Rauchstopp auf Rezept:Krankenkassen zahlen Medikamente zur Rauchentwöhnung
von Thomas Förster
Nikotin macht stark abhängig. Von Zigaretten loszukommen, ist schwer. Wer mit dem Rauchen aufhören will, bekommt nun Hilfe von der Krankenkasse - in Form von Pflaster und Tablette.
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für Medikamente zur Rauchentwöhnung, zum Beispiel für Nikotinpflaster.
Quelle: Imago / DepositphotosIn Deutschland raucht laut Statistischem Bundesamt aktuell knapp ein Fünftel der Bevölkerung. Vier Versuche braucht jeder Raucher im Schnitt bis zum Nichtraucher. Individuelle Faktoren wie die Stärke der Nikotinabhängigkeit spielen bei der Rauchentwöhnung eine große Rolle. Hilfreich kann hier die Unterstützung durch Medikamente sein.
Rauchen ist ungesund, trotzdem greift jeder fünfte Erwachsene zur Zigarette. Zehntausende Menschen sterben jährlich an den Folgen. Die Initiative "Rauchfrei im Mai" will den Ausstieg erleichtern.
11.05.2026 | 2:43 minSeit vergangenem Sommer übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für Medikamente zur Rauchentwöhnung. Dazu gehören Nikotinpflaster und -kaugummis sowie Tabletten mit dem Wirkstoff Vareniclin. Grundlage dafür ist ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), der festlegt, welche Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen.
Unterschiedliche Wirkmechanismen bei Nikotinpflaster und Tablette
Nikotinpflaster geben eine bestimmte Menge Nikotin langsam und kontinuierlich über die Haut ab. So bleibt der Nikotinspiegel im Körper stabil, was Entzugssymptome deutlich vermindern kann. Die Dosis wird schrittweise reduziert, um den allmählichen Ausstieg aus der Nikotinabhängigkeit zu ermöglichen.
Tabletten mit dem Wirkstoff Vareniclin besetzen die Nikotin-Rezeptoren im Gehirn. Das Verlangen nach Nikotin wird schwächer. Das Therapiekonzept sieht vor, dass man zu Beginn der Behandlung weiter raucht. Da die Nikotin-Rezeptoren bereits von Vareniclin besetzt sind, findet die Zigarette keinen Platz mehr im Gehirn, erklärt Pneumologe Matthias Krüll.
Durch den Wirkstoff wird der Belohnungseffekt durch Nikotin abgeschwächt und das positive Gefühl vom Rauchen bleibt aus.
Priv.-Doz. Dr. Matthias Krüll, Lungenfacharzt
Das erleichtert den Rauchstopp deutlich. Für die Kostenübernahme durch die Krankenkassen gibt es aber einige Bedingungen.
Voraussetzungen der Kostenübernahme
Raucher benötigen zunächst eine ärztliche Verordnung. Zudem müssen sie eine starke Nikotinabhängigkeit nachweisen. Diese wird mithilfe eines Fragebogens (Fagerström-Test) festgestellt. Eine weitere Bedingung ist die Teilnahme an einem zertifizierten Entwöhnungsprogramm.
Die Kostenübernahme gilt zunächst für drei Monate, kann aber bei Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung verlängert werden. Ist die Behandlung einmal abgeschlossen, übernehmen die Krankenkassen frühestens nach drei Jahren erneut die Kosten für die Medikamente.
Nachrichten | Panorama:Letzte Zigarette: So erholt sich der Körper
Wie wirksam sind Nikotinpflaster und Tabletten
Studien zeigen, dass Raucher mit beiden Mitteln eine höhere Chance haben, Nichtraucher zu werden, als ohne Hilfsmittel. Gegenüber einer Placebo-Behandlung steigt die Wahrscheinlichkeit nach sechs Monaten rauchfrei zu sein mit einem Nikotinpflaster um rund 50 Prozent, mit Tabletten um etwa 130 Prozent.
Die Präparate sind die wichtigste Säule zum Rauchstopp überhaupt geworden.
Priv.-Doz. Dr. Matthias Krüll, Pneumologe
Viele Betroffene kommen so dem Rauchstopp ein Stück näher.
Jährlich sterben in Deutschland rund 125.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, auch durch Passivrauchen. Jede Zigarette schädigt Gefäße, Lunge und Immunsystem. Rauchen erhöht unter anderem die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt sowie für verschiedene Krebsarten, Asthma und COPD deutlich. Daneben verursacht das Rauchen auch Folgekosten, die die Gesellschaft tragen muss, etwa Behandlungskosten für Krankheiten und Frühverrentungen.
