Lungenkrebs-Screening: Für wen die neue Leistung sinnvoll ist

Kassenleistung ab April:Für wen das neue Lungenkrebs-Screening sinnvoll ist

von Petra Otto

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Jedes Jahr sterben etwa 45.000 Menschen an den Folgen von Lungenkrebs, die meisten rauchten. Selten wird der Tumor im Frühstadium erkannt. Eine neue Kassenleistung soll das ändern.

Eine medizinisch-technische Radiologieassistentin, spricht mit einem Mann in einem mobilen Computertomographen CT, bevor er sich einem Lungencheck unterzieht.

An den Folgen von Lungenkrebs sterben jährlich rund 45.000 Menschen in Deutschland. Oft wird er zu spät erkannt. Nun gibt es für starke Raucher ein neues Screening als Kassenleistung.

01.04.2026 | 5:05 min

Wenn ein Tumor in der Lunge Beschwerden macht, ist es meist schon zu spät: Oft hat der Krebs da schon gestreut und ist nicht mehr operabel, nicht mehr heilbar. Viele Betroffene haben Jahrzehnte geraucht. Dabei könnte eine frühzeitige Erkennung viele Todesfälle verhindern. Ab 1. April haben langjährige starke Raucherinnen und Raucher Anspruch auf eine jährliche, kostenlose Untersuchung mittels Niedrigdosis-Computertomographie (CT).

Die CT, die KI-unterstützt ausgewertet wird, kann schon kleine Veränderungen erkennen und ermöglicht eine frühzeitig Behandlung. Das heißt der Tumor wird rechtzeitig entfernt, bevor der Krebs streut und es gibt die Chance auf Heilung.

SYMBOLBILD - 27.11.2024, Berlin: Im Freien liegt eine abgebrannte Zigarette in einem Aschenbecher.

Ab April haben starke Raucher Anspruch auf eine kostenlose Untersuchung zur Früherkennung von Lungenkrebs. Das Angebot gilt für aktive und ehemalige Raucher zwischen 50 und 75 Jahren.

13.03.2026 | 0:38 min

Lungenkrebs, im Frühstadium erkannt, ist heilbar

Am Universitätsklinikum Freiburg wird das Lungenkrebs-Screening schon seit einigen Monaten angeboten. Der Radiologe Prof. Christopher Schlett erklärt:

"In vielen Ländern ist das Programm schon angekommen, zum Beispiel in Großbritannien. Und man hat anhand von verschiedenen Studien gesehen, dass man, wenn man die Hochrisikopopulation untersucht, die Mortalität, die Sterblichkeit durch Lungenkrebs um mindestens 20 bis 24 Prozent reduzieren kann."

Dennoch sei die Untersuchung nicht für alle geeignet. Sie richte sich an starke Raucherinnen und Raucher.

Ein Arzt zeigt auf ein Röntgenbild einer von Krebs befallenen Lunge.

BNT327 - der sperrige Name für die Hoffnung, für das mögliche neue Krebsmedikament. Es wird derzeit getestet in mehreren Studien. Besonders weit ist die Forschung bei Lungenkrebs.

08.09.2025 | 2:24 min

Rauchen: 15 Packungsjahre als Voraussetzung

Weil auch eine niedrige Strahlendosis schädlich sein kann und weil manchmal auch Krebs vermutet wird, wo es gar keinen gibt (falsch-positiver Befund), ist das Screening nur sinnvoll für Menschen, die zwischen 50 und 75 Jahre alt sind.

Für das Screening sollten sie mindestens 25 Jahre geraucht haben, nicht länger als zehn Jahre rauchfrei sein und die 15 sogenannte Packungsjahre haben, also über 15 Jahre lang täglich ein Päckchen geraucht haben oder über 30 Jahre ein halbes.

Lungenkrebs stark stigmatisiert

Wer Lungenkrebs bekommt, ist selbst schuld, denken viele und missgönnen Rauchenden die Vorsorgeuntersuchung. Keine Krebserkrankung ist mit so vielen Schuld- und Schamgefühlen belastet wie Lungenkrebs. "Die Frage ist, wie wir als Gesellschaft damit umgehen," meint Schlett. "Wir sind ein Sozialsystem und man muss auch dran denken, Rauchen war ein sozial akzeptiertes Verhalten gewesen. Die, die zu uns kommen, sind ja 50 plus. Das heißt es ist eine Generation, in der Rauchen noch völlig normal war."

Selbst im Krankenhaus sei einfach geraucht worden, erklärt Schlett. "Man muss das Rauchen auch als Sucht verstehen, von der man nicht mehr wegkommt."

Tropfende Infusion in Nahaufnahme

Annähernd die Hälfte der Menschen in Deutschland bekommt laut RKI im Laufe des Lebens Krebs. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen - bei Jüngeren zeigt sich teils ein Rückgang.

29.01.2026 | 0:36 min

So geht es auch Heinz Singer, der mit 14 das Rauchen anfing, vor 54 Jahren. Seinen besten Freund hat er verloren. Raucher, Lungenkrebs. "Wenn dann so ein gestandenes Mannsbild langsam aber sicher zugrunde geht, das war schon übel. Trotzdem war man nicht imstande, dass man aufhört", räumt er ein. Sein Befund beim Screening unauffällig. Dass das Niedrigdosis-CT Lungenkrebs nicht verhindern, sondern nur frühzeitig entdecken kann, ist ihm klar. Aufhören, Rauchstopp wäre die beste Lösung, deshalb werden alle Teilnehmenden zum Raucherentwöhnungskurs motiviert.

In Freiburg bisher nur wenige positive Befunde

"Wir hatten hier gut 100 Untersuchungen und davon ungefähr zehn Befunde, die kontrollbedürftig waren", sagt die Radiologin Prerana Agarwal, die das Freiburger Lungenkrebsscreening leitet. Doch längst nicht jede Auffälligkeit bedeutet gleich Krebs.

Oft sind es auch gutartige Veränderungen, die beobachtet werden müssen. Laut Studien rechnen sie damit, bei 1.000 Teilnehmenden etwa zwölf Mal Lungenkrebs zu diagnostizieren. Im Normalfall wird das 200-300 Euro teure Screening bis zum 75. Lebensjahr jährlich wiederholt.

Wie Onkolotsen Krebs-Patienten helfen

Daniela Tennie ist Onkolotsin. Sie begleitet Krebspatienten und ihre Angehörigen durch die Erkrankung, von der Diagnose bis zur Nachsorge und palliativ.

04.02.2025 | 5:25 min

Zum 1. April noch Anlaufschwierigkeiten

Wer beim Screening mitmachen will, braucht eine Überweisung von einer Haus- oder Facharztpraxis. Und Ärzte und Ärztinnen müssen sich dafür erst qualifizieren. Stolpersteine, die Christopher Schlett ärgern. "Wichtig ist, dass wir es relativ einfach machen. Das heißt, auch Lungenfachärzte sollten einen CT-Termin machen können. Wir brauchen eine breite Versorgung im gesamten Land." Doch die gibt es zum Starttermin noch nicht.

Petra Otto berichtet aus dem ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.

Über dieses Thema berichtete Volle Kanne am 01.04.2026 ab 09:05 Uhr.

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