oft würden Säureblocker dauerhaft über Monate oder sogar Jahre eingenommen, nachdem sie in einer Klinik erstmals angeordnet wurden. Eine längerfristige Therapie sei laut Labenz aber nur bei maximal fünf Prozent der Patienten sinnvoll, etwa bei schweren Entzündungen der Speiseröhrenschleimhaut.
Eine Gastroparese ist eine Störung der Magenentleerung: Die Magenmuskulatur arbeitet verlangsamt, wodurch die Verdauung gestört wird. Wie lässt sich die Erkrankung behandeln?
20.08.2025 | 5:21 minHäufige Verordnung von Säureblockern in Krankenhäusern
Viele Kliniken geben Säureblocker als Magenschutz, etwa bei der Gabe von starken Schmerzmitteln oder vor Operationen, um Reizungen und Blutungen im Magen vorzubeugen. Problematisch werde es, wenn Patienten die Medikamente nach der Entlassung weiter einnehmen und niedergelassene Ärzte nicht kritisch hinterfragen, ob die Präparate abgesetzt werden können, sagt der Gastroenterologe.
Folgen der Dauertherapie mit Säureblockern
Magensäure hilft bei der Verdauung, schützt den Körper vor Keimen und unterstützt die Aufnahme wichtiger Nährstoffe. Das dauerhafte Absenken der Säureproduktion kann ein erhöhtes Infektionsrisiko und Störungen der Nährstoffaufnahme zur Folge haben.
Laut Labenz kann der Mangel an Nährstoffen wie Eisen, Magnesium oder von Vitamin B12 sogar lebensbedrohlich werden. Ob das Risiko für Osteoporose, Demenz oder Diabetes steigt, dafür gebe es keine Belege.
Magnesiumpräparate boomen. Doch wann ist die Einnahme wirklich sinnvoll?
11.09.2025 | 4:10 minAlternativen zu Säureblockern
Produkte wie Alginate, Antazida, Heilerde oder Extrakte des Feigenkaktus sind eine Alternative zu Säureblockern. Allerdings zahlen gesetzlich Versicherte die frei verkäuflichen Präparate im Gegensatz zu Säureblockern auf Rezept in der Regel selbst. Oft seien die Alternativen verträglicher, erklärt Labenz.
Alternativen zu Säureblockern wirken nicht unbedingt schlechter und meist sogar schneller als Protonenpumpenhemmer.
Prof. Dr. Joachim Labenz, Internist und Gastroenterologe
Auch ein veränderter Lebensstil mit einem bewussteren Ernährungs- und Bewegungsverhalten könne Sodbrennen entgegenwirken, so der Gastroenterologe.
Bei vielen Menschen spielt Übergewicht als Auslöser von Reflux und Sodbrennen eine wichtige Rolle. Es erhöht den Druck im Bauchraum, wodurch Magensäure leichter aus dem Magen zurück in die Speiseröhre fließen kann. Wer es schafft abzunehmen, kann auf Säureblocker oft verzichten.
Eine andere Maßnahme kann ein Atem- und Zwerchfelltraining sein. Es soll den Schließmuskel der unteren Speiseröhre stärken, um Sodbrennen zu reduzieren. Darüber hinaus sollte man große und späte Mahlzeiten meiden und eine leichte, mediterrane Kost bevorzugen. Empfohlen wird auch, auf den Konsum von Nikotin zu verzichten und Alkohol zu reduzieren.
Säureblocker richtig absetzen
Säureblocker sollten nicht abrupt abgesetzt werden, da die Säureproduktion im Magen daraufhin ansteigen kann. Diesen Rebound-Effekt halten viele für einen Rückfall in alte Beschwerden, obwohl er zeitlich begrenzt ist. Ärzte empfehlen daher eine langsame Reduktion der Dosis, um Säureblocker Schritt für Schritt mit so wenig Nebenwirkungen wie möglich abzusetzen.
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