Etwa zehn Prozent der über 40-Jährigen in Deutschland leiden an einer COPD. Hauptauslöser ist das Rauchen, neun von zehn Erkrankten sind oder waren Raucher.
19.11.2024 | 5:36 minWelche Nebenwirkungen auftreten können
Der Entzug von Nikotin kann zu Unruhe, Schlafproblemen und/oder Herzrasen führen. Durch Tabletten und Nikotinpflaster können zahlreiche Nebenwirkungen hinzu kommen, zum Beispiel Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden.
Nikotinpflaster können außerdem die Haut reizen. Die Nebenwirkungen sind in der Regel vorübergehend. Demgegenüber stehen die möglichen schweren gesundheitlichen Folgen des Rauchens.
Seit 20 Jahren informiert "Nichtrauchen ist cool" Schüler in Hamburg eindrucksvoll über die Folgen des Rauchens. Über 100.000 Teilnehmer machen das Projekt zu einem der größten Suchtpräventionsprogramme der Stadt.
30.05.2025 | 1:48 minSo gelingt der Rauchstopp
Studien zeigen: Erfolgversprechend ist eine Rauchentwöhnung, wenn verschiedene Therapiebausteine kombiniert werden, zum Beispiel Medikamente mit einer digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA), Verhaltenstherapie oder Gruppenkursen.
Seit die Krankenkassen die Kosten für Nikotinpflaster und Tabletten übernehmen, steigt die Nachfrage nach verpflichtenden Kursen zur Rauchentwöhnung. Für Pneumologe Matthias Krüll ist das ein positives Zeichen.
Veranstalter von Entwöhnungskursen gehen davon aus, dass in Zukunft mehr Menschen versuchen, von der Zigarette wegzukommen. Dass die Krankenkassen eine dreimonatige Therapie mit Medikamenten zahlen, könnte dafür ein Anreiz sein.
Methoden zur Rauchentwöhnung
Digitale Programme unterstützen den Rauchstopp online und sind einfach in den Alltag zu integrieren. Apps motivieren, helfen mit Erinnerungen und Verhaltenstipps. Zwei Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) werden derzeit von den gesetzlichen Krankenkassen auf Rezept bezahlt, da ihre Wirksamkeit in Studien bewiesen wurde: NichtraucherHelden-App und Smoke Free.
In Gruppenprogrammen unterstützen sich Raucher gegenseitig beim Rauchstopp, indem sie zum Beispiel bei Treffen ihre Erfahrungen austauschen. Das hilft vielen, ihr Ziel zu verfolgen und mögliche Rückfälle besser zu bewältigen. Begleitet werden die Kurse durch fachliche Anleitung von Therapeuten, die Strategien zum erfolgreichen Nikotinentzug vermitteln.
Im Mittelpunkt von Verhaltenstherapien steht das Erkennen von Gründen und Auslösern für das Rauchen wie Gewohnheiten und Stress. Es wird nach alternativen Ritualen gesucht, die den Griff zur Zigarette ersetzen können. Zudem werden Strategien gegen den Suchtdruck und gegen Rückfälle entwickelt. Verhaltenstherapien werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen ganz oder teilweise übernommen.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Thema Rauchen und Folgen
Süße Aromen statt Teer:Vapes: Ausstieg-Chance oder süßes Gift für die Sucht?
von Andreas Singlermit Video44:54Kassenleistung ab April:Für wen das neue Lungenkrebs-Screening sinnvoll ist
von Petra Ottomit Video1:34Vapes, Tabakerhitzer, Snus:"Rauchfrei": Was hinter der Strategie steckt
von Christian Hauser
Weitere Gesundheits-Themen
- FAQ
Die passende Sonnencreme finden:Was bei Sonnenschutz entscheidend ist
von Ulrike Hauswaldmit Video1:21 Frauenherzen schlagen anders:Herzerkrankungen bei Frauen besser erkennen und behandeln
von Corinna Kleemit Video5:21Volkskrankheit Parodontose:Parodontitis rechtzeitig erkennen, behandeln und vorbeugen
von Nicole Clouthmit Video4:59Wo stecken die guten Fette drin?:Omega-3-Fettsäuren: Wie Sie den täglichen Bedarf decken
von Brigitte Bäuerleinmit Video8:59